Der angeschlagene Naturkosmetik- und Arzneimittelhersteller Weleda baut seine Unternehmensführung um. An einer außerordentlichen Generalversammlung am 23. März haben die Aktionäre einen neuen Verwaltungsrat gewählt.

Den Führungswechsel sollen die beiden Weleda-Hauptaktionäre, die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft und die Ita Wegman Klinik, veranlasst haben.

Die Neuwahl wurde laut Firmenangaben nötig, weil „die Weleda einen handlungsfähigen Verwaltungsrat braucht“.

An der Spitze des Verwaltungsrates steht nun der Wirtschaftswissenschaftler Paul Mackay, der seit 1996 dem Vorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft angehört.

Im vergangenen Jahr hatte Weleda einen Verlust von rund 10 Millionen Schweizer Franken (rund 8,3 Millionen Euro) eingefahren – mehr als doppelt so viel wie im Jahr 2010, als der Verlust 3,8 Millionen Euro erreichte. Gleichzeitig sank der Umsatz 2011 auf 307 Millionen Euro und liegt damit leicht unter dem Vorjahreswert von 308 Millionen Euro. Weleda bewegt sich seit Jahren fast durchwegs in den roten Zahlen.

Auf diesem finanziellen Hintergrund kann der Naturkosmetik- und Arzneimittelhersteller für das Jahr 2012 aus dem Cash-flow seine Zinsverpflichtungen nicht erfüllen. Die Besitzer kämpfen um die Existenz des Unternehmens.

Zwar macht die Firma Währungseffekte durch den starken Schweizer Franken für das schlechte Resultat verantwortlich. Weleda krankt jedoch auch an schwerwiegenden Strukturproblemen.

Hauptsächlich die Pharmasparte, also die Heilmittelherstellung, ist defizitär.

Quellen:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/markt/feuerwehrmann-fuer-weleda

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/markt/weleda-kaempft-um-existenz?page=0,0#text

Kommentar & Ergänzung:

Weleda hält sich mit Naturkosmetik über Wasser, während die Herstellung von Antroposophika, also von Heilmitteln für die Anthroposophische Medizin, schwer in der Krise steckt.

Um die Bedürfnisse der Anthroposophischen Medizin zu decken, muss Weleda ein riesiges Sortiment von Heilmitteln bereitstellen, von denen viele nur wenig nachgefragt, aber aufwändig herzustellen sind. Darunter sind auch Präparate, die für Nichtanthroposophen reichlich skurril wirken wie Hirschgeweih (Cornu cervi D8), zerstossene Ameisen (z. B. Formica D15) oder das geröstete Skelett des Badeschwammes (Spongia tosta D6).

Den Erwartungen aus der Anthroposophischen Medizin gerecht zu werden und zugleich kommerziell erfolgreich zu sein oder zu mindestens schwarze Zahlen zu schreiben, ist wohl ein schwieriger Spagat.

Andererseits hat Weleda gegenüber Herstellern von synthetischen Medikamenten und von Phytopharmaka den grossen Vorteil,  dass Anthroposophika genauso wie Homöopathika via Grundversicherung  abgerechnet werden können, ohne dass sie ihre Wirksamkeit belegen müssen (wie es das Krankenversicherungsgesetz eigentlich verlangen würde).

Homöopathika und Anthroposophika sind vom Wirksamkeitsnachweis befreit, wodurch sich viel Forschungsaufwand einsparen lässt.

Ausserdem fallen bei den sehr grossen Verdünnungen vieler Weleda-Präparate kaum Materialkosten ins Gewicht.

Diese beiden Punkte müssten eigentlich die Kostenseite entlasten.

Weleda konnte sich bisher dank der Naturkosmetik-Sparte behaupten, die einen guten Ruf hat und die defizitäre Arzneimittel-Produktion wohl quersubventioniert. Doch der Naturkosmetik-Markt ist hart umkämpft. Und ausserdem kommt man in der Kosmetik rasch einmal in die Nähe von fragwürdigen Versprechungen, beispielsweise mit dem „Cellulite Programm“, mit welchem Weleda „Entschlackung“ verspricht.

Siehe dazu auch:

Entschlackung – was ist das?

Entschlackung – unnötig und ungesund

Schlackenstoffe – ein Phantom macht Karriere

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
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www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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