Damit ein neues Medikament in Europa oder den USA eine Zulassung bekommt, muss es verschiedene Testphasen durchlaufen. Das braucht Zeit und auch viel Geld. Medizinversuche in Entwicklungsländern und Schwellenländern werden darum für die großen Pharmakonzerne immer interessanter. Sie sind günstiger, es gibt dort weniger einschneidende Regeln und zahlreiche potentielle Versuchsteilnehmer.

Die Reporter Benjamin Best und Rebecca Gudisch haben in Indien Menschen getroffen, die angeben, unfreiwillig zu Probanden von Medikamententests geworden zu sein. Sie gingen den Vorwürfen nach, die mehrere westliche Pharmafirmen betreffen.

Den Dokumentarfilm „Pharma-Sklaven – Medikamententests für den Westen“, sehen Sie hier:

Pharma-Sklaven – Medikamententests für den Westen

Kommentar & Ergänzung:

Ich hätschle keineswegs das pauschale Feindbild von der bösen Pharmaindustrie, wie es in Teilen der Komplementärmedizin leider ziemlich verbreitet zu finden ist. Es gibt aber eine ganze Reihe von fragwürdigen Punkten in der Pharmabranche, die harte, konkrete, präzise Kritik verdienen.

Dieser WDR-Dokumentarfilm zeigt unakzeptable Zustände im Umfeld von Medikamentenstudien in Indien – zum Beispiel ungenügend oder gar nicht informierte Versuchsteilnehmer, Pseudo-Ethikkommissionen etc.

Studien mit Patientinnen oder Patienten sind sehr wichtig, um wirksame von unwirksamen Medikamenten  zu unterscheiden.

Klinische Studien müssen aber sorgfältig und in einer ethisch verantwortbaren Art und Weise geplant und durchgeführt werden.

Dazu gibt es gesetzliche Vorgaben wie die GCP-Verordnung (GCP = Good Clinical Practice).

In ethischer Hinsicht massgebend ist zudem die Deklaration von Helsinki des Weltärztebundes. Sie fasst ethische Grundsätze für die medizinische Forschung am Menschen zusammen.

Die Deklaration von Helsinki gilt allgemein als Standard ärztlicher Ethik.

Auf diesem Hintergrund sind die Vorgänge, welche Benjamin Best und Rebecca Gudisch in ihrer WDR-Dokumentation zeigen, skandalös und unakzeptabel.

Hier werden nicht nur Versuchsteilnehmer getäuscht, ausgenutzt und möglicherweise geschädigt. Hinters Licht geführt werden auch Arzneimittelbehörden, die auf der Basis von fragwürdigen Studien über die Zulassung von Medikamenten entscheiden. Getäuscht werden auch Patientinnen und Patienten, welche später Medikamente schlucken, die auf der Basis fragwürdiger Studien zugelassen wurden.

Die Finanzindustrie hat in den letzten Jahren ihren Ruf heftig an die Wand gefahren. Wenn die Pharmaindustrie so weiter macht, wird ihr ein ähnliches Desaster blühen.

Und es sind nicht irgendwelche Aussenseiter, die in solch fragwürdige Machenschaften involviert sind. Der Film nennt zentrale Grössen der Pharmabranche wie Johnson & Johnson, Bayer, Boehringer Ingelheim, Novartis und Eli Lilly.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch