Auf meinen Kräuterwanderungen und Alpenblumenkursen treffen wir immer wieder auf die schönen aber auch sehr giftigen Eisenhut-Pflanzen: Blauer Eisenhut (Aconitum napellus) und Gelber Eisenhut (Wolfs-Eisenhut, Aconitum vulparia). Sie gehören zu den stärksten Giftpflanzen in Mitteleuropa und sind Hummelblumen. Es gibt sogar eine Hummelart (Gerstaeckers Hummel, Megabombus gerstaeckeri) die streng auf Blauen Eisenhut und Gelben Eisenhut spezialisiert ist und vom ihrem Körperbau her genau in die Eisenhut-Blüte passt.

Zum Namen Eisenhut schreibt Wikipedia:

„Die wissenschaftliche Bezeichnung Aconitum rührt vermutlich von dem Berg Akonitos in Pontos (Kleinasien) her. Dort holte in der griechischen Mythologie Herakles (lat. Hercules) den dreiköpfigen Höllenhund Kerberos (Zerberus) aus dem Hades (Unterwelt), aus dessen Geifer die Pflanze erwuchs. Die Bezeichnung Eisenhut leitet sich von der helmartigen Blütenform ab.“

Zur Giftigkeit von Eisenhut:

„Die Eisenhut-Arten zählen zu den giftigsten Pflanzen Europas. In den meisten Ländern, in denen Eisenhut vorkommt, sind auch Erzählungen überliefert, die auf die Giftigkeit dieser Pflanze hinweisen. So wird in der chinesischen und indischen Literatur oft der Einsatz von mit Eisenhut vergifteten Pfeilen erwähnt. Ähnlich wie beim Blauen Eisenhut in Europa kennt auch die chinesische Geschichte Morde, die mit Hilfe von Eisenhutpflanzen vollbracht wurden. So soll die Ehefrau des chinesischen Generals Huo Guang versucht haben, ihre Tochter in die Favoritenrolle zu bringen, indem sie die Kaiserin mit Eisenhutextrakten vergiftete. Diese Tradition ist bis heute nicht abgerissen. Zwischen 1980 und 1984 verzeichnete man allein in der chinesischen Provinz Sichuan 72 Todesfälle, die auf Eisenhut zurückzuführen waren. Davon waren 35 Morde, in 16 Fällen nutzten Personen Eisenhut, um Selbstmord zu begehen und 21 Fälle führte man auf unglückliche Verwechselungen zurück. Ähnliches wird aus Hongkong berichtet, wo man zwischen 1989 und 1993 35 Vergiftungsfälle meldete, die auf Dosierungsfehler bei der Zubereitung traditioneller chinesischer Medizin zurückgingen. In vielen Ländern, in denen Eisenhut vorkommt, ist er ein traditionelles Mittel zur Vergiftung von Wildtieren wie Wölfen, Bären und Nagetieren.

Die verschiedenen Aconitum-Arten enthalten toxische Diterpen–Alkaloide, die sich in allen Pflanzenteilen finden. In den in Europa heimischen und kultivierten Arten sind im wesentlichen die Alkaloide Aconitin, Benzoylnaponin, Hypaconitin, Lycaconitin und Neopellin, und die Aminoalkohole Aconin, Napellin, Neolin und Lycoctonin nachweisbar. Daneben sind in manchen Arten noch Isochinolin-Alkaloide oder Katecholamine enthalten. Die Giftigkeit einer einzelnen Pflanze ist dabei von Standortbedingungen sowie genetischen Faktoren abhängig. Das Aconitin wird von der unverletzten Haut und den Schleimhäuten aufgenommen. Bei zarthäutigen Personen kann dies sogar zu Nesselausschlägen führen. Die traditionelle chinesische Medizin verwendet Eisenhut. Er gilt dort als Mittel bei Erkältung und Fieberanfällen sowie bei Beklemmungen und Todesangst. Auch die Homöopathen verwenden Medikamente, die laut ihrer Ansicht Eisenhut enthalten sollen.“

(Quelle: Wikipedia)

Der letzte Satz spielt darauf an, dass in der Homöopathie Medikamente aus Eisenhut hergestellt werden, in denen aufgrund der sehr grossen Verdünnung kein Eisenhut mehr enthalten ist.

Bei Aconitum D6 mit einer Verdünnung von 1: 1 Million und auch bei Aconitum D12 mit einer Verdünnung von 1 : 1 000 000 000 000 sind noch minimale Spuren zu finden. Bei Aconitum C30 (30 mal 1: 100 verdünnt) und Aconitum C200 (200 mal 1: 100 verdünnt) ist in dem Präparat kein Molekül aus dem Eisenhut mehr vorhanden.

In dieser homöopathischen Form kann Eisenhut toxikologisch unbedenklich eingesetzt werden. Eine phytotherapeutische Anwendung ist dagegen nicht möglich, weil das Alkaloid Aconitin zu toxisch ist.

Zur Wirkung von Aconitin im Organismus:

„ Aconitin gilt als eines der stärksten Pflanzengifte überhaupt, es ist wirksamer als Strychnin. Aconitin und verwandte Alkaloide werden sehr schnell intestinal, aber auch über intakte Haut und Schleimhäute resorbiert. Aconitin verlangsamt die Inaktivierung des spannungsabhängigen Natriumkanals und verlängert dadurch den Einstrom von Natriumionen während des Aktionspotenzials. Es wirkt peripher wie zentral auf motorische wie sensible Nerven zunächst erregend, gefolgt von einer Lähmung. Kardiale Auswirkungen sind vor allem Arrhythmien sowie eine Bradykardie, die bei letaler Dosis zum diastolischen Herzstillstand führt.

Die tödliche Dosis Aconitin liegt für einen Erwachsenen bei circa 5 Milligramm. Deshalb wurde es – in Form des Blauen Eisenhutes – früher für Pfeil- und Ködergifte, Hexensalben und als Mordgift verwendet.

Aconitin ist verschreibungspflichtig. Es wird immer noch in homöopathischen Dosen gegen Rheuma und Erkältungskrankheiten eingesetzt. Erst ab der Potenz D4 (was einer Verdünnung von 1:10.000 entspricht) ist Aconitin rezeptfrei erhältlich. In Kombinationspräparaten kommen in geringen Einzelmengen auch niedrigere Potenzen zum Einsatz.“

(Quelle: Wikipedia)

Die Darstellung im letzten Abschnitt ist insofern falsch, dass in der Homöopathie nicht Aconitin zur Anwendung kommt.

Das Alkaloid Aconitin ist in homöpathischen Präparaten nicht nur wegen der starken Verdünnung nur in äusserst geringen Spuren oder gar nicht mehr vorhanden, es ist auch nicht Ausgangspunkt in der Herstellung dieser Mittel. Ausgangpunkt ist Eisenhut. Diese Unterscheidungen mögen kleinlich erscheinen. Sie sind aber für das Verständnis der Unterschiede zwischen Homöopathie und Pflanzenheilkunde zentral.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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