Die meisten Leute bleiben passiv und schauen weg, wenn jemand angepöbelt oder gar verprügelt wird. Weshalb das so ist, untersuchen Zürcher Motivationspsychologen. Und sie haben auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse ein Zivilcourage-Training entwickelt
Doch warum schauen die Menschen weg? Veronika Brandstätter und ihr Team stellten dazu vier Hauptgründe fest:
– Man scheut vor einer Einmischung in die vermeintliche Privatsphäre anderer zurück.
– Man will sich nicht exponieren.
– Man weiss einfach nicht, was zu tun wäre.
– Man ist so aufgeregt, dass man nicht zum Handeln kommt.

Die verbreitete Passivität steht allerdings im Gegensatz dazu, dass viele Menschen durchaus aktiv werden möchten. «Es gibt eine Lücke zwischen Einstellung und Verhalten», sagt die Motivationspsychologin Veronika Brandstätter.
Dabei hat die Passivität manchmal fatale Folgen: Schweigen kann als Zustimmung fehlinterpretiert werden und die Gewaltbereitschaft sogar verstärken, indem es den Tätern die Rechtfertigung liefert, sie vollzögen ja nur das, was die schweigende Mehrheit will.

Doch was ist überhaupt Zivilcourage?

Zivilcourage, sagt die Forschung, ist das sichtbare Eintreten für die Wahrung von zivilgesellschaftlich demokratischen Grundrechten. Es geht also nicht nur um eine Spende an Amnesty International, sondern um ein sichtbares Aktivwerden für die Menschenwürde. Das braucht Mut, weil mit dem Einschreiten ein gewisses Risiko verbunden ist.

Mit zivilcouragiertem Handeln meint Veronika Brandstätter allerdings keine Heldentaten à la Leoluca Orlando, dem sizilianischen Mafiajäger. «Kleine Schritte statt Heldentaten», ist denn auch ein Motto des Zürcher Zivilcourage-Trainings (ZZT). Die zentrale Botschaft: Zivilcourage braucht es keineswegs nur in Diktaturen. Auch in unserem Alltag gibt es dazu genügend Gelegenheiten: Kleine, zu einem selbst passende Verhaltensweisen, die einem Klima von Gleichgültigkeit und abschätzigem Verhalten Einhalt gebieten können.

Ein zentrales Forschungsergebnis lautet so: Je häufiger sich eine Person in einer Situation befand, in der sie aktives Einschreiten einüben konnte, und je öfter sie dieses Einschreiten kompetent bewältigte, desto wahrscheinlicher ist es, dass Selbstvertrauen, Handlungsentschlossenheit und vor allem Handlungsroutine zunehmen. Es soll beim Einüben von Zivilcourage aber nicht darum gehen, Angstgefühle «wegzutrainieren», sondern darum, Verhaltensweisen zu entwickeln, die trotz Angst ausgeführt werden können.

Das Zürcher Zivilcourage Training (ZZT) vermittelt psychologisches Hintergrundwissen und entwickelt mit Rollenspielen und Übungen wirksame Strategien für das eigene Verhalten in kritischen Alltagssituationen.
Das ZZT basiert auf zwei Säulen. Es vermittelt relevantes Wissen und baut Handlungskompetenzen auf. «Das Spezielle an unserem Training», erklärt Veronika Brandstätter, «ist, dass wir den Teilnehmenden immer die relevanten aktuellsten Resultate aus der psychologischen Forschung präsentieren. So lassen sich Verhaltensänderungen leichter erreichen.» Diese Informationen werden mit den Erfahrungen der Teilnehmenden verknüpft, wobei den Teilnehmenden auch polizeilich erprobte Verhaltensweisen vermittelt werden, die sie in kritischen Situationen anwenden können. Schlussendlich geht es darum, praktikable Handlungspläne zu erarbeiten – keine vagen Absichtserklärungen, sondern konkrete, auf die einzelnen Teilnehmenden ausgerichtete Handlungspläne.

Quelle:
Paula Lafranconi, Couragiert handeln, Artikel auf www.uzh.ch (Universität Zürich, news, 29. 1. 2009)

Kommentar:

Sie fragen sich, was ein solcher Text in einem Pflanzenheilkunde-Blog zu suchen hat? – Ganz einfach: Wenn es um Gesundheit und Krankheit geht, darf sich eine wache Pflanzenheilkunde meines Erachtens nicht darauf beschränken, die passende Heilpflanze für die jeweiligen Beschwerden zu finden. Der Kontext, in dem wir Menschen leben, ist genauso im Auge zu behalten. Dazu gehört auch die Art und Weise unseres Zusammenlebens. Natürlich stehen solche Aspekte nicht im Zentrum von Pflanzenheilkunde bzw. Phytotherapie. Aber eine Sensibilität für solche Zusammenhänge sollten alle Personen pflegen, die in der Heilkunde tätig sind.
Leider zeigt sich auch im Bereich von Komplementärmedizin / Naturheilkunde verbreitet eine Fixierung auf das Individuum. Gesundheit und Krankheit sind aber immer auch gesellschaftlich beeinflusste Phänomene. Zivilcourage beispielsweise hat meiner Ansicht nach etwas mit Würde und Respekt zu tun – und zwar bei denen, die Zivilcourage ausüben genauso wie bei denen, welchen sie zugute kommt.
Und Würde und Respekt wirken sich meiner Überzeugung nach günstig auf die Gesundheit aus. Obwohl dies natürlich nicht durch doppelblind-randomisierte Studien belegt ist.

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch