Die möglichen Nachteile der Krebs-Früherkennung sind einer Studie zufolge nicht genügend bekannt. Bei einer Befragung von knapp 1800 Patienten habe nur jeder dritte gewusst, dass eine Früherkennungsuntersuchung auch Risiken mit sich bringen könne. Dazu gehörten hauptsächlich falsche Befunde, die häufig wochenlang zu psychischen Belastungen oder sogar zu überflüssigen Operationen führten, teilte die Bertelsmann-Stiftung mit. Sie hatte die Studie zusammen mit der Krankenkasse Barmer GEK durchgeführt.

Für 84 Prozent der Deutschen sei die Empfehlung ihres Arztes der wichtigste Grund, um an einer Untersuchung zur Krebsfrüherkennung teilzunehmen, schreibt die Stiftung in einer Pressemitteilung. Damit nehmen die Ärzte eine zentrale Rolle ein, wenn es um die Entscheidung der Versicherten zur Teilnahme an diesen Untersuchungen geht. Die Studie kommt allerdings zum Schluss, dass nur knapp die Hälfte der Patienten (46 Prozent) sich von ihrem Arzt über Nutzen und Risiken des Screenings aufgeklärt fühlen.

Nach Einschätzung der Studienautorin Sylvia Sänger vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf scheitert eine ausgewogene Aufklärung der Patienten häufig daran, dass selbst die Ärzte den Nutzen einer Krebsfrüherkennung überschätzen. Die Gesundheitswissenschaftlerin fordert daher, dass Ärzte in der Kommunikation über Nutzen und Risiken der Früherkennung gesondert geschult werden, damit sie ihrer Schlüsselrolle bei der Entscheidungsfindung der Patienten gerecht werden können. Die Menschen sollten in die Lage versetzt werden, sich ein unabhängiges, differenziertes Bild von Chancen und Risiken, Nutzen und Schaden der Früherkennung zu machen, erklärt Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der BARMER GEK. Ausgewogen informiert können sie sich dann dafür oder dagegen entscheiden.

Quelle:

http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/SID-8CF66CCE-810D294D/bst/hs.xsl/nachrichten_121912.htm

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=53620

 

Kommentar & Ergänzung:

Das ist ein schwieriges Thema. Früherkennung hat nachvollziehbarerweise auf den ersten Blick einen tadellosen Ruf. Es liegt doch völlig auf der Hand: Je früher eine Krankheit, zum Beispiel ein Tumor, erkannt wird, desto erfolgreicher kann behandelt werden. Und das stimmt ja oft auch. Dass es eine Kehrseite der Früherkennung gibt, ist sehr vielen Menschen nicht ansatzweise klar.

Es geht nicht nur um unnötige Beunruhigung durch falsch-positive Ergebnisse, wenn also in ersten Tests eine Krankheit festgestellt wird, die nach weiteren Abklärungen gar nicht vorhanden ist.

Früherkennung kann auch zu unnötigen bis riskanten Überbehandlungen führen, zum Beispiel wenn ein Tumor behandelt bzw. operiert wird, der im Leben des Tumorträgers gar nie zur Gefahr geworden wäre.

Darum ist es richtig und wichtig, dass Patientinnen und Patienten ausgewogen über Chancen und Risiken der Früherkennung informiert werden. Die Entscheidungen werden dadurch für sie allerdings nicht einfacher, sondern komplexer. Mehr Wissen wirft oft eine Reihe von weiteren Fragen auf, die man sonst gar nicht kennen würde. Diesen Preis muss man aber wohl bezahlen, wenn man auf Informed consent Wert legt (Informed consent = Informierte Einwilligung, siehe dazu Artikel auf Wikipedia)

 

Eine informative Einführung in das Thema „Nutzen und Schaden von Früherkennungsuntersuchungen“ hat das IQWiG auf dem Portal Gesundheitsinformation.de publiziert:

http://www.gesundheitsinformation.de/nutzen-und-schaden-von.2271.de.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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