Die Häufigkeit von Essstörungen ist in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen. Neben den Störungen wie Anorexie (Magersucht) oder Bulimie (Ess-Brechsucht) sind weitere bekannt geworden. Der Pharmavista-Newsletter hat zwei davon vorgestellt:

Atypische Essstörung: Night-Eating-Syndrom (NES)

Beim Night-Eating-Syndrom (NES) verschiebt sich die Aufnahme von Nahrung in die Abendstunden. Betroffene erleben den Drang, nach dem Abendessen oder in der Nacht unkontrolliert zu essen. Dabei werden sehr rasch grosse Nahrungsmengen aufgenommen. Man geht vom vorliegen eines NES aus, wenn während mindestens 3 Monaten zweimal pro Woche mehr als 25% der täglichen Nahrungsaufnahme nachts erfolgt. Aus Angst vor einer Gewichtszunahme essen die Betroffenen tagsüber sehr kontrolliert. Diese Essgewohnheiten und der unregelmässige Schlaf stören längerfristig den zirkadianen Rhythmus und die Schlafstruktur, was zu Tagesschläfrigkeit führen kann. In Studien wurde ein erhöhter Stresshormonlevel festgestellt, wobei Stress der Auslöser oder die Folge der nächtlichen Heisshungerattacken sein kann. Das NES wird als Ernährungsstörung und nicht als Schlafstörung aufgefasst, weil das Verlangen nach Nahrung im Vordergrund steht. Die nächtliche Nahrungsaufnahme wird im Rahmen des NES als Beruhigungsstrategie oder Einschlafhilfe verstanden.

Atypische Essstörung: Sleep-Eating-Syndrom

Das Sleep-Eating-Syndrom gilt als eine Form des Schlafwandelns. Während dieser Phase essen Betroffene nachts, ohne dass sie sich am nächsten Tag daran erinnern. Diese Ernährungsstörung ist zugleich auch eine Schlafstörung und Betroffene fühlen sich müde und ängstlich. Episoden eines Sleep-Eating-Syndrom können sporadisch oder regelmässig auftreten, häufig während einer strengen Diät. Betroffene neigen während des Schlafwandelns dazu, Nahrungsmittel zu konsumieren, die sie sich normalerweise untersagen. Das Sleep-Eating-Syndrom kann auch als Nebenwirkung bestimmter Schlafmittel auftreten.

 

Auch wenn diese atypischen Störungen generell nicht die Verbreitung, die Sichtbarkeit oder Schwere einer Ess-Brechsucht oder Magersucht erreichen, können sie zu einer psychischen Belastung führen und/oder signifikanten Schwierigkeiten im privaten und beruflichen Umfeld verursachen.

Je früher Ernährungsstörungen erkannt werden, desto grösser ist die Chance für eine Normalisierung. Besteht dringender Verdacht auf eine Essstörung, sollten Betroffene schnell an einen Spezialisten oder eine Spezialistin überwiesen werden. Auf der Internetseite der Schweizerischen Gesellschaft für Essstörungen (SGES) sind dazu Informationen zu finden zu passenden Spitälern, Tageskliniken, Spezialisten und spezialisierten Netzwerken in der Schweiz.

Literaturangabe:

Vidal.fr, EurekaSanté Newsletter 12/2019 : Anorexie, boulimie, que faire ?

Quelle: Pharmavista-Newsletter, 3. Januar 2020

Kommentar & Ergänzung:

Neu und sehr interessant für mich war in dieser Meldung die Website der Schweizerischen Gesellschaft für Essstörungen (SGES):

https://www.sges-ssta-ssda.ch

Vergleichbar mit Angststörungen oder chronischen Schmerzen ist es auch bei Essstörungen entscheidend, dass sie frühzeitig kompetent behandelt werden können. Je länger eine solche Störung andauert, desto schwieriger wird in der Regel die Therapie. Die informative Website der SGES scheint mir hilfreich dabei, rechtzeitig passende therapeutische Unterstützung zu finden.

Siehe auch:

Castingshows verändern Körperideal von Mädchen und begünstigen möglicherweise Essstörungen

Orthorexie: Krankhafter Umgang mit dem Essen