Radio Bayern 2 hat einen sehr interessanten Beitrag von Daniela Remus ausgestrahlt zum Thema „Grenzwerte in der Medizin“, der 2015 nach der Erstausstrahlung mit dem Journalistenpreis EbM ausgezeichnet wurde.

Es gibt in der Medizin unverkennbar einen Trend zur Pathologisierung und Medikalisierung aller Lebenslagen.

Ob Cholesterinspiegel, Blutdruck, Gewicht oder Diabetes, in der Medizin haben sich in den letzten Jahrzehnten die Grenzwerte in der Medizin für das, was als gesund gilt, laufend verschoben. Tiefere Grenzwerte führen dazu, dass sehr viele Menschen, die sich bis anhin als gesund betrachtet haben, nun als krank und behandlungsbedürftig gelten. Auch Vorsorgeuntersuchungen – so nützlich sie in manchen Fällen auch sein mögen – können manchmal zu unnötigen und riskanten Überbehandlungen führen.

Je mehr Menschen man untersucht und je intensiver man sie untersucht, desto mehr findet man. Alle Menschen haben an irgendeinem Punkt eine Abweichung von der Norm und gelten dann als krank. Wer noch keine Diagnose hat, wurde noch nicht gründlich genug untersucht.

Auch Lebensphänomene wie Trauer oder Schüchternheit werden zunehmend durch entsprechend zu recht geschusterte Krankheitsdefinitionen pathologisiert. Nicht jeder ungewöhnliche Seelenzustand ist aber behandlungsbedürftig.

Hier können Sie den spannenden und informativen Beitrag hören:

 

 

Den Trend zur Pathologisierung und Medikalisierung aller Lebenslagen kann man im übrigen auch in Alternativmedizin, Komplementärmedizin und Naturheilkunde häufig beobachten. In diesen Bereichen läuft das aber nicht über veränderte Grenzwerte und Normen, sondern eher über vage, ausufernde und oft willkürliche Diagnosen wie „Leberschwäche“, „Pilz im Darm“, „Verschlackung“, „Übersäuerung“.

Für jede kleinste Unpässlichkeit auf körperlicher, psychischer und geistiger Ebene wird eine ganze Batterie von Globuli, Pflanzentröpfli oder Schüssler Tabletten angeboten.

Und weil die Mittel ja als unschädlich gelten, kann man sie wild kombinieren und 7mal 24 Stunden in der Woche schlucken.

Manchmal braucht ein kranker Mensch Behandlung. Weniger wäre aber manchmal gesünder – in Medizin und Komplementärmedizin. Denn wir verlieren mit den permanenten Überbehandlungen mit der Zeit das Vertrauen in die Kompetenz des eigenen Organismus, mit einfacheren Störungen selber fertig zu werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

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