Broccoli und andere Gemüsearten aus der Familie der Kreuzblütler enthalten den sekundären Pflanzeninhaltsstoff Indol-3-Carbinol, der das Tumorwachstum unterdrückt. Allerdings geschieht das erst in Konzentrationen, die bei normalem Verzehr nicht erreicht werden.

Die Modulation von Tumorsuppressorgenen ist ein vielversprechenden Ansatz zur Bekämpfung von Krebserkrankungen, der jedoch gegenwärtig therapeutisch noch nicht genutzt wird. Auf der Suche nach einem gangbaren Weg in diese Richtung untersuchte eine Wissenschaftlergruppe um Dr. Pier Paolo Pandolfi, Professor am Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston, das Gen PTEN.

PTEN kodiert für eine Phosphatase und zählt zu den am häufigsten mutierten, deletierten oder herabregulierten Tumorsuppressorgenen in Krebszellen. Um die Aktivität von PTEN wiederherzustellen, suchten die Forscher nach Molekülen, die dessen Funktion steuern.

Wie die Wissenschaftler um Erstautor Dr. Yu-Ru Lee im Fachjournal »Science« schreiben, erwiesen sich das Gen WWP1 beziehungsweise das zugehörige Protein als wichtige Regulatoren von PTEN.

Eine Aktivierung von WWP1 bewirkte in Zellkulturen eine Hemmung von PTEN und damit ein verstärktes Tumorwachstum. Da die räumliche Struktur des Enzyms eine Hemmwirkung durch Indol-3-Carbinol erwarten ließ, testeten die Wissenschaftler den Pflanzeninhaltsstoff im Tierversuch und entdecken dabei, dass er die Aktivität von WWP1 drosselte und somit die von PTEN wiederherstellte (DOI: 10.1126/ science.aau0159).

Autor Lee betont aber, dasses nicht reicht, im nächsten Supermarkt Gemüse aus der Familie der Kreuzblütler zu kaufen: »Man müsste etwa 3 kg Rosenkohl am Tag essen – und zwar roh –, um etwas von dem Antikrebseffekt zu haben.«

Die Wissenschaftler wollen daher WWP1 weiter untersuchen, um schlussendlich möglichst neue WWP1-Inhibitoren zu entwickeln, die in ihrer Wirksamkeit den Naturstoff übertreffen.

Quelle:

 

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/fileadmin/jahrgangspdf/2019/PZ_21_2019.pdf

 

Kommentar & Ergänzung:

 

Broccoli-Wirkstoffe werden schon seit längerer Zeit auf ihre tumorhemmenden Eigenschaften hin untersucht.

Die Medienberichte zu diesen Forschungen sind aber oft ungenau. So erwähnt zwar die „Pharmazeutische Zeitung“, dass es etwa drei Kilo rohen Rosenkohl pro Tag brauchen würde, um eine Wirkung gegen Krebs zu erzielen. Aber der Titel des Artikels lautet:

„Broccoli: Der Tumorsuppressor auf dem Teller.“  Damit wird nahegelegt, dass man die Wirkung gegen Krebs direkt aus dem Broccoli essen kann, was die Forschergruppe aber in ihrer Arbeit verneint.

 

Kreuzblütler wie Blumenkohl, Broccoli und Rosenkohl aber auf alle Fälle Bestandteil einer gesunden, vielfältigen Ernährung.

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