Die Hoffnung, dass Patienten sich nach einem Herzinfarkt durch die Einnahme von Omega- 3-Fettsäuren vor weiteren Herzproblemen schützen könnten, hat sich zerschlagen. Ein Review der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zeigte keinen Nutzen in dieser Indikation, die nun bei den entsprechenden Präparaten gestrichen wird.

Präparate mit Omega-3-Fettsäuren sind in mehreren EU-Staaten auf nationaler Ebene zugelassen für die Vorbeugung weiterer kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten, die zuvor einen Herzinfarkt durchgemacht haben. Die Präparate bestehen aus Ethylester der Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) in einer Dosis von 1 Gramm pro Tag. Zum Zeitpunkt der Zulassung habe es Hinweise auf eine vorteilhafte Wirkung auf Herz und Blutgefäße der Patienten gegeben, hat die EMA nun bekanntgegeben.

Diese Effekte liessen sich nun jedoch in einem erneuten Review der Behörde nicht bestätigen. Schon im Dezember 2018 hatte die EMA auf der Grundlage neuer Daten empfohlen, die Indikation zu streichen. Daraufhin hatten einige Firmen eine Reevaluation verlangt, die nun publiziert wurde.

Die EMA unterstreicht darin, dass die Präparate nicht mehr zur Sekundärprävention von kardiovaskulären Problemen zum Einsatz kommen sollten, auch wenn keine neuen Sicherheitsbedenken vorliegen. Die Präparate können jedoch weiterhin zur Reduktion von Triglycerid-Werten bei Hypertriglyceridämie vermarktet werden.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/fileadmin/jahrgangspdf/2019/PZ_27_2019.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Dass Omega-3-Fettsäuren ein gesunder Bestandteil einer vielfältigen Ernährung sind, scheint gut gesichert.

Die Hersteller von Präparaten mit Omega-3-Fettsäuren versuchen aber darüber hinaus, ihre Produkte als Vorbeugungsmittel gegen eine ganze Reihe von Krankheiten zu propagieren. Dazu werden oft auch Studien durchgeführt, die aber nicht selten von schlechter Qualität sind. So kommt es dann so heraus, dass Effekte, die sich in einzelnen Studien zeigen, in einem „Review“, dass alle qualitativ guten Studien zusammenfassend beurteilt, nicht mehr zeigen.

Das scheint nun auch beim Thema Sekundärprävention nach Herzinfarkt der Fall zu sein.

Unter Sekundärprävention versteht man die Vorbeugung, nachdem schon ein Ereignis, hier ein Herzinfarkt, aufgetreten ist. Die Omega-3-Fettsäuren sollten in einem solchen Fall einen Zweitinfarkt verhüten, was aber offenbar laut diesem Bericht nicht klappt.

Siehe auch:

Vorbeugung von Herzinfarkt: Aspirin und Omega-3-Fettsäuren nutzlos

Omega-3-Fettsäuren gegen Depressionen: Wirkung überzeugt nicht