So titelt die Fachzeitschrift „Bild“ gerade.

Verwiesen wird dabei auf den kanadische Unternehmer Peter Ehrlich. Der propagiert seine Sexcereals, Müsli-Mischungen für Männer und Frauen, deren Inhaltsstoffe den Hormon-Haushalt positiv beeinflussen und so das Liebesleben anheizen sollen.

Eine Mischung aus Sesam, Weizenkeimen, Goji-Beeren, Blütenstaub und Kürbiskernen soll die Testosteron-Produktion bei Männern ankurbeln, das Müsli für Frauen soll mithilfe von Salbei-Samen, Ingwer, Leinsamen und Mandeln die Hormon-Balance unterstützen.

Der Hersteller Peter Ehrlich zeigt sich von der stimulierenden Wirkung überzeugt und verweist auf Rückmeldungen seiner Kunden. Das ist allerdings ein ausgesprochen schwaches Argument. Positive Rückmeldungen von Kunden – das zeigt die Medizingeschichte und die aktuelle Therapielandschaft – gibt es auch für die absurdesten Heilmittel und Behandlungsmethoden. Millionen von Männern in Japan und China schwören auf Nashornpulver zur Potenzsteigerung. In Europa hatten auch Schluckbildchen einst eine begeisterte Anhängerschaft und gegenwärtig sind gerade mal wieder viele Konsumentinnen von Schüssler Salzen beeindruckt – die letzte grosse Schüssler-Welle fand im “Dritten Reich” statt.

Positive Rückmeldungen – das gibt es also praktisch immer. Weil Beschwerden auch von selber wieder bessern und weil das Ritual an sich eine Wirkung hat.

Siehe auch:

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht?

Glücklicherweise ist unser Hormonhaushalt in der Regel stabil genug, damit er nicht schon durch ein Müsli aus dem Gleichgewicht gekippt werden kann.

„Bild“ zitiert dazu noch einen Ernährungswissenschaftler mit der Aussage, dass unser Sexualleben nicht durch Inhaltsstoffe in Lebensmitteln beeinflusst werden kann.

Quelle:

http://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/ernaehrung/sex-muesli-lust-steigern-hormone-beeinflussen-29651976.bild.html

Der Wunsch nach solchen Effekten scheint aber ziemlich gross zu sein, so dass Argumente hier wenig Wirkung zeigen.

Über einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Sexualität wird allerdings wohl schon seit Urzeiten nachgedacht.

Ziemlich skurril erscheinen aus heutiger Sicht dazu zum Beispiel die Bemühungen von Sylvester Graham (1794–1851)   und John Harvey Kellogg (1852-1943).

Sylvester Graham war ein presbyterianischer Prediger, der sich vor allem Gedanken über die Verbindung von Sexualtrieb und Nahrungsaufnahme machte. Als strammer Puritaner war Graham überzeugt, dass Fleischgenuss die Fleischeslust anrege und speziell die “gefährliche Praktik” der Masturbation fördere, die, wie er nie vergaß zu unterstellen, angeblich zu Blindheit führe. Allgemein sah Graham im Vegetarismus ein wirksames Rezept gegen sexuelles Verlangen – und damit der seiner Meinung nach wahren Ursache der meisten Krankheiten.

Das von ihm entwickelte Grahambrot empfahl Sylvester Graham im Sinne eines „Masturbationshemmers“.

Ähnlich John Harvey Kellogg: Der Vegetarier und Siebenter-Tag-Adventist und glaubte ebenfalls fest daran, dass nur eine strenge Diät den selbstzerstörerischen Sexualtrieb seiner Landsleute zu bremsen vermöge. Seine Kellogs-Flocken sollten dazu einen Beitrag leisten.

Quelle:

http://derstandard.at/1577837050383/160-Jahre-Grahamweckerl-Ein-Mann-wie-trocken-Brot

Als Fazit könnte man sagen: Die Zeiten ändern sich zwar, aber Sex sells – so oder so.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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