In letzter Zeit werde ich immer wieder mal von einem Coronaskeptiker oder einer Coronaskeptikerin angesprochen, die davon ausgehen, dass ich als Naturheilkundler in ihrem «Lager» stehe. Ich stehe aber in keinem «Lager», und schon gar nicht im Lager der Coronaskeptiker.

Beim Ausdruck «Coronaskeptiker» gibts Differenzierungsbedarf

Ein meinem Eindruck nach eher kleiner Teil der Coronaskeptiker stellt Corona-Massnahmen der Behörden auf einer Faktenbasis in Frage. Solche Kritik gehört zu einer Demokratie. Unterschiedliche Meinungen gehören zur Demokratie. Soweit kann ich mitgehen.

Wenn allerdings «Coronaskeptiker» behaupten, das Coronavirus beziehungsweise die Corona-Pandemie existiere gar nicht, dann halte ich sie für desinformiert und auf dem Holzweg.  Um das zu verstehen, muss man nur einmal einen Blick auf die aktuellen Entwicklungen zum Beispiel in Spanien, Peru oder Brasilien werfen.

Auch wer behauptet, Covid-19 sei nicht gefährlicher als eine Grippe, hat die Fakten nicht auf seiner Seite. Wer hier nicht Fachleuten aus Virologie und Epidemiologie vertrauen will, kann ja ausnahmsweise mal den Aussagen von Donald Trump glauben. Der sagte ja bereits Anfang Februar in einem Gespräch, das der Journalist Bob Woodward auf Band hat, das Virus sei “tödliches Zeug”. Es sei verzwickt und „tödlicher“ als eine „hartnäckige Grippe“ (Quelle: FAZ). Nur gegenüber der Öffentlichkeit sagte er etwas anderes. Grippekranke sind zudem bei schwereren Verläufen nicht annähernd so lang auf künstliche Beatmung angewiesen. Grippeviren greifen im Gegensatz zu Coronaviren nicht die Blutgefässe an und können nicht in derart vielen Organen Schäden hinterlassen, wie es bei Coronaviren zu beobachten ist.

An diesen Punkten bin ich gar nicht mehr bei “Coronaskeptikern”.

Und noch viel mehr Distanz habe ich zu Leuten, die in Verschwörungserzählungen abtriften und glauben, dass Bill Gates die Corona-Pandemie erfunden hat und im Hintergrund die Fäden zieht. Das ist einfach absurd. Infos dazu gibts auf meiner Website: https://www.verschwörungstheorien.info/

Solidarität statt Verschwörungstheorien

Eine Pandemie lässt sich nur gemeinsam bewältigen, nicht durch Kopf-in-den-Sand-stecken. Dass wir es hier mit grossen persönlichen, gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen zu tun haben, steht ausser Frage. Wir sind uns in Mitteleuropa aber wohl auch einfach solche Widerfahrnisse nicht gewohnt, die unsere Pläne durchkreuzen. Wir haben weitgehend in einer Wellness-Zone gelebt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, verglichen mit wohl den meisten Generationen vor uns. Kein Wunder, dass die Veränderungen und Unsicherheiten manche Menschen an ihre Grenzen bringen. Vielleicht müssen wir wieder lernen, mit Widerfahrnissen umzugehen, die wir nicht voll im Griff haben. Solidarität wäre dazu die bessere Voraussetzung als Verschwörungstheorien. Also wenn ich in einem Lager wäre, dann im Lager der «Solidarität – und nicht im Lager der Coronaskeptiker.

Leider gibt es im Bereich von Naturheilkunde, Alternativmedizin und Komplementärmedizin eine Neigung zu Verschwörungstheorien. Dieses Thema wurde in letzter Zeit auch wissenschaftlich untersucht. Siehe dazu:

Verschwörungstheorien und Alternativmedizin – wie hängt das zusammen?

Es wäre an der Zeit, dass diese erhöhte Anfälligkeit für Verschwörungstheorien in der «Szene» von Naturheilkunde / Alternativmedizin / Komplementärmedizin zur Sprache käme. Alternativmedizin ist oft ein Einstieg Verschwörungserzählungen – und das ist ungesund.