EU will hormonschädigende Stoffe stärker unter die Lupe nehmen

Die EU-Kommission will in den kommenden Wochen und Monaten die Auswirkungen von hormonschädigenden Chemikalien in Europa genauer erfassen. Die diesbezügliche EU-Gesetzgebung soll auf Schlupflöcher hin untersucht werden.

Hormonell wirksame Substanzen – sogenannte endokrine Disruptoren – finden sich zum Beispiel in Kunststoffen und Körperpflegeprodukten. Sie werden mit hormonbedingten Krebserkrankungen sowie Fortpflanzungsstörungen und Fruchtbarkeitsstörungen in Verbindung gebracht.

Europäische Umweltorganisationen und Verbraucherschutzorganisationen hatten zuletzt eine umfassendere EU-Strategie verlangt.

Die Grünen im Europaparlament verlangen strengere Prüfverfahren, da hormonell wirksame Substanzen bereits in sehr geringer Dosis Menschen schaden könnten. Darüber hinaus pocht die Fraktion auf einen offenen Zugang zu allen Studien, die solche Chemikalien untersuchen.

Eine von den Grünen selbst in Auftrag gegebene Studie hat aufgezeigt, dass die Ablagerung von Pestiziden, die endokrine Disruptoren enthalten, sich im menschlichen Körper häufig nachweisen lässt. Ein französisches Forschungsinstitut analysieerte dazu etwa 150 Haarproben aus sechs EU-Ländern. In rund 60 Prozent der Haare fanden die Wissenschaftler mindestens ein Pestizid.

Am häufigsten kam die Substanz Fipronil vor, die hauptsächlich durch einen Skandal mit verseuchten Eiern bekannt wurde. Der Grünen-Europapolitiker Sven Giegold hält die Ergebnisse für einen Weckruf. Er weist darauf hin, dass niemand sich selbst vor den giftigen Stoffen schützen kann, da sie in vielen Alltagsprodukten enthalten sind.

Quelle:

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/98990/Bruessel-will-hormonschaedigende-Stoffe-staerker-in-den-Blick-nehmen

 

FAQ der EU-Kommission zu endokrinen Disruptoren:

http://europa.eu/rapid/press-release_MEMO-17-1907_de.htm

 

Kommentar & Ergänzung:

Das ist ein wichtiges Thema, das über weite Strecken wohl noch unterschätzt wird.

Eine US-Studie kommt im übrigen zum Schluss, dass auch Lavendelöl und Teebaumöl als endokrine Disruptoren wirken undden Hormonhaushalt stören können – in Körperpflegeprodukten verwendet wirkten sie offenbar wie das weibliche Sexualhormon Östrogen. Allerdings waren das vielleicht auch Einzelfälle aufgrund von individueller Disposition. Es spricht aber viel dafür, Lavendelöl und Teebaumöl nicht einfach so täglich in Körperpflege- oder Wellnessprodukten zu verwenden, sondern nur mit einer sinnvollen Indikation.

Siehe:

Stören Lavendelöl und Teebaumöl den Hormonhaushalt?

Ausserdem zu diesem Thema:

Die Alternativmedizin spiegelt Menschen oft eine individuelle Lösbarkeit für die Probleme mit Umweltgiften vor:

Mit all den Entgiftungskuren, Blutreinigungstees, Detox-Diäten etc. wird er Eindruck erweckt, man könne mit sochen Mitteln Umweltgifte ausleiten.

Das ist Unsinn.

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Das Problem der Umweltgifte muss auf gesellschaftlicher Ebene gelöst werden. Wer den Menschen vorgaukelt, sie könnten mit individuellen „Putzmassnahmen“ wie Detox-Kuren diesen Substanzen quasi entkommmen, täuscht die Menschen und lenkt von ursächlichen Problemlösungen ab.