Die „Deutsche Welle“ schreibt unter dem Titel „DIE FANTASTISCHE WELT DER HEILPFLANZEN“  einen Beitrag mit Bezug zur Phytotherapie. Dabei kommt auch der Löwenzahn vor.

Zitat:

„Gelber Leberretter

Der Löwenzahn ist über die ganze nördliche Halbkugel verbreitet. Das zur Blütezeit gesammelte Kraut und die Wurzel werden mit Wasser gekocht und als Tee getrunken. Die Pflanze hilft gegen Lebererkrankungen, Gallenblasenleiden, Verdauungsbeschwerden und Nierenstörungen.“

Quelle:

https://www.dw.com/de/quacksalberei-oder-alternative-was-ist-traditionelle-chinesische-medizin/a-48774541

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Abschnitt ist von vorne bis hinten fragwürdig. Schauen wir uns das einmal an.

Nur schon der Ausdruck „Leberretter“ ist einfach Unsinn. Es gibt Null Hinweise auf eine Leberschutzwirkung von Löwenzahn und Null Hinweise darauf, dass Löwenzahn eine angeschlagene Leber retten könnte.

Genauer:

Die Pflanze hilft gegen Lebererkrankungen“

Der Ausdruck „Lebererkrankungen“ ist viel zu ungenau. Es gibt unzählige Lebererkrankungen mit unterschiedlichen Ursachen. Soll Löwenzahn in allen Fällen helfen. Hier wäre zu fordern, dass genau angegeben wird, gegen welche Lebererkrankung Löwenzahn helfen soll. Derart umfassende und zugleich ungenaue Angaben machen die Aussage unglaubwürdig.

„Die Pflanze hilft gegen….Gallenblasenleiden“

Auch hier ist die Angabe „Gallenblasenleiden“ viel zu pauschal und sogar fahrlässig. Die Phytotherapie-Fachliteratur schreibt dem Löwenzahn eine Anregung des Gallenflusses zu. Das kann bei Fettverdauungsstörungen  und Völlegefühl hilfreich sein. Bei Gallensteinleiden, Gallenblasenentzündung, Verschluss der Gallenwege und Gallenblasenempyem soll Löwenzahn aber nicht angewendet werden. Das sind Kontraindikationen für Löwenzahn.

„Die Pflanze hilft bei….Verdauungsbeschwerden“

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Verdauungsbeschwerden. Auch diese Angabe ist viel zu pauschal. Löwenzahn kann die Magensaftproduktion und den Gallenfluss anregen und dann bei Völlegefühl und leichter Appetitlosigkeit helfen.

„Die Pflanzen hilft bei……..Nierenstörungen“

Das ist vollkommen absurd. Es gibt eine grosse Zahl unterschiedlicher Nierenstörungen mit unterschiedlichen Ursachen. Und oft handelt es sich dabei um ernsthafte Erkrankungen. Pauschal zu sagen, dass hier Löwenzahn hilft, ist einfach Unsinn.

Die Phytotherapie-Fachliteratur schreibt dem Löwenzahn eine leichte Förderung der Harnausscheidung zu. Genauer wird die Wasserausscheidung erhöht. Es ist allerdings gar nicht so klar, in welchen Fällen eine solche Wirkung sinnvoll ist. Darüber hinaus werden Löwenzahnblätter als Wildsalat in der Küche verwendet.

Fazit: Hier wird eine traditionelle Heilpflanze mit ausufernden Versprechungen „überverkauft“. Heilpflanzen-Anwendungen haben durchaus Wirkungen auf unseren Organismus. Sie haben aber auch Grenzen und manchmal auch Risiken, die zu beachten sind. Die Phytotherapie-Fachliteratur ist sich dieser Grenzen und Risiken bewusst, dieser Heilpflanzen-Text der „Deutschen Welle“ aber offensichtlich nicht.

Ich finde es wirklich bedenklich, dass Fakten in weiten Teilen der Texte über Heilpflanzen kaum eine Rolle spielen. Es wird einfach daher schwadroniert. Ob die Angaben stimmen oder nicht, scheint nicht so wichtig zu sein. Hauptsache es tönt gut.

Zu diesem Phänomen siehe auch:

Triumph der Meinung über Fakten, Wahrheit und Fachwissen – das kann nicht gut gehen!

Vorsicht Bullshit!

Wer sich vertieftes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das an meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

Wir werden ja überschwemmt mit Informationen über Heilpflanzen und jede Internetsuche fördert unzählige Treffer zu Tage, deren Relevanz und Qualität nicht einfach zu erkennen ist. In meinen Lehrgängen unterstütze ich die Entwicklung der Fähigkeit, Aussagen und Versprechungen zu prüfen und zu sortieren.