Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Fleisch und Milch von Alptieren mehr wertvolle Omega-3-Fettsäuren enthalten, vor allem mehr Alpha-Linolensäure.

Forscher der ETH-Zürich haben nun untersucht, woran das liegt, ob an der Höhe über Meer oder am Futter.

Resultat: Es liegt nicht an der Höhe über Meer, sondern am Futter.

Fütterungsversuche haben allerdings gezeigt, dass es nicht genügt, den Kühen einfach mehr Omega-3-Fettsäuren ins Futter zu geben.

Ohne Alpenkräuter gehen die wertvollen Fettsäuren im Laufe des Verdauungsprozesses weitgehend verloren. Die Omega-3-Fettsäuren werden im Pansen, dem grössten Vormagen der Wiederkäuter, in weniger wertvolle, gesättigte Fettsäuren umgewandelt.

Dadurch können mehr als 90% der gesunden Fettsäuren verschwinden. Dafür verantwortlich sind offenbar unzählige Mikroorganismen, die im Pansen leben.

Gräser, Kräuter und Blütenpflanzen, wie sie auf Alpweiden wachsen, können diese Umwandlungsprozesse im Pansen offenbar bremsen.

Im Labor konnten die Wissenschaftler zeigen, dass es sekundäre Pflanzeninhaltstoffe sind – insbesondere Polyphenole – welche die Mikroorganismen daran hindern, die Omega-3-Fettsäuren umzuwandeln.

Quelle: Sonntagszeitung, 24. September 2017

Kommentar & Ergänzung:

Dass Milch und Fleisch von Alptieren höhere Gehalte an Omega-3-Fettsäuren aufweisen, ist schon seit längerem bekannt.

Nun ist offenbar geklärt worden, wie es zu diesen Unterschieden kommt. Es scheint also nicht an einem höheren Omega-3-Gehalt der Alpenpflanzen zu liegen, sondern am höheren Gehalt an Polyphenolen.

Fleisch, Milch und Käse von der Alp sind also offensichtlich ernährungmässig wertvoller als „Flachland-Produkte“. Man könnte aber auch im Flachland höhere Omega-3-Gehalte produzieren, wenn die Wiesen nicht nur Gräsern, sondern auch möglichst viele Kräuter enthalten würden.

Polyphenole sind auch in der Phytotherapie wichtig als Wirkstoffgruppe.

Zu den Polyphenolen gehören insbesondere Flavonoide und Gerbstoffe.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Frage, welche Effekte Polyphenole im menschlichen Verdauungstrakt haben, der sich von demjenigen der Kühe stark unterscheidet. Da sind noch zahlreiche Fragen offen, aber es spricht viel dafür, dass Polyphenole auch im menschlichen Organismus wichtige Funktionen haben.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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