Das Deutsche Krebsforschungszentrum DKFZ informiert jetzt mit einer speziellen Website über Zusatzstoffe im Tabak.

Beschrieben wird die Auswirkung von 14 Zusätzen wie Zucker, Lakritz, Kakao, Johannisbrot, Dörrpflaumensaftkonzentrat, Glyzerin, Guarkernmehl, Menthol, Sorbit oder Vanillin auf die menschliche Gesundheit. Die Tabakindustrie wolle Zigaretten durch solche Zusatzstoffe attraktiver machen, schreibt das DKFZ in Heidelberg.

Zusatzstoffe erleichtern den Raucheinstieg und erschweren den Stopp. Einige, wie zum Beispiel Vanille, überdecken den bitteren und scharfen Geruch und Geschmack des Rauchs.

Andere reduzieren die Atemwegreizung. Wenn sie verbrennen, entstehen zum Teil Karzinogene (Krebs auslösende Stoffe). Durch Zusatzstoffe werden gefährliche Produkte noch gefährlicher.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/suchtkrankheiten/article/821615/tabak-neue-internetseite-zusatzstoffe.html?sh=13&h=1385287525

Kommentar & Ergänzung:

Auf der Website sind interessante Beispiele zu finden. Überrascht hat mich die Verwendung von Johannisbrot als Zusatzstoff.

Johannisbrotkernmehl kommt nämlich sowohl in der Phytotherapie  als auch in der Diätetik zur Anwendung.

Akute Ernährungsstörungen, Verdauungsstörungen, Durchfallerkrankungen, Erbrechen, Colitis und Zöliakie sind Anwendungsgebiete für Diätprodukte aus dem Samenmehl. Außerdem sind ein hoher Cholesterinspiegel, Diabetes mellitus und Fettsucht möglicherweise mit Johannisbrotkernmehl zu behandeln.

Siehe dazu auch:

Was ist Johannisbrotkernmehl?

Und wie wird nun Johannisbrot im Tabak eingesetzt?

Johannisbrot wird zur Aromatisierung von Zigaretten verwendet. Es gibt einen süßen, nussigen Geschmack, der dem Rauch ein volleres Aroma gibt. Johannisbrot kann dem Filter oder dem Tabak zugesetzt werden und macht bis zu 0,2 Prozent des Gesamtgewichts des Tabaks einer Zigarette aus.

Welche Auswirkungen hat Johannisbrot im Tabak auf die Gesundheit?

Johannisbrot wird für den Einsatz in Lebensmitteln und Kosmetika als grundsätzlich ungefährlich betrachtet. Dies heisst aber nicht zwangsläufig, dass es auch ungefährlich ist, wenn es beim Rauchen von Zigaretten inhaliert wird. Fast die ganze Menge an Johannisbrot, die einer Zigarette zugefügt wird, verbrennt beim Rauchen. Dabei werden verschiedene gefährliche Stoffe freigesetzt, zum Beispiel Benzol. Beim Verbrennen des im Johannisbrot-Extrakt vorhandenen Zuckers können Substanzen wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Formaldehyd entstehen. Diese Abbauprodukte von Zucker wurden vom Internationalen Krebsforschungszentrum (International Agency for Research on Cancer, IARC), in dem weltweit führende Fachleute in der Krebsforschung arbeiten, als beim Menschen krebserzeugend beurteilt.

Beim Verbrennen des Zuckers aus dem Johannisbrot entstehen außerdem saure Substanzen, die dazu führen, dass das Nikotin aus dem Tabakrauch weniger gut ins Gehirn gelangt. Deswegen müssen Rauchende tiefer inhalieren und mehr Zigaretten rauchen, um die gewünschte Menge Nikotin aufzunehmen. Zudem kann der Einsatz von Johannisbrot über die Bildung so genannter Aldehyde (hauptsächlich Acetaldehyd) gefährlich sein. Diese Stoffe erhöhen nämlich das Abhängigkeitspotential von Nikotin, und damit auch dasjenige von Zigaretten. Aldehyde sind sehr reaktionsbereit und wandeln sich in andere Substanzen um wie zum Beispiel Harman, das wegen seiner stimmungsaufhellenden Wirkung im Gehirn ebenfalls das Abhängigkeitspotential von Zigaretten steigern könnte.

Johannisbrot überdeckt den natürlichen scharfen Tabakgeschmack und reduziert dadurch die reizende Wirkung des Tabakrauchs, indem es den Rauch angenehmer und milder macht. Dadurch wird der natürliche Hustenreiz unterdrückt, der Rauchenden signalisiert, dass der Rauch gefährlich ist. Darüber hinaus macht das Karamellaroma, das sich bei der Verbrennung von Zucker entwickelt, den Rauch aromatischer und attraktiver.

Der Zusatz angenehmer Aromen wie Johannisbrot führt dazu, dass Rauchende leichter abhängig werden. Dies kann letztlich bewirken, dass Rauchende mehr Zigaretten konsumieren und damit mehr giftigen Substanzen aus Tabakrauch ausgesetzt werden.

Quellen:

www.dkfz.de

http://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/PITOC_Zusatzstoffe_in_Tabakprodukten.html

http://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/PITOC/PITOC_Zusatzstoffe_Tabakprodukte_Johannisbrot.pdf

Die Informationen über Zusatzstoffe, welche das Abhängigkeitsrisiko von Zigaretten erhöhen, sind brisant. Diese Tabakzusatzstoffe machen ein ohnehin bereits gesundheitsschädliches Produkt noch gefährlicher. Und die Hersteller wissen sehr wohl, was sie da tun.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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