Die Berlinerzeitung empfiehlt Feldsalat (in der Schweiz: Nüsslisalat) gegen Stress.

Quelle:

http://www.bz-berlin.de/ratgeber/ernaehrung/salate-oder-kraeuter-die-vitalstoffbomben-article1417232.html

Das ist zweifellos richtig. Wenn man Nüsslisalat langsam und bewusst verzehrt und gut kaut, kann das durchaus zur Entspannung beitragen……

Die „Berliner Zeitung“ begründet die Empfehlung von Feldsalat gegen Stress aber mit dem Gehalt an Magnesium. Das wirft eine ganze Reihe von Fragen auf……

Magnesium wird für und gegen alles Mögliche empfohlen – auch aus “Stresskiller”, als “Antistress-Mineral” und als “Powerstoff gegen Stress”.

Eine gute Magnesium-Versorgung soll Stressreaktionen vermindern. Als nötiger Tagesbedarf an Magnesium gelten etwa 300 – 350 mg. Physischer Stress (z. B. Leistungssport) kann den Bedarf erhöhen. Der Magnesiumgehalt von Feldsalat liegt bei 13mg/100g.

Natürlich trägt jedes Blättchen Feldsalat zur Magnesiumversorgung bei. Aber um einen Magnesiummangel auszugleichen oder gar direkt Stresssymptome zu reduzieren, wären wohl Tagesdosen von mehreren Kilogramm Feldsalat nötig.

Zudem fragt sich, weshalb ausgerechnet Feldsalat / Nüsslisalat dank Magnesium gegen Stress wirken soll. Magnesium ist enthalten in allen grünen Gemüsen als Bestandteil des Blattgrüns (Chlorophyll). Brennnessel (80mg/100g), Brokkoli (24mg/100g), Kresse (40mg/100g) und Spinat (58mg/100g) beispielsweise haben einen deutlich höheren Magnesiumgehalt, Kopfsalat (9mg/100g) und Endivien (10mg/1oog) liegen etwas tiefer.

Feldsalat ist durchaus gesund. Er enthält offenbar in relevanten Mengen Provitamin A, Vitamin B und Vitamin C.

Aber warum hängt ihm die „Berliner Zeitung“ noch eine Wirkung gegen Stress an?

Vielleicht haben wir es hier ja mit einem generellen Medienproblem zu tun:

Es „zieht“ heutzutage nur noch das Aussergewöhnliche. Alles Gewöhnliche muss aufgepeppt werden. Eine Schlagzeile wie „Feldsalat ist gesund“ wirkt nicht und ist lahm. „Feldsalat gegen Stress“ fällt dagegen auf. Es müssen laufend Erwartungen geweckt und bedient werden. Je ausgefallener desto besser.

Aussagen brauchen nicht mehr wahr zu sein, sondern funktional, indem sie den Erwartungen der Leserschaft zudienen. Die aber empfindet Gewöhnliches offenbar mehrheitlich als langweilig und braucht diese Aufladung der Begriffe mit Ausgefallenem.

Inhalt hat die Behauptung der Berliner Zeitung „Feldsalat gegen Stress“ keinen. Reiner Bullshit wird uns da serviert.

Feldsalat / Nüsslisalat (Valerianella locusta) gehört übrigens zu den Baldriangewächsen.

Wegen der kurzen Entwicklungszeit und hoher Frostbeständigkeit  wird er als wertvoller Wintersalat geschätzt. Einige Varietäten erinnern im Geschmack an Haselnuss, woraus wohl der Name Nüsslisalat entstanden sein dürfte.

Es lebe der Nüsslisalat – ganz ohne Stress.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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