Das Konzept der Unaufmerksamkeitsblindheit sagt aus, dass unsere Wahrnehmungskapazität schrumpft, je mehr Aufmerksamkeit eine andere Aufgabe verlangt. Je mehr unsere Wahrnehmung also schon zu tun hat, umso weniger kann sie Neues aufnehmen.

Auch Mediziner sehen dabei häufig den Wald vor lauter Bäumen nicht. Wissenschaftler baten Radiologen, Lungenscans auf Anzeichen für Krebs zu untersuchen. Auf einigen Scans versteckten die Forscher Abbildungen eines Gorillas. Während die winzigen Tumorknoten entdeckt wurden, blieb der Riesenaffe erstaunlicherweise unbeachtet.

Für die Studie wurden 24 Radiologen beauftragt, kleine weiße Krebsknoten auf Lungenscans zu finden und per Mausklick zu markieren. Computertomographie-Scans setzen sich im Gegensatz zu früheren Röntgenaufnahmen aus mehreren hundert Bildern oder Schichten zusammen.

Die Wissenschaftler setzten den Spezialisten drei Scans zu je 239 Bildern vor. Auf fünf aufeinanderfolgenden Bilder der letzten Lunge schummelten sie das Abbild eines Gorillas ein. Verglichen mit den weißen Knoten, auf die die Radiologen achten sollten, waren die Affenbilder 48 Mal so groß.

83 Prozent der Radiologen bemerkten den Gorilla im Scan nicht.

Nachdem die Probanden die Scans durchsucht hatten, stellten die Versuchsleiter ihnen Fragen wie, ob ihnen bei der letzten Untersuchung etwas Ungewöhnliches aufgefallen sei oder ob sie den Gorilla in der letzten Untersuchung gesehen haben. Nur vier der 24 Versuchspersonen gaben an, einen Gorilla gefunden zu haben. Auf dessen Existenz dieser Abbildungen hingewiesen, erkannten allerdings alle Probanden, dass der Affe deutlich zu sehen war. Eine Untersuchung des Blickmusters ergab, dass zwölf der 20 Radiologen, die keinen Gorilla entdeckten, die Abbildung durchschnittlich sogar länger als eine halbe Sekunde mit den Augen fixiert hatten.

Eine weitere Testgruppe mit 24 Versuchspersonen, die keinerlei medizinische Ausbildung hatte, bekam einen Crashkurs im Aufspüren des Tumorgewebes und wurde vor die gleiche Aufgabe wie die Radiologen gestellt. Niemand aus dieser Laiengruppe konnte am Ende über einen Gorilla berichten.

Diese Versuchsanordnung scheint etwas künstlich, denn es wird wohl kaum je in einem Scan ein Gorilla auftauchen. Das Phänomen ist aber sehr relevant, den der Gorilla könnte im Ernstfall eine lebensgefährliche Anomalie sein, die unentdeckt bleibt.

Der Versuch zeigt, dass wir vor allem das Erwartete finden, wenn unsere Wahrnehmung stark gefordert ist.

Die Forscher hoffen, mit ihren Erkenntnissen zur Verbesserung solcher Diagnosemethoden beizutragen.

Dass ausgerechnet eine Gorilla-Abbildung in den Scans versteckt wurde, ist eine Anlehnung an ein schon fast klassisch gewordenes Vorläufer-Experiment:

Die berühmte Studie von Simons und Chabris aus dem Jahr 1999 wurde unter dem Titel “Gorillas in unserer Mitte” bekannt. Testpersonen werden aufgefordert, sich ein Video von Basketballspielern anzusehen und die Ballkontakte zu zählen. Mitten durch die Szene spaziert ein Mann im Gorillakostüm. Fragt man die Probanden anschließend, ob ihnen etwas Ungewöhnliches aufgefallen sei, kann die überwältigende Mehrheit nichts nennen. Dieses Phänomen heisst “Inattentional Blindness” oder Unaufmerksamkeitsblindheit.

Das Video mit dem Gorilla-Experiment können Sie hier sehen:

http://www.theinvisiblegorilla.com/videos.html

Quelle:

http://science.orf.at/stories/1712683/

Christopher Chabris und Daniel Simons haben zu diesem Thema ein lesenswertes Buch geschrieben:

Der unsichtbare Gorilla – wie unser Gehirn uns täuschen lässt, Piper Verlag 2010

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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