„Elisabeth Schmitz (1893 – 1977) gehörte zu den wenigen Frauen im höheren Schuldienst. Aus ihrer eindeutig ablehnenden Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus macht sie von Beginn an keinen Hehl und wird im September 1934 Mitglied der Bekennenden Kirche. Ihre Wohnung teilt Elisabeth Schmitz mit ihrer Freundin Martha Kassel, die evangelisch getauft  ist, jedoch aus einer jüdischen Familie stammt. Sie verlor deshalb ihre Stelle als Ärztin in einer Kinderklinik, und konnte ihre Wohnung nicht mehr bezahlen. Durch ihre Freundin erlebt Elisabeth Schmitz hautnah mit, wie zerstörerisch die NS-Rassenpolitik auf das Leben einzelner Menschen wirkt. 1935 verfasste Schmitz die bedeutende Denkschrift «Zur Lage der deutschen Nichtarier». Diese Denkschrift gehört zu den wenigen mutigen Äusserungen, die gerne «der evangelischen Kirche» zugeschrieben wird. Nein, die Denkschrift ist das Werk einer einzelnen mutigen Frau, die sich nicht abfinden wollte mit der indifferenten Haltung der Kirche in der NS-Diktatur.“

Elisabeth Schmitz war Lehrerin am Luisen-Oberlyzeum in Berlin-Moabit. Am 10. November 1938, einen Tag nach den Novemberprogromen, beschliesst sie, ihre Schule nicht mehr zu betreten. Ihre Entscheidung begründet sie am 31. 12. 1938 in einem Brief  an Oberregierungsrat König mit folgenden Worten:

„Es ist mir in steigendem Masse zweifelhaft geworden, ob ich den Unterricht bei meinen rein weltanschaulichen Fächern – Religion, Geschichte, Deutsch – so geben kann, wie ihn der nationalsozialistische Staat von mir erwartet und fordert. Nach immer wiederholter eingehender Prüfung bin ich schliesslich zu der Überzeugung gekommen, dass das nicht der Fall ist.“

Die Zitate zum Wirken dieser mutigen Frau stammen aus dem Buch:

„1938 Warum wir heute genau hinschauen müssen“,

von Barbara Schieb und Jutta Hercher (Hrsg.)

Das Buch ist in meinem Buchshop genauer beschrieben und kann dort via Buchhaus auch bestellt werden (hier)

 

Ein weiterer mutiger Mensch in dieser düsteren Zeit war der stille, wortkarge Kunsthandwerker Reinhold Duschka in Wien. Wie es ihm gelang, die Jüdin Regina Steinig und ihre Tochter Lucia vier Jahre lang in seiner Werkstatt zu verstecken, schildert Erich Hackl im Roman:

„Am Seil“

(im Buchshop hier).

Zu den erwähnten Novemberpogromen im November 1938 gibt es eine eindrückliche Schilderung von Sven Felix Kellerhoff in seinem Buch:

„Ein ganz normales Pogrom“

Dieses Buch bietet einen berührenden Einblick in das Aufkommen des Antisemitismus durch die Schilderung der Ereignisse rund um die Novemberpogrome am Beispiel des Weindorfes Guntersblum.

(im Buchshop hier)

Wir sind zwar nicht in einer vergleichbar dramatischen Lage wie 1938, aber es ist nicht mehr undenkbar, dass  Zivilcourage und Mut in Zukunft wieder vermehrt notwendig werden.

Wer Demokratie und Rechtsstaat bewahren will tut meines Erachtens gut daran, sich vorzubereiten mit Wachsamkeit, Informiertheit und durch Stärkung von Institutionen und Organisationen, die für diese Anliegen eintreten. In der Schweiz formiert sich in diesem Bereich zum Beispiel gerade die Bewegung Courage Civil.

Auf internationaler Ebene ist meines Erachtens zum Beispiel Amnesty International unterstützenswert. Es gibt aber noch eine ganze Reihe von Organisationen in diesen Bereichen.