Kräutertees gelten als gesund und schmackhaft. Entsprechend häufig werden hierzulande insbesondere in der kalten Jahreszeit damit die Tassen gefüllt. Für die gesunde Wirkung sind wohl vor allem Polyphenole verantwortlich. Die Pflanzenstoffe stecken hauptsächlich in echten Tees wie Grüntee, weiße Tee oder Schwarztee, aber auch in Kräutertees. Diese stammen nicht vom Teestrauch (Camellia sinensis), sondern von getrockneten Teilen anderer Pflanzen und enthalten in den meisten Fällen kein Koffein, jedoch Vitamine, Mineralstoffe und ätherische Öle.

Öko-Test hat 24 Kräutermischungen aus dem konventionellen und ökologischen Anbau auf problematische Inhaltsstoffe prüfen lassen.

Giftige Pflanzenstoffe waren in den untersuchten Kräutertees kein Thema. Das sind natürliche Gifte, die von einigen Pflanzen selbst produziert werden und manchmal wohl auch bei der Ernte über mitgepflückte Kräuter in den Tee gelangen können. In bisherigen Untersuchungen waren sie häufig ein Problem, insbesondere die Pyrrolizidinalkaloide (PA), die leberschädigend wirken können und zudem als erbgutschädigend und krebsauslösend gelten.

13 der untersuchen Kräutermischungen wiesen überhaupt keine dieser Stoffe auf und die anderen waren nur sehr gering belastet.

Grenzwerte für Pyrrolizidinalkaloide gibt es nicht, aber eine sogenannte maximale Aufnahmemenge, die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kürzlich überarbeitet wurde. Bezogen auf diese Menge liegen alle PA-Gehalte, die das Labor im Auftrag von Öko-Test gefunden hat, im Spurenbereich. 

Anders sieht die Situation allerdings bei Pestiziden aus. Hier können auch Bio-Produkte mit Spritzmitteln belastet sein, wobei es sich dann oft nur um Spuren handelt. Da swar in der Öko-Test-Untersuchung allerdings nicht der Fall bei den Produkten von Alnatura (“Kräuter Tee, Beutel) und Sonnentor (“Gute Laune Bio Kräutertee, lose). Ihre Kräutertees schnitten sogar schlechter ab als viele konventionelle Produkte. Öko-Test fragt denn auch, ob das noch Bio sein kann. Die Antwort lautet aber „Ja“, weil beide Produkte die Regeln des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren einhalten.

Quelle:

https://www.n-tv.de/ratgeber/Sehr-gute-Kraeutertees-gibt-s-beim-Discounter-article20649680.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Das ist natürlich gar nicht gut, wenn Bioprodukte von Alnatura und Sonnentor übermässig mit Pestiziden belastet sind. Allerdings lässt sich das nie ganz ausschliessen, weil Pestizide über weite Räume verteilt werden. Wichtig ist bei Bioprodukten, dass bei ihrer Produktion keine Pestizide zusätzlich in die Umwelt eingeführt werden.

Und mit sehr genauen Labormethoden kann man heute auch schon sehr geringe Pestizidmengen feststellen.

Ein anderer Punkt ist mir aber noch wichtig: Das Urteil „sehr gut“ für die Kräutertees bezieht sich in der Öko-Test-Untersuchung nur auf das Kriterium des Pestizidgehalts.

Aus Sicht der Phytotherapie gibt es noch andere Kriterien wie Wirkstoffgehalt und verwendete Pflanzenteile.

So schreibt zum Beispiel das Arzneibuch für Kamille, die als Arzneimittel in Apotheken und Drogerien verkauft wird vor, dass nur die Kamillenblüte verwendet werden darf. Im Kamillentee der Discounter und Grossverteiler COOP und Migros dürfen grundsätzlich auch Stängelanteile enthalten sein. Das ist geschmacklich manchmal sogar ein Vorteil, aber vom Wirkstoffgehalt her in derr Regel nachteilig.

Vergleichbar bei Pfefferminze, wo das Arzneibuch nur Pfefferminzblätter zulässt, im Lebensmittelhandel aber auch Stängelanteile möglich sind.

Kräutertees können nicht nur als angenehme Flüssigkeitszufuhr verwendet werden. Mit dem entsprechenden Fachwissen lassen sie sich auch als Arzneimittel einsetzen.

Fundiertes Fachwissen über Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Kräutertees können Sie in meinen Lehrgängen erwerben – in der Phytotherapie-Ausbildung und im Heilpflanzen-Seminar.