Jetzt ist sie also da – die erste Corona-Impfung. Schon seit einiger Zeit werde ich immer wieder einmal von näheren oder ferneren Bekannten gefragt, ob ich mich impfen lassen werde.

Insbesondere bei Menschen mit Nähe zu Naturheilkunde, Alternativmedizin oder Komplementärmedizin zeigt sich in diesen Fragen zur Corona-Impfung oft eine mehr oder weniger ausgeprägte Abneigung gegen Impfungen generell.

Meine eigene Position zur Corona-Impfung ist klar:

Ohne eine wirksame Corona-Impfung werden wir auf absehbare Zeit nicht aus dieser Pandemie herauskommen. Voraussetzung ist zudem, dass 60 – 70 % der Bevölkerung die Impfung machen.

Ich verstehe die da und dort vorhandene Skepsis darüber, dass die Corona-Impfungen in viel kürzerer Zeit als üblich entwickelt worden sind. Es gibt aber bis heute keine Hinweise darauf, dass dies auf Kosten der Sicherheit gegangen ist – jedenfalls bei uns in Europa und in den USA. Die Impfstoffhersteller selber haben sich sehr deutlich gegen den politischen Druck von US-Präsident Donald Trump verwahrt, der die Impfung aus persönlichen Motiven schneller durchpeitschen wollte. Die Zeitverkürzung wurde unter anderem möglich, weil die Daten aus den Studien laufend an die Arzneimittelbehörden geliefert und parallel zur Entwicklung begutachtet wurden. Nicht wie sonst üblich erst am Schluss. Und die grossen Geldmengen, die von Staaten und Organisationen in die Forschung und Entwicklung geflossen sind, dürften ebenfalls eine Beschleunigung möglich gemacht haben.

Und die Einwände gegen die Corona-Impfung?

Während ich die Skepsis wegen der verkürzten Entwicklungszeit zwar nachvollziehen kann, aber nicht teile, habe ich für sehr viele anderen Einwände wenig bis kein Verständnis:

☛ Null Verständnis habe ich für Leute, die behaupten, dieses Coronavirus oder die Corona-Pandemie existiere gar nicht. Diese Extremform des faktenfreien Kopf-in-den-Sand-steckens kann wohl nur psychologisch erklärt werden, aber sich nicht mit Argumenten.

☛ Null Verständnis habe ich für Leute, die eine grosse Corona-Verschwörung herbeifantasieren und sich die komplexe Pandemie-Situation zum Beispiel mit einem gäbigen Sündenbock wie Bill Gates vereinfachen.

☛ Null Verständnis habe ich für Leute, die immer noch behaupten, Covid-19 sein nicht Gefährlicher als eine Grippe. Wer sich auf Intensivstationen umschaut und die möglichen Langzeitfolgen auch bei leichteren Verläufen zur Kenntnis nimmt, kann nicht so verharmlosend daher schwadronieren.

☛ In keiner Art und Weise überzeugend finde ich auch eine ganze Reihe von unausgegorenen Ideen, die eher als Ablenkungsmanöver denn als Lösung fungieren können.Zum Beispiel die Vorstellung, man könne doch ganz einfach eine «natürliche Herdenimmunität» abwarten. Damit verbunden ist meistens dann noch die Forderung, man müsse halt die Alten und sonstige Risikogruppen schützen, dann könnten alle anderen ohne einschränkende Regeln leben.

Natürliche Herdenimmunität funktioniert nicht bei Covid-19

Es wird nicht funktionieren. Nur schon ist ungewiss, ob es je eine natürliche Herdenimmunität bei Covid-19 geben könnte. Weil nämlich noch gar nicht klar ist, wie lange jemand nach durchgemachter Corona-Infektion immun ist. Und weil es eher unwahrscheinlich ist, dass die jüngere und mittlere Generation sich einfach so anstecken lassen würde zugunsten einer möglichst raschen Herdenimmunität. Dafür ist das Risiko möglicher schwerer Verläufe und möglicher Langzeitfolgen auch bei leichteren Verläufen zu gross.

Und wer so locker fordert, dass halt die Alten konsequent geschützt werden müssen, soll doch genau erläutern, wie das geschehen soll. Schweden, Deutschland, die Schweiz und viele andere Länder haben das jedenfalls nur sehr ungenügend geschafft. Soll man die Alten total isolieren? Das hat nirgends funktioniert, abgesehen davon, dass es unmenschlich ist. Aber es gibt ja bestimmt 75jährige ehemalige Krankenschwestern, die die 90jährigen pflegen könnten, oder?

☛ Keinerlei Verständnis habe ich mehr für fundamentalistische Impfgegner, die über die Corona-Impfung hinaus generell gegen Impfungen sind. Meine Distanz zu dieser Szene ist in den letzten Jahren nur gewachsen. Das hat unter anderem damit zu tun, dass die radikalen Impfgegner unverdrossen immer noch die Lüge verbreiten, dass Impfungen Autismus auslösen. Die Behauptung basiert auf einer gefälschten Studie und ist X-mal überprüft und widerlegt worden. Das hindert Impfgegner aber nicht, sie immer noch weiter zu erzählen. Siehe dazu:

Studie widerlegt erneut Zusammenhang zwischen Impfung und Autismus

Beitrag zur angeblichen Impfverschwörung

Nutzen und Risiken sorgfältig bewerten

Nichts gegen eine kritische Auseinandersetzung mit Impfungen. Nutzen und Risiken müssen sorgfältig bewertet und abgewogen werden. Das machen fundamentalistische Impfgegner aber nicht. Für sie sind Impfungen generell vom Teufel. Und das ist einfach Blödsinn. Impfungen sind eine der grossen Erfolgsgeschichten der Medizin. Ich bin sehr dankbar, das in meinem Leben Kinderlähmung, Pocken, Diphtherie, Starrkrampf und einige weitere Krankheiten nie eine Rolle gespielt haben. Das verdanken wird der solidarischen Leistung unserer Vorfahren, die diese Krankheiten durch Impfen überwunden haben. In diesem Sinne sind Impfungen halt auch ein Opfer ihres eigenen Erfolges: Kaum jemand erinnert sich noch an Diphtherie-Kranke oder an Menschen, die durch Kinderlähmung behindert wurden.

Aus all diesen Gründen: Ja, eine Corona-Impfung werde ich machen, sobald ich an der Reihe bin. Für mich selber, aber auch als solidarischen Beitrag an die Gesellschaft. Diese Pandemie können wir nämlich nur gemeinsam bewältigen.