Die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren wird oft propagiert als Schutz gegen Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Diese Idee geht zurück auf zwei dänische Forscher, die in den 1970er Jahren meinten, auf Grönland etwas Interessantes entdeckt zu haben: Auf der größten Insel der Erde soll es nach ihrer Beobachtung im Vergleich zu den Industrieländern deutlich seltener zu Herzinfarkt, Schlaganfall und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen als in Industrieländern.

Die Ursache für diese Unterschiede sahen die Wissenschaftler in der traditionellen Ernährung der in Grönland lebenden Inuit. Sie enthält viel Fisch, Robben und Walfleisch. Darin sind Omega-3-Fettsäuren in grosse Mengen enthalten. Sie beiden Forscher zogen den Schluss, diese Fettsäuren müssten eine Schutzwirkung auf Herz und Kreislauf haben.

Diese Art von Schlüssen ist aber nie wirklich sicher, weil eine ganze Reihe von unbekannten Faktoren mitwirken kann. Unter anderen stellte sich später heraus, dass gar nicht klar ob ist, Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Grönland tatsächlich seltener vorkommen.

Trotzdem bewerben Hersteller und Verkäufer ihre Omega-3-Fettsäuren-Präparate als Schutz für Herz und Gefässe.

Ein Forschungsteam des wissenschaftlichen Cochrane-Netzwerks hat die angeblich schützende Wirkung von Omega-3-Präparaten überprüft. Die Teammitglieder fassten die Resultate aller aussagekräftigen bisher durchgeführten Studien zu diesem Thema zusammen. Total werteten sie dabei die Daten von über 162.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 86 Untersuchungen aus.

Dabei widersprechen die zusammengefassten Daten eindeutig der weitverbreiteten Meinung: Aus der vermehrten Einnahme von Omega-3-Fettsäuren als Nahrungsergänzungsmitteln oder durch spezielle Diätpläne ergab sich keinerlei vorbeugende Wirkung. Menschen, die zusätzliche Omega-3-Fettsäuren zu sich genommen hatten, erlitten im Studienverlauf ähnlich oft einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder ähnliche akute Erkrankungen wie jene, die ein Scheinpräparat (Placebo) bekommen hatten.

Warscheinlich auch kein Schutz durch Omega-3-Fettsäuren nach Herzinfarkt

Ein anderes Forschungsteam untersuchte, ob Personen, die schon einen Herzinfarkt hatten, von der Einnahme von Omega-3-Fettsäuren profitieren können . In einer großen Übersichtsarbeit fassten die Teammitglieder die Resultate von 11 Studien mit total 24.414 Herzinfarkt-Patientinnen und -Patienten zusammen.

Das Resultat dieser Untersuchung: Zusätzliche Omega-3-Fettsäuren bieten wahrscheinlich keinen Schutz vor weiteren Herzinfarkten oder Schlaganfällen. Sie schützen auch nicht davor, frühzeitig zu versterben.

Die Studien zeigten allerdings auch, dass bei der regelmässigen Einnahme von Omega-3-Fettsäuren in Fischöl-Kapseln oder mittels viel fettem Fisch keine unerwünschten Nebenwirkungen zu erwarten sind (ausser zum Fenster hinausgeworfenem Geld und gelegentlichem fischeligem Aufstossen nach der Einnahme von Fischöl-Kapseln.

Fachleute sind sich allerdings darüber einig, dass Omega-3-Fettsäuren für den menschlichen Organismus wichtig sind.

Es sind zahlreiche verschiedene Omega-3 Fettsäuren bekannt. Drei davon sind speuiell gut untersucht und scheinen eine besonders wichtige Rolle zu spielen: Einerseits Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA), die besonders in fettem Fisch enthalten sind. Und andererseits die Alpha-Linolensäure (ALA), die aus pflanzlichen Nahrungsmitteln, wie Walnüssen, Leinöl oder Rapsöl stammt.

Die Ernährungsgesellschaften Deutschlands und Österreichs raten zu ein bis zwei Portionen Fisch pro Woche, um den Bedarf an Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure zu decken. Vor allem fette Meeresfische wie Lachs, Sardelle oder Hering enthalten grosse Mengen an Omega-3-Fettsäuren.

Hier stehen allerdings Gesundheitsempfehlung und Umweltverträglichkeit miteinander im Widerspruch: Die Überfischung und Verunreinigung der Meere steigt ständig, die Fischbestände nehmen ab.

Die Empfehlung, viel Meeresfisch zu essen, bleibt angesichts dieser Probleme nicht unwidersprochen.

Als Alternative Walnüsse, Leinsamen, Rapsöl

Alternativ lässt sich der tägliche Bedarf an Omega-3-Fettsäuren nämlich auch über die Menge an Alpha-Linolensäure decken. Sie ist zum Beispiel in einem Esslöffel Rapsöl enthalten ist. Auch Leinsamen und Walnüssen bieten grosse Mengen Omega-3-Fettsäuren. Wobei Leinsamen für diesen Zweck geschrotet werden müssen, damit die Alpha-Linolensäure aufgenommen wird.

Eine günstige Wirkung wird Omega-3-Fettsäuren manchmal auch bei Depression nachgesagt. Dafür fehlen aber ebenfalls wissenschaftliche Belege. Ebenso gibt es keine fundierten Hinweise auf einen Nutzen von Omega-3-Fettsäuren bei ADHS von Kindern.

Quelle:

Kommentar & Ergänzung:

Nicht alles glauben, was die Werbung verkündet.

Siehe auch:

Omega-3-Fettsäuren gegen Depressionen: Wirkung überzeugt nicht

ADHS: Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren hilfreich?