Rund um das Pferde-Entwurmungsmittel Ivermectin hat sich im Verlauf der Corona-Pandemie ein richtiger Hype entwickelt. Impfgegner und die Szene der Corona-Massnahmengegner empfehlen das Mittel anstelle der Corona-Impfung und zur Behandlung.

Dabei wird immer wieder unterstellt, die Pharmaindustrie und die WHO unterdrückten das Wundermittel, um ungestört Impfungen verkaufen zu können. Das ist nicht weiter als eine krude Verschwörungstheorie.

Mich erschüttert mehr und mehr, wie blind gerade Leute, die der Naturheilkunde verbunden sind, jetzt plötzlich auf dieses Pferde-Entwurmungsmittel Ivermectin stehen, das ja schliesslich auch «Chemie» ist und ein klassisches Produkt der Pharmaindustrie.

Das wichtigste aber ist:

Ivermectin hilft nicht gegen Corona – das zeigen die fundierte Studien

Ja, es hat einige Hinweise gegeben aus Studien, dass Ivermectin helfen könnte.  Aber die Propagandisten von Ivermectin machen klassisches Cherry- Picking (Rosinenpicken). Sie greifen jedes Detail aus einer Studie heraus, das ihre Empfehlung stützt, und blenden gegenteilige Erkenntnisse aus.

Es ist aber nicht seriös, sich nur auf einzelne Studien oder Detailaussagen aus Studien zu stützen.  Die Qualität der Studien ist wesentlich in der Beurteilung und entscheidend ist das Gesamtbild.

Und das Gesamtbild sieht für dieses Pferde-Entwurmungsmittel bei Corona nicht gut aus.

In einer Studie, die im renommierten “The New England Journal of Medicine” veröffentlicht wurde, sind mehr als 1300 Corona-Patienten in eine Ivermectin- und eine Placebo-Gruppe aufgeteilt worden. Die Resultate schließen eine Wirkung gegen Corona aus. “Es gibt wirklich keine Anzeichen für einen Nutzen”, erklärte Dr. David Boulware, Experte für Infektionskrankheiten an der University of Minnesota, der “New York Times”.

Ausserdem wurde untersucht, ob Ivermectin nur wirksam ist, wenn es zu einem frühen Zeitpunkt einer Infektion eingenommen wird. Doch freiwillige Probanden, die Ivermectin in den ersten drei Tagen nach einem positiven Coronavirus-Test einnahmen, hatten schlimmere Krankheitsverläufe als diejenigen in der Placebo-Gruppe.

Eine soeben in JAMA publizierte Metastudie erklärt möglicherweise, weshalb in einigen Studien Hinweise auf kleinere Vorteile unter der Behandlung mit diesem Pferde-Entwurmungsmittel gefunden wurden.

Die New Yorker Wissenschaftler stiessen dabei nämlich auf eine Auffälligkeit. Die Studien, welche für Ivermectin eine positive Wirkung auf die Sterblichkeit bei einer Corona-Erkrankung attestierten, stammen primär aus Gegenden, die eines gemeinsam haben: Ein bestimmter Darmparasit (Strongyloidiasis) ist in ihnen endemisch – kommt dort also vor.

Umgekehrt stellten die Forscher fest, dass die Studien, die in Regionen durchgeführt wurden, in denen Infektionen diesen Zwergfadenwürmern selten oder nicht vorkommen, keine oder nur eine geringe Wirksamkeit von Ivermectin feststellten.

Positive Metastudie wegen Fehlern zurückgezogen

Eine weitere Metastudie wurde zurückgezogen. Im Dezember 2020 überprüfte Andrew Hill, ein Virologe an der Universität Liverpool in England, die Resultate von 23 Studien und kam zu dem Resultat, dass Ivermectin das Todesrisiko durch Covid-19 offenbar signifikant senke. Dieses Ergebnis wurde sofort in den Kanälen der Impfgegner enthusiastisch verbreitet. Allerdings stellte sich danach heraus, dass zahlreiche der ausgewerteten Studien fehlerhaft und zum Teil manipuliert waren. Hill zog seine ursprüngliche Studie deshalb zurück und begann mit einer neuen, die er im Januar publiziert. Bei ihrer zweiten Analyse konnten Hill und seine Kollegen nicht mehr belegen, dass Ivermectin vor einer Hospitalisierung schützt.

Quellen:

Studie entzaubert Corona-“Wundermittel” Ivermectin   (n-tv.de)

Effect of Early Treatment with Ivermectin among Patients with Covid-19  (The New England Journal of Medicine) DOI: 10.1056/NEJMoa2115869

Ivermectin wohl doch kein Corona-Wundermittel – Studien übersahen ein wichtiges Detail (24vita)

Comparison of Trials Using Ivermectin for COVID-19 Between Regions With High and Low Prevalence of Strongyloidiasis  (JAMA)  doi:10.1001/jamanetworkopen.2022.3079

Kommentar:

Vom Hype um dieses Pferde-Entwurmungsmittel, das für Menschen nicht ungefährlich ist, bleibt also nichts Brauchbares übrig. Es lohnt sich, nicht alles zu glauben, was in Telegramkanälen oder auf YouTube herumgereicht wird.