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Hirndoping an Universitäten verbreitet

Gesellschaftliches

Avatar-FotoMartin Koradi10.03.2013

Hirndoping boomt und ist an Universitäten offenbar viel weiter verbreitet als gedacht.  Durchschnittlich schluckt jeder fünfte Student  zumindest phasenweise Pillen,  die dafür sorgen sollen, dass er sich besser konzentrieren kann oder beim Lernen nachts länger durchhält.  Am stärksten gedopt wird unter Sportstudenten.

Zu diesem Resultat kommt die bisher größte und aussagekräftigste Studie von Mainzer Wissenschaftlern und Medizinern.

Zu den verwendeten Substanzen zählen Koffein-Tabletten zum Aufputschen, jedoch grundsätzlich auch harte verschreibungspflichtige Mittel wie zum Beispiel  Stimmungsaufheller und Arzneien zur Behandlung  seelischer Leiden wie Ritalin gegen das  ADHS-Hyperaktivitätssyndrom, Modafinil gegen Schläfrigkeit, Alzheimer-Medikamente sowie  Amphetamine wie Mephedron oder illegale  Drogen.

In der Fachzeitschrift „Pharmacotherapy“ (Bd.33, S.44) publizieren Mainzer Wissenschaftler die Resultate der bisher umfangreichsten und aussagekräftigsten Hochschulstudie zum Thema  Leistungssteigerung durch „Neuro-Enhancement“.

Quelle:

https://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/jeder-fuenfte-student-nimmt-pillen-hirndoping-boomt-an-universitaeten-12045969.html

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/phar.1166/abstract

Kommentar & Ergänzung:

Diese Erkenntnisse werfen viele Fragen auf:

– Wie gross ist das Abhängigkeitsrisiko bei den einzelnen Substanzen?

– Bringen die verwendeten Substanzen wirklich die erhoffte Leistungssteigerung, oder haben wir es ausschliesslich mit einem Placeboeffekt zu tun?  Falls letzteres der Fall ist: Könnte man diesen Effekt vielleicht mit harmloseren Mitteln ebenso erreichen?

– Falls tatsächlich eine effektive und nebenwirkungsarme Variante des Hirndopings gefunden würde, könnte das fragwürdige Folgen haben – nämlich zunehmenden Druck auf diejenigen, die kein Hirndoping machen. Um nicht abzufallen, müssten sie ebenfalls zu leistungssteigernden Mitteln greifen.

– Hirndoping ist ein weiterer Schritt in die Medikalisierung aller Lebenslagen und damit Teil einer sehr fragwürdigen Entwicklung. Es scheint mir daher sehr wichtig, alle Angebote von Medizin und Pharmaindustrie, die solche Medikalisierung fördern könnten, kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Leider segeln aber auch Komplementärmedizin und Alternativmedizin voll in diesem Trend: Es gibt kaum eine Lebenssituation, für die nicht eine ganze Reihe von Bachblüten, Schüssler Salzen, homöopathischen Globuli, Pflanzentinkturen….. angeboten werden.

Komplementärmedizin und Alternativmedizin begleiten so die Menschen von der Wiege bis zur Bahre. Das ist meiner Ansicht nach eine sehr fragwürdige Entwicklung. Schon ein paar Mal bin ich gefragt worden, was ich als Heilpflanzenspezialist denn nehme.

Die Frage irritiert mich, weil sie unabhängig von allfälligen Beschwerden gestellt wird. Anscheinend gehört es in manchen Kreisen bereits zum Lifestil, „etwas zu nehmen“.

Man sollte aber meines Erachtens auch Präparate aus Naturheilkunde oder „Komplementärmedizin“ bei bestimmten Beschwerden nehmen und gut überlegen, ob sie sinnvoll und nötig sind. Die Rundumversorgung, mit Globuli, Bachblütentropfen, Schüssler-Salzen, Pflanzentinkturen etc. halte ich für problematisch, weil damit die Überzeugung gezüchtet wird, dass man sie braucht und ohne sie nicht leben kann.

Ich kenne einige Leute, von denen ich den Eindruck habe, dass sie von ihren Globuli, Schüssler-Tabletten und Bachblütentropfen psychisch ganz unschön abhängig sind.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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www.phytotherapie-seminare.ch

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