Kräuter werden heute zunehmend über’s Internet verkauft.

Auffallend sind dabei die oft sehr fragwürdigen Beschreibungen von Heilwirkungen.

Ein kürzlich angetroffenes Beispiel eines Online-Shops:

„In der Pflanzenheilkunde wird Süssholz oft bei «verhocktem» Husten eingesetzt, denn es gilt als schleimlösend und auswurffördernd. Zudem besitzt es ähnliche Eigenschaften wie Cortison und wirkt so gegen Allergien.“

Kommentar & Ergänzung:

Dass Süssholz schleimlösend und auswurffördern bei produktivem Husten wirkt, gilt in der Phytotherapie weitgehend als glaubwürdig.

Die ESCOP sieht Süssholz als „unterstützende Therapie bei Magen- und Zwölffingerdarm­geschwüren sowie bei Magen­schleimhautentzündung; als Schleim lösendes Mittel bei Husten und Bronchialkatarrh“.

Für diese Bereiche kann man Süssholzwurzel in passender Dosierung und über eine limitierte Zeitdauer nach heutigem Kenntnisstand problemlos einsetzen.

Sehr fragwürdig ist aber die Aussage, dass Süssholz ähnliche Eigenschaften wie Cortison besitzt und daher gegen Allergien hilft.

Inhaltsstoffe der Süssholzwurzel hemmen den Abbau des körpereigenen Cortisols in der Leber, wodurch tatsächlich cortisonähnliche Wirkungen im

Organismus ausgelöst werden können. Daueranwendung (mehr als sechs Wochen) und Überdosierung können Hypokaliämie und Hypernatriämie bewirken. Als deren Folgen könnten Bluthochdruck, Ödeme, Stauungsherzinsuffizienz, Bradikardie, Asthma cardiale, Darmkoliken, Kopfschmerzen, metabolische Alkalose, Muskelschwäche, Rhabdomyolyse (Zerstörung der Muskulatur) und Lähmungserscheinungen begünstigt werden.

Das sind aber Extremfälle, die allenfalls durch Einnahme von Lakritze (eingedickter Süssholzsaft, Bärendreck) in hoher Dosierung über lange Zeit vorstellbar sind.

Von der Süssholzwurzel müsste man etwa 50g / Tag einnehmen, um in diesen Bereich zu kommen, was sehr unrealistisch ist.

Der Punkt ist nun aber: Wenn man von Süssholz eine Cortison-ähnliche Wirkung haben will, wie von diesem Online-Shop versprochen gegen Allergien, dann müsste man Süssholzsaft (Lakritze) in hohen Dosen einnehmen. Das ist aber nicht vertretbar, weil man dann in Dosisbereiche kommt, in denen auch mit Cortison-ähnlichen Nebenwirkungen zu rechnen ist.

Von daher tönt es zwar sehr gut, wenn Süssholz als pflanzliches Cortison gegen Allergien empfohlen wird. Mit der Realität hat diese Werbeaussage aber nichts zu tun.

Als Grundsatz ist daher empfehlenswert:

Skeptisch bleiben, nicht alles glauben, was geschrieben und gesagt wird, nachhaken, sich selber schlau machen – zum Beispiel mit dem Heilpflanzen-Seminar oder der Phytotherapie-Ausbildung (siehe Kurskalender).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch