Das Magazin „Stern“ empfiehlt verschiedene Hausmittel bei Menstruationsbeschwerden. Einer dieser Tipps: Frauenmantel.

Zitat:

“Frauenmantelkraut

Der Frauenmantel ist eine bekannte Heilpflanze bei Menstruationsstörungen. Er enthält Bitter- und Gerbstoffe, die leichten Durchfall lindern können. Außerdem kann das Kraut dabei helfen, Blutungen zu lindern und wird von Frauen eingenommen, die zu Zwischenblutungen neigen. Wissenschaftliche Studien zu der Wirkung fehlen allerdings. Tee-Zubereitungen gibt es in Apotheken zu kaufen.“

 

Quelle:

https://www.stern.de/gesundheit/sieben-tipps-gegen-regelbeschwerden-7478034.html#mg-1_1557520047196

Kommentar & Ergänzung:

 

Frauenmantel gehört zu den traditionellen „Frauenkräutern“. Die Schwierigkeit besteht darin, dass er für praktisch alle „Frauenleiden“ zur Anwendung kommt. Ziemlich unglaubwürdig, dass eine Heilpflanze bei allen Menstruationsstörungen, bei PMS, Wechseljahrsbeschwerden, vor oder nach der Geburt wirksam ist, unabhängig von den unterschiedlichen Ursachen dieser Beschwerden.

 

Wenn also der „Stern“ schreibt, dass Frauenmantel eine „bekannte Heilpflanze bei Menstruationsstörungen“ ist, dann sagt das wenig aus, weil es ganz unterschiedliche Mentruationsstörungen gibt. Auch wenn der „Stern“ schreibt, dass das Kraut dabei helfen könne, Blutungen zu lindern, und von Frauen gegen Zwischenblutungen angewendet werde, bewegt sich das Magazin auf sehr dünnem Eis. Für eine solche Wirkung gibt es keine glaubwürdigen Hinweise.

Es sind auch keine Wirkstoffe im Frauenmantel bekannt, die eine Wirkung auf gynäkologische Beschwerden und Krankheiten erklären könnten. Zwar tauchen manchmal Aussagen auf, Frauenmantel enthalte Progesteron. Dafür gibt es aber keiner glaubwürdigen Grundlagen. Siehe dazu auch:

Frauenmantel enthält Progesteron – stimmt diese Behauptung?

Es fehlen aber nicht nur passende Wirkstoffe. Es gibt auch keine Studien mit Patientinnen. Zusammenfassend lässt sich eigentllich nur sagen, dass rund um den Frauenmantel als „Frauenkraut“ keine fundierten Erkenntnisse vorliegen, die eine Wirksamkeit belegen würden.

Die Frage ist nun: Was machen wir mit einer Heilpflanze, die in der traditionellen Pflanzenheilkunde grosse Bedeutung hat, für die aber keinerlei gesichertes Wissen vorliegt?

Tradition hat nämlich auch nicht immer Recht. Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?

Meines Erachtens sollten wir einfach zuerst einmal anerkennen, dass zu diesem Thema nichts Sicheres gesagt werden kann. Das ist ehrlicher, als über irgendwelche Wirkungen oder Wirkstoffe zu fabulieren, wie zum Beispiel mit der faktenfreien Behauptung, Frauenmantel enthalte Progesteron. Auch der „Stern“ macht hier Aussagen, die überzogen sind.

Ich habe mich intensiv mit der Geschichte des Frauenmantels befasst. Die starke Stellung dieser Heilpflanze bei Frauenkrankheiten lässt sich wohl nur aus diesen kulturgeschichtlichen Wurzeln verstehen, nicht aber über Wirkstoffe.

Wenn eine Frau die Erfahrung macht, dass ihr der Frauenmanteltee gut tut, dann ist meiner Ansicht nach nichts dagegen einzuwenden. Der Tee kostet nicht viel und unerwünschte Nebenwirkungen sind nicht zu befürchten. Es spricht allerdings viel dafür, dass in solchen Fällen der positive Effekt vom Ritual her kommt. Das ist durchaus wertvoll. Die Kraft des Rituals hat aber auch Grenzen. Eine Endometriose zum Beispiel wird man damit nicht wegbringen. Vielleicht lindert das Ritual aber zum Beispiel das Ohnmachtsgefühl.

Wer sich für Wirkstoffe und Heilpflanzen-Anwendungen interessiert, kann dazu fundiertes Wissen erwerben in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.