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Benzodiazipine: Abhängigkeit verbreiteter als gedacht

Gesundheitliches

Avatar-FotoMartin Koradi20.04.2009

Ein so drastisches Resultat hätten die Wissenschaftler nicht erwartet: Die Zahl der Tablettensüchtigen in Deutschland, die abhängig von Schlafmitteln und Beruhigungsmitteln aus der Medikamentengruppe der Benzodiazepine sind, ist viel höher als erwartet. Wie der SPIEGEL unter Berufung auf eine noch unveröffentlichte Untersuchung des Hamburger Instituts für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung meldet, bekommen in Deutschland mehr als 1,5 Millionen Patienten die süchtig machenden Medikamente länger als in den Leitlinien der Mediziner vorgesehen.

In der bislang umfangreichsten Studie zur Tablettensucht in Deutschland haben die Wissenschaftler insgesamt 3,5 Millionen Kassenrezepte analysiert. Bei knapp 800.000 Patienten jährlich sorgen Ärzte demnach dafür, dass sie zu Dauerkonsumenten der Benzodiazepine werden. In 130.000 Fällen werden die Opfer durch die Verschreibungen zu Schwerstabhängigen, die den Ausstieg aus der Sucht nur noch in seltenen Fällen aus eigener Kraft schaffen.

„Wir waren völlig überrascht über den Umfang des Benzodiazepin-Missbrauchs in Deutschland“, hält der Hamburger Studienleiter Peter Raschke fest.

Quelle: https://www.spiegel.de/ 18. 4. 2009

Kommentar: Benzodiazipine

Inwieweit sich diese Resultate auch auf die Schweiz übertragen lassen, entzieht sich meiner Kenntnis.
Die Anhängigkeit von Benzodiazepinen (Valium, Lexotanil, Seresta, Temesta…) ist aber auch hierzulande immer wieder ein Thema, genauso wie die allzu lockere Verschreibungspraxis mancher Ärztinnen und Ärzte.

Benzodiazepine sind Medikamente mit angstlösender, krampflösender, beruhigender und schlaffördernder Wirkung. Sie werden bei Angst- und Panikzuständen, bei Epilepsie, bei Spannungszuständen und bei Schlafstörungen eingesetzt. Bei regelmässiger Einnahme entwickelt sich eine Abhängigkeit und es kann zu Persönlichkeitsveränderungen kommen.

Beim Thema Benzodiazepin-Abhängigkeit ist es meines Erachtens wichtig, nicht in Schwarz-Weiss-Denken zu verfallen. Es gibt Situationen, in denen diese Medikamente nötig sind und sinnvoll eingesetzt werden können. Das spricht dagegen, Benzodiazepine pauschal zu verteufeln.
Aber gleichzeitig ist jede unnötige Einnahme über längere Zeiträume riskant und sehr in Frage zu stellen.
Hier gibt es einen Bereich, in dem gute fundierte Heilpflanzen-Präparate aus der Phytotherapie als milde Beruhigungsmittel und Einschlafhilfen sehr nützliche Dienste leisten können, ohne dass sie mit dem Risiko von Abhängigkeit verbunden sind. Ich denke zum Beispiel an Naturheilmittel bzw. Phytopharmaka auf der Basis von Hopfen, Baldrian, Passionsblume, Lavendel oder Melisse. Falls Sie Benzodiazepine schon längere Zeit regelmässig einnehmen und sich nun fragen, ob Sie davon abhängig geworden sind, sprechen Sie doch darüber mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.

Welche Wirkstoffe / Präparate gehören zu den Benzodiazepinen?

Zur Gruppe der Benzodiazepine zählen beispielsweise:

Alprazolam (Xanax®)
Bromazepam (Lexotanil®)
Chlordiazepoxid
Clobazam (Urbanyl®)
Clonazepam (Rivotril®)
Clorazepat (Tranxillium®)
Diazepam (Valium®, Stesolid®)
Flunitrazepam (Rohypnol®)
Flurazepam (Dalmadorm®)
Ketazolam (Solatran®)
Lorazepam (Temesta®)
Lormetazepam (Loramet®, Noctamid®)
Midazolam (Dormicum®)
Nitrazepam (Mogadon®)
Oxazepam (Seresta®, Anxiolit®)
Prazepam (Demetrin®)
Temazepam (Normison®)
Triazolam (Halcion®)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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