Vor kurzem berichtete mir eine Kursteilnehmerin aus dem Thurgau folgendes:
Wenn ihr Sohn gesundheitliche Beschwerden habe, schicke sie ihn zu einer Bach-Blüten-Therapeutin im oberen Stock. Das Kind greift dort in ein Körbchen mit den 38 Bach-Blüten und zieht daraus ein Fläschchen heraus. Dieses herausgegriffene Mittel soll dann für die gegenwärtigen Beschwerden das geeignete Heilmittel sein. Wir haben der Teilnehmerin dann geraten, sich dieses Körbchen doch einmal auszuleihen und das Auswahlverfahren mehrere Male hintereinander durchzuführen. Prompt kam beim zweiten Ziehen ein anderes Ergebnis heraus. Wer nun dieses Verfahren “retten” will kann natürlich sagen, dass das Kind zur Zeit halt beide gezogenen Bach-Blüten brauche. Sehr überzeugend scheint mir diese Argumentation aber nicht.
Schaut man sich das Prozedere dieser Bach-Blüten-Therapeutin etwas genauer an, hat es für die “Heilerin” zweifellos einige Vorteile:
1. Wenn man die Annahme akzeptiert, dass das Kind “intuitiv” immer die richtige Wahl trifft, so schliesst dieses Verfahren jeden Zweifel aus. Das ist ein grosser Vorteil gegenüber allen seriösen Therapeutinnen und Therapeuten, die sich immer wieder dem Zweifel stellen müssen, ob die angewandte Behandlung auch die richtige sei.
2. Das Verfahren kommt ganz ohne Kenntnisse über Bau und Funktion des menschlichen Organismus und über seine Krankheiten aus. Jede und jeder kann es ohne die geringste Ausbildung anwenden. Der Begründer der Bach-Blüten-Therapie, Eduard Bach, hat im übrigen genau diese Ansicht vertreten: “Ohne Kenntnisse der Medizin kann ihre Anwendung so leicht verstanden werden, dass sie in jedem Haushalt benutzt werden können……Wieder möchte ich Ihnen einprägen, dass keinerlei wissenschaftliche Kenntnisse notwendig sind, um mit diesen Pflanzen zu heilen – nicht einmal der Name der Krankheit oder des Leidens ist wichtig. Was zählt, ist nicht die Krankheit, sondern der Patient.” (Vortrag in Wallingford an Bachs 50. Geburtstag).
Hier wird einem Vorgehen das Wort geredet, das gänzlich ohne Wissen und Ausbildung auskommt (fragwürdig ist zudem das Auseinanderreissen von “Patient” und “Krankheit”).
Dieses Minimal-Verfahren kommt Personen entgegen, die geistig zu träge sind, um sich fundierte Kenntnisse anzueignen, was Zeit braucht und manchmal auch anstrengend sein kann.
3. Die Methode ist ausgesprochen schnell. Während der Medizin gerade aus Kreisen der Naturheilkunde manchmal (zu Recht oder zu Unrecht) eine Fünf-Minuten-Medizin vorgeworfen wird, handelt es sich hier bestenfalls um eine Dreissig-Sekunden-Therapie, bei der eine Auseinandersetzung mit der zu behandelnden Person vollkommen überflüssig ist.

Fazit: Wir haben hier ein Vorgehen, das perfekt in unsere Zeit passt – schnell, ohne Aufwand für Behandelnde und Behandelte, sowie glatt, das heisst ohne Tücken, Widersprüche, Unebenheiten, Nebenwirkungen. Fast-food-mässig eben.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

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