• Zur Hauptnavigation springen
  • Zum Inhalt springen
  • Zur Seitenspalte springen
Phytotherapie Seminare
  • Gutscheine
  • Publikationen
  • Presse
  • Buchtipps
  • Fotogalerien
  • Austauschplattform
  • Interessante Links
  • Newsletter
  • Kontakt
  • koradi@phytotherapie-seminare.ch
Phytotherapie Seminare

Phytotherapie Seminare

Ausbildungen | Heilpflanzen-Kurse | Kräuterwanderungen

  • Lehrgänge / Kurse
    • Phytotherapie-Ausbildung
    • Lehrgang Heilpflanzen-Seminar
    • Kräuterwanderungen
    • Phytotherapie Tagesseminare
  • Kurskalender
  • Martin Koradi
  • Infothek
    • Info-Blog
    • Phytotherapie in der Pflege
    • Phytotherapie für Ärztinnen und Ärzte
    • Phytotherapie-Wissen für medizinische Laien
    • Phytotherapie – was ist das?
    • Qualitätssicherung in der Phytotherapie
    • Phytotherapie & Forschung
    • Arzneiformen in der Phytotherapie
    • Infothek Phytotherapie in der Pflege

Hoch fragwürdig: Pathologisierung und Medikalisierung der Trauer

Gesellschaftliches

Avatar-FotoMartin Koradi17.04.2012

Früher auf dem Dorf wurde von einer Witwe erwartet, dass sie für mindestens ein Jahr schwarze Kleidung trug.

Inzwischen hat sich diese Konvention stark gelockert, doch wie lange dauert eine Trauerzeit jenseits der Konvention?

Wann wird aus einer Trauer, die zum Leben gehört, eine Depression, die ärztlicher Behandlung bedarf?

Um diese Fragen wird in den USA eine heftige Debatte geführt.

Auslöser ist die Neufassung des Krankheitskataloges der American Psychiatric Association, der ab dem nächsten Jahr in Kraft treten soll. Gemäss diesem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, kurz DSM 5, ist bereits nach zwei Trauerwochen eine Grenze erreicht, bei der man an eine Depression denken muss : Wenn Traurigkeit, Apathie, Konzentrationsstörungen, Schlaflosigkeit und Appetitmangel dann noch andauern, könnten sie Symptome einer Depression sein. Der Vorläufer, das DSM 4, gab den Trauernden nach dem Tod eines nahen Angehörigen noch mindestens zwei Monate Zeit. In der vorangegangenen Fassung war es sogar ein ganzes Trauerjahr. In der medizinischen Fachzeitchrift „Lancet“ wurden angesichts der nochmals verkürzten Zeitspanne Einwände geäussert: „Trauer ist keine Krankheit; sie sollte als Teil des menschlichen Leben und als normale Antwort auf den Tod eines geliebten Menschen betrachtet werden“. Für diese natürliche Reaktion enge zeitliche Grenzziehungen vorzusehen sei unangemessen, heisst es in „Lancet“: „Die meisten, die einen Menschen verlieren, den sie lieben, brauchen keine Behandlung durch einen Psychiater oder einen anderen Arzt.“ Eine echte Hilfe in solchen Situationen sei mitmenschliche Empathie, nicht Pillen.

Parallel zu der Neufassung des DSM überlegen sich auch Fachleute bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die International Classification of Disorders ICD 11 um eine Störung mit der Bezeichnung „verlängerte Trauer“ zu erweitern.

Der Psychiater Allen Frances von der amerikanischen Duke University warnte auf der Tagung „Graduelle Annäherungen an Gesundheit und Krankheit“ in Berlin vor derart tief angesetzten Krankheitsschwellen: Werde Trauer zu schnell pathologisiert, dann sei das „ein Angriff auf die Würde von etwas, das zur Liebe gehört“. Das gelte auch für andere schwerwiegende Lebensereignisse wie eine Trennung oder den Verlust des langjährigen Arbeitsplatzes, hielt der Psychiater fest und kritisierte die neuen Grenzziehungen in dem Bewusstsein, dass Grenzen zwischen gesund und krank in zahlreichen Fällen schwer zu ziehen sind – nicht nur in der Psychiatrie.

