Die kaktusähnliche Hoodia-Pflanze wird im Internet als ultimatives Schlankheitsmittel vermarktet. Dabei werden fragwürdige und problematische Aspekte konsequent ausgeblendet.

Kritische Fragen sind aber nötig zur Wirksamkeit, zur Sicherheit, zur Nachhaltigkeit der Hoodia-Ernte und zum Aspekt der „Biopiraterie“.

Hoodia gordonii (Asclepiadaceae) wächst in weiten Teilen Südafrikas. Hirten in Südafrika und Namibia benutzen die Triebe von Hoodia-Arten traditionell als Appetitzügler und Durststiller.

Wie zahlreiche andere Asclepiadaceen enthalten Hoodia-Arten Herzglykoside oder biochemisch verwandte Substanzen, z.B. Pregnanderivate. Der Hauptwirkstoff in Hoodia ist ein als P57 bekanntes Pregnanglykosid, das dem Körper einen schon ausreichend hohen Blutzuckerspiegel vortäuscht.

Die schmale Basis, auf welcher sich die Hoodia-Propaganda bewegt, fass der neueste Pharmavista-Newsletter zusammen:

„Im Tierversuch zeigte P57 starke appetitzügelnde Effekte. Gemäss Literaturangaben scheint die appetitmindernde Wirkung bei kontinuierlicher Einnahme einer Standarddosis bereits nach acht Tagen nicht mehr spürbar zu sein.

In einer kleinen randomisierten Studie am Menschen konnte jedoch weder für den standardisierten Hoodiaextrakt noch für Placebo ein signifikanter Effekt auf Energiezufuhr und Körpergewicht festgestellt werden… Nebenwirkungen wie z.B. Übelkeit oder Erbrechen traten in der Verumgruppe allerdings signifikant häufiger auf. Resultate grösserer klinischer Studien sind zurzeit nicht vorhanden.

Basierend auf der traditionellen Anwendung werden trotz unzureichender wissenschaftlicher Grundlage zahlreiche Hoodia-Produkte via Internet angepriesen.“

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=1601&NMID=1601&LANGID=2

Die erwähnte Studie ist hier auffindbar:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21993434

In der Schweiz gibt es zurzeit kein als Arzneimittel registriertes Hoodia-Produkt.

Zum Thema Nachhaltigkeit der Hoodia-Nutzung und zur Frage der Biopiraterie via Hoodia siehe:

WWF: Besorgnis um Hoodia-Pflanze

Im Schlankheitsmittel-Markt tauchen laufend neue oder traditionelle Produkte auf mit grossartigen Versprechungen. In sehr vielen Fällen ist weder die Wirksamkeit noch die Sicherheit geklärt. Dieses Thema ist ein Eldorado für Abzocker.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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