Auf „Cicero online“, dem Magazin für politische Kultur, stellt Alexander Kissler den Halloween-Kult als „nerviges Fest der Fantasielosigkeit“ fulminant in Frage:

„Die Gruselmode zählt zu den dümmsten Importen, die je den Großen Teich überwunden hat. An Halloween werden kleine Kinder von der harten Rute des Kapitalismus gezüchtigt. Sie ziehen plärrend, schreiend, nervend von Haus zu Haus und belästigen, aufwendig verkleidet, friedliche Bürger mit der dümmsten aller Drohungen: „Süßes oder Saures!“ Unmengen von Süßigkeiten wollen sich die Knaben und Mädchen erschnorren, indem sie Ungemach androhen. Wer nach dieser tumben Devise keine Kariesbomben herausrückt – und zwar subito -, den wünschen sie zum Teufel. Manchmal verkleben sie Briefkästen oder zerdrücken Zahnpastatuben.“

Quelle:

http://www.cicero.de/salon/halloween-ein-nerviges-fest-der-fantasielosigkeit/56268

Kommentar & Ergänzung:

Kinder müssten halt ihre Kreativität ausdrücken können, sagte kürzlich eine Bekannte zugunsten von Halloween.

Mir kommt diese „Kreativität“ allerdings sehr normiert vor. Jedes Kind, das am letzten Halloween an meiner Haustüre läutete, sah etwa gleich maskiert aus und hatte etwa die gleichen Sprüche drauf.

Und dann hört man immer wieder den bedeutungsschweren Hinweis auf die uralten keltischen Wurzeln von Halloween.

Dazu gibt es eine interessante Passage auf Wikipedia:

„Die österreichische Ethnologin Editha Hörandner sieht die allfällig behaupteten keltischen oder heidnischen Ursprünge als historische Projektion, die regelrecht den Charakter eines Gütesiegels habe. Von Interesse für die Forschung sei weniger die längst widerlegte These einer ungebrochenen Kontinuität bis ins Altertum, sondern vor allem, wie sich die moderne Sehnsucht nach fiktiven keltischen Traditionen ausbilde und was darob verbreitet würde. Die verbreitete Praxis des Festes Halloween habe dabei mit diesen Vorstellungen wenig oder gar nichts zu tun und sei keineswegs heidnisch oder keltisch geprägt. Interessanter sei allemal die aktuelle Entwicklung von Halloween als Re-Import aus den USA.“

Die Kelten müssen immer wieder als Begründung für mehr oder weniger plausible Behauptungen herhalten. Sie sind die perfekte Begründungsinstanz. Weil niemand von den Lebenden dabei war und historisches Wissen über diese Periode auch nicht gerade weit verbreitet ist,  lassen sich solche Behauptungen naturgemäss schwer überprüfen.

Darum muss man bei solchen Begründungen immer sehr genau hinschauen. Das gilt im übrigen auch, wenn Heilmethoden mit uraltem Wissen begründet werden, wie beispielsweise bei Hildegard-Medizin, TCM oder Indianermedizin.

Nicht alles, was alt daherkommt, ist auch authentisch.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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