Eine Studie bei Rheumapatienten widerlegt das Gerücht, wonach die Homöopathie nicht in kontrollierten klinischen Studien überprüfbar sei. Und sie zeigt, dass Homöopathie sowohl wirkt als auch nicht wirkt.

Wissenschaftler aus Großbritannien haben sich jedenfalls alle Mühe gegeben, um ein Studiendesign zu entwerfen, welches der Tatsache Rechnung trägt, dass sich Homöopathie und Medizin in mehr unterscheiden als nur in der Verabreichung von homöopathisch zubereiteten Arzneimitteln.

Ein oft gehörter Einwand gegen die wissenschaftliche Überprüfung der Homöopathie lautet: Homöopathie und Schulmedizin seien von ihrem ganzen Ansatz her so verschieden, dass sie in einer randomisiert-kontrollierten Doppelblind-Studie gar nicht sinnvoll verglichen werden können. Die Rheumatologin Dr. Sarah Brien von der Complementary and Integrated Medicine Research Unit am Aldermoor Health Centre in Southamptom hat deshalb ausdrücklich versucht, diesen populären Einwand zu berücksichtigen. In einer randomisierten und bei der Medikation doppelt verblindeten und placebokontrollierten Studie bei Patienten mit stabiler, konventionell medikamentös eingestellter rheumatoider Arthritis untersuchte sie, ob die Homöopathie wirkt und wenn ja weshalb. Die Resultate sind nachzulesen in der Zeitschrift Rheumatology (2010/11/08), wo sie sogar im Volltext abrufbar sind.

Sarah Brien hat zunächst einmal den Einwand berücksichtigt, dass der ganze homöopathische Versorgungsprozess irgendwie besonders sei. Sie bildete daher zwei Gruppen, eine in der die Patienten konventionell medizinisch beraten wurden und eine, in der eine bekanntlich aufwändigere homöopathische Beratung beziehungsweise Anamnese und Befunderhebung durchgeführt wurde.

Die Patienten in der Gruppe mit schulmedizinischer Beratung wurden dann weiter randomisiert (= per Zufall in Gruppen aufgeteilt):

Sie bekamen entweder

– die von dem Homöopathen empfohlene homöopathische Komplextherapie,

– oder ein Placebopräparat in identischer Aufmachung.

In der Gruppe, in der homöopathisch beraten wurde, wurden die Patienten bei der Medikation sogar in drei Gruppen randomisiert, nämlich

– Placebo,

– Komplexbehandlung oder

– individuelle homöopathische Zubereitung.

Die ausgewählten primären Endpunkte der Studie ( = das erstrangige Ziel der Studie) entsprachen denen der klassischen Rheumatologie:

eine mindestens 20prozentige Verbesserung des Abschneidens beim Standardscore ACR und eine Verbesserung der globalen Selbsteinschätzung des Patienten auf Monatsbasis.

Sekundäre Endpunkte der Studie waren verschiedene Schmerz- und Gelenksparameter, von denen bekannt ist, dass sie Aussagen zur Lebensqualität des Patienten ermöglichen.

Resultat:

Zwischen den insgesamt fünf Gruppen gab es hinsichtlich der primären Endpunkte keine statistisch signifikanten Unterschiede.

Bei den sekundären Endpunkten Schmerzempfinden, Zahl der geschwollenen Gelenke, Patientenselbsteinschätzung auf Wochenbasis und Stimmung zeigten sich dagegen jeweils signifikante Vorteile für jene Patienten, die homöopathisch beraten wurden im Vergleich zu jenen, die nur medizinisch beraten wurden.

Das interessante Ergebnis ist nun, dass es innerhalb der Beratungsgruppen jeweils keinerlei Unterschiede gab. Es war also egal, ob die Patienten Placebo, Komplexhomöopathie oder individuell zubereitete homöopathische Medikamente bekamen, solange sie nur vorher homöopathisch beraten wurden. Anders gesagt: Reden ist wirksam, Globuli sind es nicht.

Eine Schwäche der Studie besteht darin, dass sie vergleichsweise klein ist. Werden 83 Patienten auf fünf Gruppen verteilt, bleiben bei einer Dropout-Quote (= „Aussteiger-Quote“) von immerhin 30 Prozent nur noch rund zwei Handvoll Teilnehmende pro Gruppe übrig. Der fast durchgängige und statistisch signifikante Effekt zugunsten der homöopathischen Beratung bei den (prädefinierten) sekundären Endpunkten weist allerdings darauf hin, dass die Studie für das, was sie zeigen wollte, nicht dramatisch zu klein war.

Im Editorial zu der Studie stellt Edzard Ernst die Frage: Have we lost core medical values? Prof. Edzard Ernst ist Inhaber des Lehrstuhls für Komplementärmedizin an der Universität Exeter. Er unterstreicht im Einklang mit der Studienleiterin Sarah Brien, dass es die therapeutische Beziehung zwischen homöopathisch tätigem Arzt und Patient zu sein scheine, die den Unterschied mache, nicht die homöopathischen Globuli als solche. Offen bleibt natürlich die Frage, ob es etwas spezifisch Wirksames an einer homöopathischen Konsultation gibt, oder ob nicht eher generell eine intensivere Beziehung zwischen Arzt und Patient zu einem größeren Behandlungserfolg führt. Ernst zumindest neigt zu Letzterem.

Quelle:

http://news.doccheck.com/de/article/202282-homoeopathie-reden-hilft-globuli-nicht/

http://rheumatology.oxfordjournals.org/content/early/2010/11/08/rheumatology.keq234.full

Kommentar & Ergänzung:

Homöopathie erweist sich in verschiedenen Bereichen als wirksam. Das haben mehrere Studien gezeigt. Die Behandlungserfolge basieren aber nicht auf einer spezifischen Wirkung der Globuli. Auch dafür gibt es deutliche Belege.

Die Arbeit von Sarah Brien passt gut zu dieser Interpretation und stärkt sie.

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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