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Gerald Gartlehner zum Thema: Kann man Studien noch trauen?

Gesundheitliches

Avatar-FotoMartin Koradi29.08.2014

Es gibt Studien, die nicht vollständig offengelegt werden. Und Studien, die gar nicht publiziert werden, weil die Resultate den Sponsoren nicht genehm sind. Dann gibt es einfach schlecht gemachte, fehlerhafte Studien etc. etc.

Daher liegt die Frage auf der Hand: Kann man Studien noch trauen?

In einem Interview für die Zeitung „Der Standard“ hat Gerald Gartlehner zu diesem Thema Stellung genommen. Er ist Experte für Evidenzbasierte Medizin (EBM):

„Ja, wenn man die Gesamtheit der Studien betrachtet. Deshalb ist es so wichtig, die Industrie zu zwingen, alle Daten auf den Tisch zu legen. Auch ethisch betrachtet. Patienten, die an Studien teilnehmen, tun es ja im Glauben, die Wissenschaft zu fördern. Wenn Ergebnisse verschwinden, werden Patienten irregeführt. Das Fehlen von Evidenz mit Nichtwirksamkeit gleichzusetzen, ist aber auch ein kompletter Irrtum. Es bedeutet nur, dass es keine Studien gibt. Man muss sich bewusst sein, dass es viel Unsicherheit in der Medizin gibt. Wichtig ist es deshalb, Dinge laufend zu hinterfragen.“

Quelle:

https://derstandard.at/2000004271664/Evidenzbasierte-Medizin-Den-Wohlfuehlfaktor-erhoehen

Kommentar & Ergänzung:

Die Gesamtheit der Studien betrachten, nicht nur einzelne „Rosinen“ picken. Das ist tatsächlich ein zentraler Grundsatz und das Kernanliegen der evidenzbasierten Medizin (EBM).

Siehe dazu auch:

Zitat von Johann Wolfgang Goethe (u. a. zum Single-Study-Syndrom)

Dass alle Daten von Studien auf den Tisch müssen, verlangt eine Petition von alltrials.

Mehr dazu hier:

Medizinische Forschung: Petition fordert volle Transparenz

(mit Informationen zum „Publikationsbias“)

Wichtig ist aus meiner Sicht vor allem noch dieser Abschnitt:

„Das Fehlen von Evidenz mit Nichtwirksamkeit gleichzusetzen, ist aber auch ein kompletter Irrtum. Es bedeutet nur, dass es keine Studien gibt. Man muss sich bewusst sein, dass es viel Unsicherheit in der Medizin gibt. Wichtig ist es deshalb, Dinge laufend zu hinterfragen.“

Wir haben nämlich in der Phytotherapie Bereiche, in denen es Studien gibt, und Bereiche, in denen Studien fehlen. Oft sind es eher günstige, einfache Zubereitungen wie Kräutertees, für die keine Studien gemacht werden, weil sie nicht patentierbar sind.

Für Johanniskraut-Extrakte zum Beispiel gibt es Patente und damit Firmen, die in Studien investieren, weil der Forschungsaufwand dem Produkt wieder zugute kommt Für Johanniskrauttee investiert niemand relevant in die Forschung, weil er nicht patentierbar ist.

Es ist daher wichtig festzuhalten, dass die Nicht-Existenz von Studien noch nicht bedeutet, dass keine Wirkung vorhanden ist, sondern nur, dass man diesbezüglich wenig Sicheres weiss. Und gerade in diesem Bereich, wenn keine Studien vorliegen, ist es aber auch wichtig, kritisch zu hinterfragen, weil man sonst leicht Fremd- und Selbsttäuschungen unterliegt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

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www.phytotherapie-seminare.ch

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