Es gibt nicht nur eine blinde Gläubigkeit gegenüber der Medizin. Es gibt meiner Erfahrung nach eine nicht minder grosse, zum Teil sogar erschreckende blinde Gläubigkeit bezüglich Naturheilkunde bzw. Komplementärmedizin.
Es braucht daher mehr kritische Auseinandersetzung innerhalb von Naturheilkunde bzw. Komplementärmedizin.
Es scheint mir sehr wichtig, dass Patientinnen und Patienten kritische Fragen stellen, Aussagen und Heilungsversprechungen prüfen und nicht einfach alles glauben, was ihnen präsentiert wird. Auch Lernende in Naturheilkunde-Ausbildungen sollten meines Erachtens das vermittelte Wissen sehr viel kritischer unter die Lupe nehmen, als dies im allgemeinen geschieht. Ein grundlegendes Problem in den Bereichen Naturheilkunde / Komplementärmedizin ist nämlich die weitgehend fehlende fachliche Qualitätssicherung.
Patientinnen und Patienten, aber auch Studierende, sind daher stark auf sich selber angewiesen, wenn es um die Beurteilung der Glaubwürdigkeit von Aussagen geht.
Die sorgfältige Beurteilung der Glaubwürdigkeit von Aussagen ist aber eine Fähigkeit, welche wir nicht einfach so vermittelt bekommen haben.

Ludwig Marcuse (1894 – 1971) schreibt dazu ziemlich prägnant:

“Die Unlust, die das Denken zu begleiten pflegt, ist von derselben Art, wie die Unlust, die ursprünglich das Gehen oder das Schreiben oder das Klavier-Spielen zu begleiten pflegt. Das Gehen wird in frühen Jahren zwangsweise eingeübt, bis es nicht mehr schmerzt. Das Denken wird nie so hart trainiert; Lernen ist meist das Gegenteil von Denken-lernen. Die Erziehung geht mehr auf das Einrammen von angeblich Fraglosem als auf das In-Frage-stellen. Die Unoriginalität des Einzelnen ist nicht eine Gabe der Natur. Schopenhauer hatte schon recht, dass der Mensch, den er fand, Fabrik-Ware ist. Aber nicht die Natur pflegt Fabrik-Ware herzustellen; dieser Ruhm bleibt der menschlichen Gesellschaft. Der Mensch hat es nicht nötig, die Vernunft zu entwickeln. Ja noch mehr, es ist lebensgefährlich, die Vernunft zu entwickeln. Ist es ein Wunder, dass er dankbar ist für jede Philosophie, die vom Denken dispensiert?”
(aus: Ludwig Marcuse; Das Märchen von der Sicherheit, Diogenes 1981)

Lernen scheint mir tatsächlich oft hauptsächlich auf das Einprägen von angeblich Fraglosem angelegt zu sein. Dabei bleibt aber die Fähigkeit unentwickelt, Aussagen zu prüfen und sich eine eigene fundierte Meinung zu bilden.

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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