Quelle:

https://www.tagesspiegel.de/wissen/medizin-eine-krankheit-namens-diagnose/6444260.html

Kommentar & Ergänzung:

Die zunehmende Pathologisierung und Medikalisierung der Trauer ist ausgesprochen fragwürdig und ich teile die Einwände aus „Lancet“ und von dieser Tagung in Berlin voll und ganz. Das heisst nicht, dass es in Trauerphasen nicht auch Situationen geben kann, in denen ärztliche Behandlung und gegebenenfalls medikamentöse Therapie angemessen ist. Das sollte aber nicht zum Standard werden.

Trauer ist in erster Linie eine menschliche Reaktion, die Zeit braucht und mitmenschliche Unterstützung.

Das hat auch Konsequenzen für die Behandlung mit Johanniskraut. Die vorschnelle Empfehlung von Johanniskrautextrakt in Trauerphasen halte ich nicht für angebracht. Auch bei temporären, kürzeren Verstimmungen braucht es wohl in den seltensten Fällen schon ein Johanniskraut-Präparat oder ein synthetisches Antidepressivum.

Die Anwendung von Johanniskraut bei temporären, kürzeren Verstimmungen ist auch deshalb unsinnig, weil es bis zum Wirkungseintritt etwas 14 Tage dauert.

Es gehört auch zum Leben, dass man gelegentlich für ein paar Tage nicht so gut „drauf“ ist. Für solche Situationen ist es sinnvoll, wenn man ein paar passende nichtmedikamentöse Bewältigungsstrategien zur Verfügung hat (Spazierengehen, eine Massage, ein Gespräch…).

Und auch mit Naturheilmitteln wie Johanniskraut sollte es keine unnötige Pathologisierung und Medikalisierung von Trauer geben.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Seitenspalte

Phytotherapie-Ausbildung

Ein fundierter Lehrgang über 30 Kurstage für Pflegende und andere Gesundheitsberufe, mit begrenzten Plätzen auch für Teilnehmende ohne medizinische Grundlage (nach Vorgespräch).

Mehr erfahren

Heilpflanzen-Seminar

Das Heilpflanzen-Seminar vermittelt fundiertes, professionelles Heilpflanzen-Wissen in kompakter, verständlicher Form

Mehr erfahren

Gutscheine kaufen

Verschenken Sie zu besonderen Anlässen einen Gutschein für Heilpflanzen-Kurse und Kräuterwanderungen mit Martin Koradi

Zu den Gutscheinen

Kategorien

  • Buchshop (197)
  • Diverses (12)
  • Gesellschaftliches (493)
  • Gesundheitliches (1.211)
  • Kurzfutter & Fragmente (4)
  • Natur (384)
  • Naturheilkunde-Debatte (578)
  • Philosophisches (142)
  • Phytotherapie (2.102)

Unsere aktuellsten Kurse

18.04.2026

18. April 2026: Frühlings-Kräuterwanderung Oberbaselbieter Chirsiweg & Eichenhain bei Bubendorf (BL)

Course price: CHF 120
Read more
All courses

Telefonische Beratung

Bei Fragen zu Heilpflanzen, Naturheilkunde, Gesundheit

Telefon-Beratung buchen

Follow Us

Möglicherweise interessiert Sie:

Gesellschaftliches

Avatar-FotoMartin Koradi17.04.2012

Energydrink: Taurin verleiht keine Flügel

Trauer braucht vor allem Zeit & mitmenschliche Unterstützung. Ihre zunehmende Pathologisierung & Medikalisierung ist falsch. Mehr dazu hier.

Mehr erfahren

Gesellschaftliches

Avatar-FotoMartin Koradi17.04.2012

Flavonoide für eine gesunde Ernährung

Trauer braucht vor allem Zeit & mitmenschliche Unterstützung. Ihre zunehmende Pathologisierung & Medikalisierung ist falsch. Mehr dazu hier.

Mehr erfahren

Gesellschaftliches

Avatar-FotoMartin Koradi17.04.2012

Magnesium-Präparate boomen, sind aber nutzlos

Trauer braucht vor allem Zeit & mitmenschliche Unterstützung. Ihre zunehmende Pathologisierung & Medikalisierung ist falsch. Mehr dazu hier.

Mehr erfahren

  • AGB
  • Datenschutz
  • Impressum