Heilerde zum Einnehmen gilt als natürliches Mittel bei Magenschleimhautentzündung (Gastritis). Ob diese Produkte wirklich helfen, ist allerdings nie untersucht worden.

Das Team der Plattform medizin-transparent hat nach wissenschaftlichen Belegen gesucht für diese Anwendung und konnte keine aussagekräftige Studie finden, in der diese Frage wissenschaftlich untersucht wurde.

Heilerde soll sich als dünne Schutzschicht über die angegriffene Magenschleimhaut legen, damit diese sich regenerieren kann. Darüber hinaus soll sie überschüssige aggressive Magensäure binden.

Ob das in der Praxis auch tatsächlich so funktioniert, lässt sich leider nicht sagen. Trotz intensiver Recherche in mehreren Forschungsdatenbanken konnten die WissenschaftlerInnen keine aussagekräftigen Studien finden, in der die Wirkung von Heilerde untersucht wurde.

Es existieren folglich keine Belege dafür, dass Heilerde Beschwerden bei Magenschleimhautentzündung lindert. Auch zur Sicherheit, vor allem bei einer längeren Einnahme, kann medizin-transparent keine Einschätzung treffen.

Die Infektion mit Helicobacter pylori führt jedoch nicht immer zu Entzündungen im Magen. Sie bleibt in den meisten Fällen folgenlos. Zahlreiche Menschen tragen Helicobacter pylori im Magen, ohne an Magenschleimhautentzündung zu erkranken.

Entzündungshemmende Schmerzmittel können ebenfalls eine Magenschleimhautentzündung auslösen, wenn sie über längere Zeit regelmäßig eingenommen werden. Dazu gehören zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin), Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen.

Das Risiko für eine Gastritis steigt auch durchanhaltenden Stress, fett- und zuckerreiche Ernährung, Alkohol und Rauchen.

Manchmal lassen sich Magenprobleme durch mehr Entspannung im Alltag und eine Änderung des Lebensstils verbessern. Wenn sich die Beschwerden dadurch nicht bessern, können Magensäure-hemmende Medikamente helfen. Dadurch wird die entzündete Schleimhaut nicht mehr so stark von der aggressiven Magensäure angegriffen und kann sich erholen.

Quelle:

https://www.medizin-transparent.at/heilerde-gastritis

 

Kommentar & Ergänzung:

Heilerde besteht aus eiszeitlichen Lössablagerungen. Sie enthält im Wesentlichen Aluminium-Silikate und ist ein traditionelles Heilmittel der Naturheilkunde. Propagiert wurde sie vor allem vom «Lehmpfarrer» Emanuel Felke (1856 – 1926). Äusserlich wird Heilerde zum Beispiel angewendet bei Akne, Sonnenbrand und Gelenkbeschwerden.

Dass Heilerde innerlich gegen zuviel Magensäure helfen kann, ist plausibel. Darüber hinaus wird sie aber auch zur «Entgiftung» empfohlen, weil sie im Darm Schadstoffe binden soll. Das ist fragwürdig, weil sie auch nützliche Stoffe wie Mineralien, Spurenelemente und Medikamente kann. Die Heilerde unterscheidet nicht zwischen nützlichen und schädlichen Stoffen.

Ausserdem ist Heilerde zwar ein Naturprodukt, aber es ist nicht gerade natürlich, Lehm bzw. Löss über längere Zeit einzunehmen. Eine erhöhte Zufuhr von Silikaten kann zu einer verstärkten Harnsteinbildung führen. Bei einer längerfristigen Einnahme können Silikate eine chronisch interstitieller Nephritis auslösen. Heilerde kann also über längere Zeit eingenommen die Nieren belasten. Ob die in ihr enthaltenen Aluminiumverbindungen gesundheitlich problematisch sind, ist umstritten.

In der Phytotherapie kommen bei Magenschleimhautentzündungen entzündungshemmende Heilpflanzen zur Anwendung (zum Beispiel Kamille) oder solche mit schützenden Schleimstoffen (zum Beispiel Flohsamen).

Wer sich vertieftes Wissen über Wirkstoffe und Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.