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Zum Interaktionspotential von Ginkgo-biloba-Präparaten

Phytotherapie

Avatar-FotoMartin Koradi28.08.2013

Eine Studie untersuchte das Interaktionspotential eines Ginkgo-Extraktes und kam zum Schluss, dass das Präparat in der empfohlenen Dosierung sicher ist.

Ginkgo-biloba-haltige Präparate wie der standardisierte Extrakt EGb 761 (Tebonin®, In CH: Tebofortin, Tebokan ) bergen als pflanzliche Arzneimittel grundsätzlich dass Risiko von Interaktionen mit anderen Medikamenten. Diese Interaktionen (= Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten) sind jedoch überschaubar, so lange das Phytopharmakon nicht überdosiert wird. Das ist das Resultat einer Untersuchung von Privatdozent Dr. Mattias Unger, Pharmazeutischer Chemiker von der Universität Würzburg, die jetzt im Fachjournal «Drug Metabolism Reviews» publiziert wurde.

Unger ging darin Hinweisen aus früheren Untersuchungen auf den Grund, in denen verschiedene hoch dosierte Ginkgo-biloba-Extrakte in vitro (also im Reagenzglas) sowohl eine Hemmung als auch eine Induktion diverser metabolischer Enzyme und Transportproteine bewirkt hatten. In vivo ( = im lebenden Organismus) bei der Anwendung am Menschen bestätigten sich diese Resultate aber nicht. Für EGb 761 konnte Unger auch bei der empfohlenen Maximaldosierung von 240 mg täglich kein klinisch relevantes Potenzial für Wechselwirkungen nachweisen. Erst eine Überdosierung von Ginkgo-biloba-Präparaten bewirkte eine leichte CYP2C19-Induktion sowie eine schwache CYP3A4-Inhibition.

Die Einnahme des Ginkgo-biloba-Extraktes EGb 761 zusammen mit anderen synthetischen Arzneistoffen scheint demnach sicher zu sein, so lange die Maximaldosis des Ginkgo-Extrakts von 240 mg pro Tag nicht überschritten wird, so die Schlussfolgerung Ungers. Unsicher sei allerdings, ob dieses Ergebnis auch für andere Ginkgo-Extrakte zutreffe. Bei ungenau gekennzeichneten Ginkgo-Extrakten, wie sie etwa in Nahrungsergänzungsmitteln zu finden sind, könne aber ein relevantes Interaktionspotenzial nicht ausgeschlossen werden.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=48389

https://informahealthcare.com/doi/abs/10.3109/03602532.2013.815200

Kommentar & Ergänzung:

Ginkgo-Präparate werden vor allem von älteren Menschen verwendet, die oft noch weitere Medikamente benötigen zum Beispiel gegen Diabetes, Bluthochdruck oder Herzschwäche. Daher ist es wichtig, die möglichen Interaktionen von Ginkgo-biloba-Extrakten abzuklären.

Interessant ist in der vorliegenden Untersuchung, dass sie wieder einmal zeigt, dass in-vitro Ergebnisse aus dem Labor sich eben nicht immer auch in-vivo zeigen, also im lebenden Organismus.

Zurecht wird im Beitrag darauf hingewiesen, dass diese Ergebnisse sich nicht einfach auf andere Ginkgo-biloba-Zubereitungen übertragen lassen.

Als heikel wird in der Phytotherapie-Fachliteratur die Anwendung von Ginkgotee eingeschätzt, weil bei dieser Zubereitungsart weder die Wirksamkeit noch die Sicherheit ausreichend geklärt ist.

Siehe dazu:

Ginkgotee nicht ohne Risiko

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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