Die Zahl der indischen Geier hat sich nach einem dramatischen Rückgang wieder leicht erhöht.

Nach Informationen der Bombay Natural History Society vergrösserte sich die Population der Aasfresser zwar nur geringfügig – aber doch so weit, dass die Ornithologen vage Hoffnung schöpfen.

In den frühen 1990er Jahren starben die Geier reihenweise, nachdem sie Tierkadaver verzehrt hatten, die den Arzneistoff Diclofenac enthielten. Der Entzündungshemmer wurde bei Rindern  verwendet und führte bei Geiern zu Nierenversagen. Der Einsatz von Diclofenac ist seit 2006 in der Tiermedizin untersagt, eine Massnahme, die offenbar zu spät ergriffen wurde. Bis ins Jahr 2003 wurden etwa 95 Prozent der Geier ausgelöscht. Die gesamte Geierpopulation Indiens reduzierte sich nach Angaben der “Times of India” von 40 Millionen auf weniger als 100.000 Tiere im Jahr 2011.

Geier gelten als besonders wichtig für die ökologische Balance, weil sei den Lebensraum von Aas befreien.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=157563

Kommentar & Ergänzung:

Diclofenac wird auch in Mitteleuropa in der Humanmedizin verbreitet angewendet zur Behandlung von Schmerzen und Entzündungszustände verschiedener Ursache, beispielsweise bei Arthritis, Arthrose, nach Operationen und Verletzungen, bei Menstruationsbeschwerden, Migräne und Gicht.

Diclofenac wird unter zahlreichen Handelsnamen verkauft:

Das ursprüngliche Präparat der Firma Geigy trug und trägt den Namen “Voltaren” und gehört inzwischen dem Pharmakonzern Novartis. Ausserdem sind im Handel: Agilomed (A), Algefit (A), Allvoran (D), Arthrex (D), Dedolor (A), Deflamat (A), Deflamm (A), Difene (A), Difen-Stulln (D, CH), Dolostrip (A), Dolpasse (A), Ecofenac (CH), Effekton (D), Effigel (CH), Fenisole (CH), Flam-X (CH), Flector (D, CH), Fortenac (CH), Inflamac (CH), Jutafenac (D), Monoflam (D), Olfen (CH), Pennsaid (A), Primofenac (CH), Relowa (CH), Rewodina (D), Sandoz Schmerzgel (D), Solaraze (D, A), Tonopan (CH), Tratul (A), Vifenac (CH), Voltfast (CH), sowie viele Generika (D, A, CH).

Auch wenn in Mitteleuropa keine derart dramatischen ökotoxikologischen Auswirkungen zu beobachten sind wie in Indien mit diesem Geiersterben, ist Diclifenac ökologisch nicht unproblematisch:

„Bei den in Abwasser und Klärschlamm regelmäßig gefundenen Rückständen von Arzneimitteln handelt es sich nach Angaben der Bundesregierung neben Carbamazepin vor allem um Diclofenac. Die wenigen bisher vorliegenden Untersuchungen an Pflanzen haben gezeigt, dass auch Pflanzen prinzipiell Arzneistoffe aus dem Boden aufnehmen können.

Im Fall von Diclofenac verlassen 70 Prozent den menschlichen Körper unverändert. Etwa 90 Tonnen des Wirkstoffes werden im Jahr in Deutschland verbraucht, wodurch etwa 63 Tonnen Diclofenac über den Urin in den Wasserkreislauf gespült werden. Da die Kläranlagen darauf nicht ausgelegt sind, gelangen Medikamente und ihre Rückstände fast ungehindert über die Oberflächengewässer auch wieder ins Trinkwasser.“

Quelle: Wikipedia

Ich bin kein fundamentalistischer Gegner von Produkten der Pharmaindustrie und Diclofenac habe ich temporär auch schon verwendet. In manchen Situationen scheint es mir aber sinnvoll, pflanzliche Alternativen auch aus ökologischen Gründen zu prüfen, beispielsweise bei der äusserlichen Anwendung von Diclofenac als Diclofenac-Gel oder Diclofenac-Salbe.

Vor allem Beinwellsalbe oder Beinwellgel zeigte sich jedenfalls in manchen Studien als ebenbürtig – ohne dass mit diesen Produkten Umweltprobleme zu erwarten sind.

Siehe auch:

Voltaren-Gel versus Beinwell-Salbe

Sprunggelenksverletzung – Beinwellwurzel wirksamer als Diclofenac

Beinwell ( = Wallwurz, Symphytum officinale) gehört zu den Raublattgewächsen (Boraginaceen). Er ist eine gute Nahrungspflanze für Hummeln und somit auch eine gute Gartenpflanze für die einheimische Tierwelt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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