Die häufig eingesetzten Injektionen und Spiegelungen bei Knieschmerzen sind einer Studie zufolge oft wirkungslos. Für den «Faktencheck Gesundheit» der Bertelsmann-Stiftung hat das Harding-Zentrum für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut in Berlin aktuelle Berichte zu diesem Thema ausgewertet. Gelenkspiegelungen, Hyaluronsäure-Injektionen und Korticoid-Injektionen zeigten demnach bei Kniearthrose nur einen sehr begrenzten Nutzen, hieß es in der kürzlich publizierten Analyse. Risiken, die mit den Eingriffen verbunden sind, seien zudem häufig ungenügend erforscht.

 

Arthrose ist die weltweit am meisten verbreitete Gelenkerkrankung. In Deutschland ist etwa jeder dritte Mann und jede zweite Frau über 60 Jahre von Knieschmerzen betroffen, häufig leiden sie an Arthrose.

 

Spritzen und Spiegelungen seien auf längere Sicht häufig wirkungslos, erklärte Professor Dr. Gerd Gigerenzer, Direktor des Harding-Zentrums. Ihr Nutzen werde allzu oft überschätzt und die verbundenen Risiken, wie etwa Entzündungen, Schwellungen oder die Verletzung von Gefäßen ausgeblendet. Die Studie rät dazu, zunächst konservative Maßnahmen anzuwenden wie Abnehmen, gelenkschonende Aktivitäten, Physiotherapie und Ergotherapie.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=53537

 

Kommentar & Ergänzung:

Genau genommen stimmt es natürlich nicht, dass Kniespiegelungen und Injektionen mit Hyaluronsäure oder Kortikoiden wirkungslos sind.

Sie wirken wohl vor allem als Ritual, genauso wie beispielsweise Heilsteine.

Solche Rituale sind bei chronischen Krankheiten eine Möglichkeit, die Ohnmacht phasenweise zu lindern. Das ist nicht nichts. Injektionen und operative Eingriffe bringen im übrigen bekanntermassen starke Placeboeffekte mit sich – die aber oft nicht anhalten. Natürlich ist dann die Frage wichtig, welche Risiken und Kosten solche Rituale mit sich bringen.

Nach der Darstellung von „Faktencheck“ berichten bei Kortikoid-Injektionen eine Woche nach der Intervention 78 von 100 Patienten eine allgemeine Verbesserung (bei Placebo-Injektionen: 54 von 100). Es gibt also kurzfristig mehr Besserung als bei Placebo und auch die Schmerzen gehen in der Kortikoid-Gruppe stärker zurück als in der Placebogrupe.. Einen Monat nach der Kortikoid-Injektion ist allerdings keinerlei Unterschied zwischen Kortikoidgruppe und Placebogruppe feststellbar.

Siehe auch:

Arthroskopie bei Arthrose des Kniegelenks: therapeutischer Nutzen nicht belegt

Wenn immer wieder betont wird – und oft zu Recht – dass vielen Behandlungen der Komplementärmedizin und Alternativmedizin der Wirksamkeitsnachweis fehlt, dann kann man ganz nüchtern feststellen, dass das auch für eine ganze Reihe von medizinischen Massnahmen gilt. Darum ist es nötig, alle Behandlungsmethoden kritisch unter die Lupe zu nehmen – egal ob medizinisch, komplementärmedizinisch, alternativmedizinisch, naturheilkundlich…

Und auch Studienresultate müssen kritisch in Frage gestellt und diskutiert werden.

Nur so können sich Patientinnen und Patienten transparent und unabhängig informieren und eigenverantwortlich entscheiden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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