2011 begeht die Schweiz das 100jährige Jubiläum der Wiederansiedlung des Steinbockes in den Schweizeralpen. Der Bund, die Bergkantone, das Weisstannental und nationale Organisationen, die sich um die Wieder-Ansiedlung verdient gemacht haben, wollen in diesem Jubiläumsjahr die Leistung aller Beteiligten in Erinnerung rufen und würdigen.

Darüber hinaus soll auch informiert werden über die Biologie des Alpensteinbocks und über die gegenwärtige Situation in den Steinbockkolonien der Schweiz.

Der Steinbock wurde in weiten Teilen der Alpen durch die Menschen ausgerottet, so auch in der Schweiz. Bis ins 19. Jahrhundert hinein überlebte der Alpensteinbock einzig am Gran Paradiso.

Illegal eingeführte Steinböcke, die der St. Galler Wildpark „Peter und Paul“ ab 1906 züchtete, sind dann erstmals am 8. Mai 1911 am Rappenloch im Weisstannental (SG) ausgesetzt worden. Die Wiederansiedlung des Alpensteinbockes in der Schweiz ist geglückt. In unserer Zeit ist der Steinbock wieder in weiten Teilen der Alpen heimisch. Es handelt sich wohl um den weltweit grössten Erfolg der Wiederansiedlung einer fast ausgerotteten Gross-Säugerart in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet.

Steinbock-Bestand heute:

In den Alpen leben gegenwärtig über 40‘000 Steinböcke. Am meisten Steinböcke leben zur Zeit in der Schweiz und in Italien. Die Steinbock-Bestände dieser beiden Länder machen mit jeweils 15‘000 Tieren drei Viertel der Gesamtpopulation aus. Einige Tausend Tiere leben zudem in Frankreich und in Österreich. Im Fürstentum Liechtenstein, in Deutschland und in Slowenien ist der Bestand an frei lebenden Alpensteinböcken auf wenige Tiere beschränkt, weil die Grösse des dort verfügbaren Steinbock-Lebensraumes sehr limitiert ist.

Quelle:

http://www.steinbock2011.ch/index.php

(hier gibt es Infos zur Lebensweise der Steinböcke)

Kommentar & Ergänzung:

Interessant ist auch die Geschichte des Steinbocks als Quelle von Heilmitteln:

„Schuld an der gnadenlosen Jagd auf den Steinbock war nicht nur das Wildbret und das prächtige Gehörn des Steinbocks, sondern vor allem der mittelalterliche Volksglaube an den Steinbock als Lieferant von Wunderheilmitteln. Es gab kaum einen Körperteil dem keine heilkräftige Wirkung zugesprochen wurde: Die Hörner lieferten Fingerringe gegen vielerlei Krankheiten, sein Blut sollte ein Mittel gegen Blasensteine sein, die Bezoarsteine (kleine Kugeln die sich im Magen des Steinbock aus Haaren, Steinchen, Harzen u. ä. zusammenballen) sollten Heilkräfte besitzen, dem zermahlenen Horn sagte man potenzfördernde Eigenschaften nach und geheime Wunderwirkungen erhoffte man sich von den herzförmig verknöcherten Sehnen der Herzmuskeln, dem Herzkreuzchen. Sogar die Losung des Steinbocks war angebliches Heilmittel. So ist es kein Wunder, dass Wilderer erbarmungslos Jagd auf die Tiere machten.

Als 1683 der Leibarzt des Fürsterzbischofs aus Salzburg die Wirksamkeit der Steinwildarzneien bestätigte, begann ein richtiger Run auf das Steinwild und es entbrannten blutige Wildererkriege die einen hohen Blutzoll forderten. Um den Wildererkriegen ein Ende zu machen,  gab Fürsterzbischof Graf Thun (Salzburg) um 1700 seinen Jägern den Auftrag alles Steinwild zu erlegen. Etwa um 1706 wurden die letzten Steinböcke im Ostalpenraum erlegt. Um etwa 1820 war der Steinbock im Alpenraum, bis auf einige wenige Exemplare im italienischen Gran Paradiso ausgerottet.“

(Quelle: http://www.weilburg-lahn.info/freizeit/tiestei.htm)

Tierische Heilmittel hatten in der traditionellen europäischen Medizin immer einen grossen Stellenwert.

Wenn heute aus Marketing-Gründen oder aus Überzeugung eine „Traditionelle Europäische Naturheilkunde“ (TEM) propagiert wird, dann wird dieser Teil der Tradition konsequent ausgeblendet.

Nicht dass ich dafür wäre, wieder auf die „Apotheke Alpensteinbock“ oder auf andere tierische Naturheilmittel zurückzugreifen. Aber es scheint mir wichtig zu sehen, dass uns hier eine sehr selektionierte und damit nicht gerade autentische Tradition präsentiert wird.

Steinböcke haben wir auf meinen Alpenblumenkursen in diesem Sommer schön beobachten können auf der Birg oberhalb von Mürren. Birg ist die Station zwischen Mürren und dem Schilthorn.

Die Wiederansiedlung von Alpensteinböcken fand und findet in der Regel breite Unterstützung innerhalb der Bevölkerung, da ein Bestand von Steinböcken häufig in der touristischen Vermarktung von alpinen Ferienorten genutzt wird. Der Kanton Graubünden hat den Steinbock sogar in seinem Wappen und macht gegenwärtig Fernsehwerbung mit den Tieren.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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