„Finanzbetrug gab es schon immer. Aber er fand an den Rändern oder in einzelnen Enklaven des Finanzgeschäfts statt: Der Chiasso-Skandal von 1974 betraf eine einzelne Filiale; Leason, Madoff, Kerviel, Adoboli waren Einzelfiguren. Neu scheint: Gier und Rücksichtslosigkeit haben sich ins Herz der Banken und der Märkte hineingefressen. Wahnwitzige Boni und Abgangsentschädigungen, Inanspruchnahme von Staatshilfe (mindestens durch die Hälfte der Banken im Libor-Panel) gepaart mit Arroganz, zuletzt die Libor-Schummelei – das sind nicht mehr Taten von einzelnen, das ist Kultur.“

(Urs Birchler, Professor für Banking am Institut für Banking und Finance der Universität Zürich, NZZ am Sonntag, 15. Juli 2012)

Kommentar:

Eine interessante, aber beunruhigende Diagnose: Die Krankheit ist systemisch. Eine Blutvergiftung quasi, nicht mehr nur eine lokale Infektion.

Schaut man sich die Meldungen der letzten Monate an, so macht es nicht den Eindruck, dass die Führungsriegen der Grossbanken – in der Schweiz CS und UBS – aus der Bankenkrise die notwendigen Lehren gezogen haben. Ihr Verhalten und ihre Stellungnahmen lassen jedenfalls jede Spur von Demut vermissen, die angebracht wäre angesichts der peinlichen Tatsache, dass sie ohne Zig-Milliarden Staatshilfe und einer De-facto-Staatsgarantie wohl allesamt Pleite gegangen wären.

CS und UBS haben nun bis ins Jahr 2018 Zeit, ihre Kapitalbasis zu verstärken. Zur Erinnerung, wir schreiben das Jahr 2012 und die Krise kann sich jederzeit zuspitzen……

Es darf ganz einfach nicht mehr sein, dass Banken Risiken und Verluste auf die Bürgerinnen und Bürger abwälzen können, während Gewinne selbstverständlich den Aktionären und den Managern zu fliessen. Das ist ein ungeheuerlicher Skandal und zudem  die Aufhebung der Marktwirtschaft, die von den Banken und ihren politischen Freunden offenbar nur beschworen wird, wenn es für sie selber nützlich ist.  Droht aber eine Pleite aufgrund von Spekulation und Missmanagement, dann soll der Staat helfen.

Dieses Sozialschmarotzertum muss aufhören.

Jetzt wird diskutiert, wie man dieses Risiko für die Bürgerinnen und Bürger verkleinern könnte, beispielsweise durch eine Trennung des risikoreichen Investmentbankings vom Rest der Finanzinstitute.

CS und UBS seien zu gross und zu wichtig für die Schweiz, als dass man sie pleite gehen lassen könnte. Daher gehen alle davon aus, dass der Staat sie im Notfall retten wird. Daraus ergibt sich die De-facto-Staatsgarantie, von der die beiden Grossbanken profitieren.

Neben schärferen gesetzlichen Regulierungen, die das Too-big-to-fail-Risiko vermindern sollen, hätte ich noch einen anderen Vorschlag, wie diese Übergrösse von CS und UBS reduziert werden könnte.

Privatpersonen, Firmen, Gemeinden, Kantone und der Bund sollten, wo immer es möglich ist, nur noch mit Banken geschäften, die nicht systematisch in verantwortungslose Spekulation, Schummeleien und Beihilfe zu kriminelle Machenschaften verwickelt sind. Wie wär’s mit Raiffeisenbanken, Migros-Bank, COOP-Bank, Alternativer Bank, Kantonalbanken, Sparkassen…..

Durch Diversifizierung weg von den beiden Grossbanken reduziert sich deren Stellenwert für die Schweizer Wirtschaft.  Dann kann man sie notfalls auch Pleite gehen lassen.

Und noch etwas: Boni soll meiner Ansicht nach nur noch bekommen, wer auch einen gleichwertigen Malus akzeptiert, falls das Ergebnis schlecht ist.

Ich weiss, die Banker werden einwenden, das sei ungerecht, weil das wirtschaftliche Umfeld für den Misserfolg verantwortlich sei. Eigenartigerweise kommt dieser Einwand aber nie, wenn es gut läuft und die Boni überreichlich fliessen. Dann rechnen sie sich das ganz selbstverständlich als persönlichen Verdienst an.

Martin Koradi

P.S.:

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

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Inserat

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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