Forscher des Helmholtz Zentrums München konnten zeigen, dass Antibiotika, die in der Tierhaltung eingesetzt werden und über die Gülle in die Umwelt gelangen, die Zusammensetzung von Bakterien in Böden beeinflussen. Die Untersuchung galt dmn Wirkstoff Sulfadiazin (SDZ), einem weit verbreiteten Tierantibiotikum. Die Wissenschaftler beschreiben im Fachjournal PLoS ONE, dass bereits nach dreimaligem Ausbringen kontaminierter Gülle eine deutliche Abnahme nützlicher Bodenbakterien feststellbar ist, während es gleichzeitig zu einer Zunahme an potentiell menschenpathogenen Mikroorganismen kommt.

Der Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht ist weit verbreitet. Die Auswirkungen dieser Praxis auf landwirtschaftlich genutzte Flächen, die mit der Gülle dieser Tiere gedüngt werden, ist daher von großem Interesse.

Die Forscher konnten nun die Befürchtung bestätigen, dass das Ausbringen von Antibiotika einen Einfluss auf die Zusammensetzung von Bodenbakterien hat. Sie fanden einen Rückgang von Bakterien, die für eine gesunde Bodenbeschaffenheit charakteristisch sind. Das sei ein Verlust an Fruchtbarkeit für die Böden führe auf lange Sicht zum Rückgang der Ernteerträge, erklärt Prof. Dr. Michael Schloter, Leiter der Abteilung Umweltgenomik am Helmholtz Zentrum München. Hinzu komme die Erkenntnis, dass die Anzahl der im Boden lebenden Mikroben, die für Menschen gesundheitsgefährdend sein können, unter den experimentellen Bedingungen zugenommen hat.

Die Zunahme an humanpathogenen Mikroorganismen in der Umwelt habe weitreichende Konsequenzen für die menschliche Gesundheit, sagt Schloter.

Menschen stehen in stetigen Kontakt mit diesen Mikroorganismen und entsprechend steige die Wahrscheinlichkeit, an Infektionen zu erkranken. Dies betreffe vor allem Atemwegs- und Lungenerkrankungen, da die Bakterien durch die Luft eingeatmet werden. Eine Vielzahl der Bakterien sei darüber hinaus gegen gängige Antibiotika resistent, was oftmals eine Behandlung erschwere. Der Wissenschaftler plädiert dafür, dass wir dringend ein verändertes Bewusstsein entwickeln sollten, was den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung betrifft.

Sulfadiazin (SDZ) zählt zur Antibiotikagruppe der Sulfonamide. Es findet hauptsächlich in der Tiermedizin Anwendung. Seine Wirkung basiert auf der Hemmung der Folsäuresynthese von Bakterien. Weil sich rasch Resistenzen entwickeln, kommen sie meistens in Kombination mit anderen Antibiotika zum Einsatz. Sulfadiazin ist wasserlöslich.

Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news580335

http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0092958

Kommentar & Ergänzung:

Mein Eindruck ist, dass ich schon jahrelang  Meldungen höre, wie problematisch und gefährlich der hohe Antibiotikaeinsatz in der Tiermast ist, dass sich aber kaum grundsätzlich etwas ändert.

Siehe auch:

Warnung vor zunehmenden Antibiotika-Resistenzen

Grundsätzlich können hier natürlich Konsumentinnen und Konsumenten Einfluss nehmen, indem sie den Fleischkonsum reduzieren. Und wenn Fleisch, dann möglichst ausschliesslich von Tieren, die Antibiotika nur dann bekommen, wenn sie entsprechend krank sind – und nicht flächendeckend als Dauermedikation.

Solche individuellen Einflussnahmen reichen aber nicht aus. Ganz offensichtlich sind die Landwirtschaftslobbby und die Pharmalobby im Politbetrieb übervertreten. Das führt zu unverantwortlichen Entscheiden. Es braucht daher viel politischen Druck.

Organisationen, die sich für eine gesunde Landwirtschaft einsetzen, brauchen mehr Unterstützung.  Und bei Wahlen keine Stimmen mehr für uneinsichtige Lobbyisten.

Schauen Sie sich doch das Landwirtschaftsdossier der Partei genau an, die Sie zu wählen gedenken.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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