Bärlauch ist in Europa und Teilen Asiens vor allem in schattigen, feuchten und humusreichen Auwäldern und Laubwäldern verbreitet. Die Blüten sind ausgesprochen hübsch. Fotos dazu auf Wikipedia hier und hier.

Der Frühblüher Bärlauch wird hauptsächlich als Lebensmittel und Gewürz verwendet. Als Heilpflanze wird er seltener genutzt und steht im Schatten seines Verwandten Knoblauch – auch in der Forschung. Es gibt aber durchaus gelegentlich wissenschaftliche Publikationen zum Bärlauch. Zwar mangelt es an aussagekräftigen Studien mit Patienten.

Für einige Wirkungen gibt es Hinweise aus In-vitro-Untersuchungen (Laborexperimente).

Danuta Sobolewska und Kolleginnen von der Jagiellonian-Universität in Krakau, Polen, geben im Fachjournal »Phytochemistry Reviews« einen Überblick über die Studienlage geben. Den Wissenschaftlerinnen zufolge hat Bärlauch ein kardioprotektives (herzschützendes) Potenzial.

Bärlauch-Extrakte können die Plättchen-Aggregation, die Cholesterol-Synthese und die Aktivität des Angiotensin-konvertierenden Enzyms (ACE) hemmen. Fütterungsversuche mit Ratten ergaben, dass Tiere, die über acht Wochen pulverisierte Bärlauchblätter eingenommen hatten, eine signifikant tiefere Plasma-ACE-Aktivität aufwiesen als Kontrolltiere. In Untersuchungen mit spontan hypertensiven Ratten, die über 45 Tage eine mit Bärlauch angereicherte Kost bekamen, hatten diese einen signifikant tieferen Blutdruck als Kontrolltiere

Bärlauch hemmt Bakterienwachstum

Auch eine antimikrobielle Wirkung von Bärlauch konnte im Labor belegt werden. Bärlauch-Extrakte hemmten das Wachstum von verschiedenen Bakterienarten wie Staphylococcus aureus, Bacillus subtilis oder Salmonella enteritidis und von Pilzen sowie von Nematoden. Die antimikrobielle Wirkung ist dabei abhängig vom Gehalt an schwefelhaltigen Substanzen.

Sobolewska und ihre Kolleginnen sind davon überzeugt, dass die Erforschung des therapeutischen Nutzens von Bärlauch noch in den Kinderschuhen stecke, trotz der jahrtausendealten Tradition von Bärlauch als Heilpflanze.  Bärlauch habe jedoch durchaus therapeutisches Potenzial, das weiter untersucht werden sollte.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=51487

http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs11101-013-9334-0

Kommentar & Ergänzung:

Die schwefelhaltigen Inhaltsstoffe (Alliin, Methyl—L-cysteinsulfoxid) des Bärlauchs sind qualitativ mit dem Knoblauch vergleichbar, liegen aber quantitativ in geringerer Menge vor.

Die in-vitro gefundenen Hinweise für günstige Wirkungen auf Herz und Kreislauf sind interessant. Allerdings müsste man wohl regelmässig über längere Zeit ziemlich grosse Mengen Bärlauch essen, um klinisch relevante Wirkungen auf Herz und Kreislauf zu erzielen. Ob das realistisch ist, müsste noch geklärt werden.

Ausser Frage steht für mich, dass Bärlauch ein gesundes Lebensmittel ist, sofern man ihn beim Sammeln nicht mit den Giftpflanzen Herbstzeitlose oder Maiglöckchen verwechselt.

Siehe dazu:

Bärlauch, Maiglöckchen oder Herbstzeitlose?

Tödliche Verwechslungen von Bärlauch mit Herbstzeitlose

Unterscheidungsmerkmale: Bärlauch – Maiglöckchen – Herbstzeitlose

Das gesicherte Wissen über Wirkungen des Bärlauchs ist also (noch?) sehr begrenzt.

Die Frage ist nun, wie man mit dieser Situation umgeht. Meiner Meinung nach sollte man Grenzen des Wissens anerkennen. Es gibt in der Pflanzenheilkunde allerdings eine unselige Tendenz, fehlendes Wissen durch eigene Spekulationen zu ersetzen. Heilpflanzen werden dadurch mit eigenen Zuschreibungen aufgeblasen. Ein Beispiel für diese fragwürdige Tendenz finden Sie hier:

Bärlauchtinktur für mehr Durchsetzungskraft

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch