In Deutschland klagt etwa jede dritte Person regelmäßig über Schlafstörungen (Insom­nien), die sich als Ein- oder Durchschlafstörung oder auch als frühmorgendliches Erwachen äußern können. Halten solche Störungen länger als vier Wochen an, spricht man von chronischen Beschwerden.

Ständige Schlafprobleme führen dazu, dass sich die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden der Betroffenen verschlechtern. Sie werden öfter krank werden und in sind in ihrem Alltag eingeschränkt sind.

Der Wunsch nach rascher medikamentöser Abhilfe ist deshalb nachvollziehbar. Fachleute sehen das jedoch kritisch. Professor Dr. Axel Steiger, ärztlicher Leiter der Schlafambulanz am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München, sagt dazu:

»Ein ideales Schlafmittel gibt es nicht. Die vorhandenen Substanzen verlieren bei längerer Anwendung oft an Wirksamkeit, können abhängig machen und bergen häufig ein erhebliches Nebenwirkungspotenzial.« Darüber hinaus fehlen aussagekräftige Studien für eine längere Anwendung. Das ist ein Problem bei chronischen Schlafstörungen, die mit den empfohlenen Kurzzeittherapien nicht zu behandeln sind.

Heilpflanzen-Anwendungen bei leichten Schlafstörungen

Es gibt ganz unterschiedliche Gruppen von Schlafmitteln. Eine davon umfasst frei verkäufliche Phytopharmaka (Heilpflanzen-Präparate). Das Herbal Medicinal Products Committee (HMPC) der Europäischen Zulassungsbehörde EMA anerkennt Zubereitungen aus fünf Pflanzen als traditionelle pflanzliche Arzneimittel zur Schlafunterstützung und Linderung milder Symptome von geistigem Stress: Melissenblätter, Hopfenblüten, Passionsblume, Baldrianwurzel und Haferkraut (Grüner Hafer).

Mit am besten untersucht ist der Baldrianwurzelstock (Valerianae rhizoma). Hier liegt zum Beispiel eine ältere, systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2006 vor, die Baldrian-haltigen Arzneimitteln eine gewisse schlafanstoßende Wirkung zuschreibt (DOI: 10.1016/j.amjmed.2006.02.026).

Für die genannten Heilpflanzen sind nur wenige unerwünschte Nebenwirkungen bekannt, sie weisen kein Abhängigkeitspotenzial auf und zeigen eine große therapeutische Breite. Es gebe aber auch Hinweise auf mögliche zytotoxische Eigenschaften, sagt Prof. Steiger. Zu beachten ist bei pflanzlichen Schlafmitteln, dass es Tage oder Wochen dauern kann, bis die Wirkung einsetzt. Ausserdem muss die Dosierung genügend hoch sein.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=61212

 

Kommentar & Ergänzung:

Pflanzliche Schlafmittel helfen nicht in jedem Fall von Schlafstörung. Wegen ihrer guten Verträglichkeit und dem fehlenden Abhängigkeitspotenzial sind sie aber eine wichtige Option.

Für die Anerkennung als traditionelles Arzneimittel durch das HMPC sind die Hürden allerdings nicht sehr hoch. Im Wesentlichen muss ein Heilpflanzen-Präparat dafür 30 Jahre im Markt sein, ohne dass es Probleme verursacht.

Siehe dazu:

HMPC-Monografien in der Phytotherapie

Zu den HMPC-anerkannten Heilpflanzen gegen Schlafstörungen würde ich noch Lavendelöl als weitere Option dazu nehmen. Lavendelöl hat eine rasche Wirkung innert Minuten, weil es direkt über die Geruchsnerven ins Limbische System wirkt.

Ansonsten ist aber de Hinweis im Text, dass es bei pflanzlichen Schlafmitteln Tage oder Wochen dauern kann, bis eine Wirkung eintritt, korrekt. Insbesondere bei Baldrianwurzel ist diese längere Anlaufzeit für eine Wirkung gut untersucht. Bei Melisse könnte über das ätherische Melissenöl auch eine schnellere Wirkung zustande kommen. Für Passionsblume sind die Studienergebnisse betreffen dem Eintreten der Wirkung meines Erachtens unklar.

Neben der genügend hohen Dosierung ist bei pflanzlichen Schlafmitteln auch sehr wichtig, dass eine geeignete Zubereitungsform gewählt wird. Ob ein Kräutertee, eine Pflanzentinktur oder ein Pflanzenextrakt zur Anwendung kommt, ist oft entscheidend für die Wirksamkeit.

Wer sich vertieftes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das an meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.