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Heilpflanzen bei Diabetes

Phytotherapie

Avatar-FotoMartin Koradi31.08.2014

Heilpflanzen bei Diabetes – das ist ein schwieriges Gebiet für die Phytotherapie. Es schwirren zwar viele Ideen herum, aber es sind wenige fundierte Daten dazu vorhanden.

Soll ich dazu überhaupt einen Beitrag verfassen oder es bleiben lassen?

Meiner Ansicht nach ist es unseriös, immer nur Tolles zu berichten, und die Widersprüche, die offenen Fragen und die schwierigeren Terrains einfach auszulassen.

So verhalten sich jedenfalls eher manche Verkäufer oder Missionare.

Ein eigenständiges, realitätsnahes Bild kann sich aber nur machen, wer umfassend und differenziert über ein Gebiet informiert ist. Und dazu gehören eben auch Widersprüche, Lücken, offene Fragen etc.

 

Und daher lesen Sie hier manchmal auch kritische Texte, in denen Grenzen der Pflanzenheilkunde aufscheinen.

Wer nämlich immer nur tolle Heilungsgeschichten vorgesetzt bekommt, wird an der Nase herumgeführt.

 

Und nun zum Thema „Heilpflanzen und Diabetes“.

Professor Edzard Ernst aus Exeter in Großbritannien präsentierte beim Diabeteskongress in Berlin eine Reihe systematischer Reviews zur Wirksamkeit von komplementärmedizinischer Ansätzen bei Diabetes mellitus.

Ernst bezeichnete das Vorgehen vieler Befürworter der Komplementärmedizin, erwünschte Schlussfolgerungen aus Studien überzubetonen und widersprechende Evidenz nicht zu berücksichtigen, als „Rosinenpickerei“.

Ausserdem kritisierte er, dass meist nur Daten aus In-vitro-Untersuchungen und Tiermodellen vorlägen, bzw. dass die Studien von schlechter Qualität seien und nur geringe Effektgrößen zeigten.

Valide klinische Studien in diesem Bereich seien Mangelware.

Und was bleibt dann noch übrig:

 

„Ein systematisches Review, das 31 Studien (meist schlechter Qualität) einschloss, zeigte einen potenziellen Benefit bei Diabetes für Chrom, Ballaststoffe, Grünen Tee und Bockshornklee. Suksomboon et al. (J Ethnopharmacol 2011) konnten Effekte auf den HbA1c-Wert für Mariendistel und Bockshornklee, nicht aber für Süßkartoffel und Zimt zeigen. Eine Cochrane-Analyse von 7 randomisierten klinischen Studien zu ayurvedischen Ansätzen, kam zu dem Schluss, dass aufgrund der methodischen Defizite der Untersuchungen keine Bewertung möglich sei.“

 

Quelle:

 

https://www.springermedizin.de/ddg-kongress_valide-daten-zu-alternativen-behandlungsoptionen-sind-mangelware/5152590.html

(mehr Quellenangaben dort)

 

Kommentar & Ergänzung:

 

Bei Diabetes sind eine adäquate Ernährungsgestaltung, Reduktion von Übergewicht und ausgiebige Bewegung wichtiger als Heilpflanzen-Anwendungen. Das sind aber eigentlich auch Bereiche der Naturheilkunde.

Ballaststoffe sind im Zitat oben pauschal aufgeführt. Sie verlangsamen die Aufnahme von Glukose. Gemeint sein könnten zum Beispiel:

– Haferkleie:

„Hafer-Beta-Glucan bildet im Magen und Dünndarm eine zähflüssige Konsistenz, die eine verlangsamte Resorption der Nährstoffe aus der gelartigen Masse zur Folge hat. Dies führt zu einem weniger starken und zeitverzögerten Anstieg des Blutglucosespiegels.“

(Quelle: Wikipedia)

– Guarkernmehl

– Johannisbrotkernmehl

– Flohsamen

– Bockshornkleesamen

 

Mariendistel ist bekannt als Leberschutzpflanze und zur unterstützenden Behandlung bei chronischen Lebererkrankungen, wobei allerdings nur Präparate wirksam sind, die einen hohen Wirkstoffgehalt aufweisen (hochkonzentrierte Extrakte, reine Silymarin-Präparate). Mariendisteltee und Mariendisteltinktur liegen mit ihrem Silymaringehalt deutlich zu tief.

 

Interessant und neu für mich ist die Erwähnung der Mariendistel im Zusammenhang mit Diabetes bzw. dem HbA1c-Wert.

 

Was ist der HbA1c-Wert:

„HbA1c ist ein Glykohämoglobin, das heißt eine Form des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin), an den Glukose gebunden ist (Glykierung). Die Kopplung von Glukose an das Hämoglobin A findet ohne Enzyme statt (Amadori-Umlagerung), daher handelt es sich nicht um eine Glykosylierung.

Der Anteil des HbA1c am gesamten Hämoglobin (Hb) kann bei Blutuntersuchungen festgestellt werden. Er gibt Auskunft über die Blutzuckerwerte der letzten vier bis zwölf Wochen (im Durchschnitt acht Wochen, das ist ungefähr das mittlere Alter der Erythrozyten) und wird daher umgangssprachlich auch als Langzeit-Blutzucker oder Blutzuckergedächtnis bezeichnet.“

(Quelle: Wikipedia)

Zu Zimt & Diabetes siehe:

Zimt zur Senkung des Blutzuckers bei Diabetes

Zum Thema „Rosinenpicken“ hier ein Zitat von Goethe und ein paar Erläuterungen zum Single-Study-Syndrom.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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