Verlagsbeschreibung

Angesichts des europa- und weltweiten Erstarkens rechtspopulistischer und autoritärer Bewegungen widmet sich der Autor zwei Begriffen, die derzeit zur Beschreibung der politischen Lage Konjunktur haben: Autoritarismus und Postfaktizität. Nach einem Rückblick auf klassische Autoritarismusstudien des 20. Jahrhunderts wird die Frage erörtert, inwiefern wir es heute mit einem “neuen” Autoritarismus zu tun haben und welche Rolle “postfaktische” Weltbezüge in ihm spielen. Nicht zuletzt zeigt der Autor Möglichkeiten der Intervention im Rahmen demokratischer Bildung auf. Das Buch endet mit einem auf eine demokratische Bildungspraxis gerichteten Kapitel zu Interventions- und Gegenstrategien.  Bestellen bei Buchhaus.ch: Zum Shop


Aus dem Inhalt:

  • Autor – Autorität – Autoritarismus
  • Stereotypie – Syndrom – Autoritarismus
  • Ein Blick auf ‚Die Sprache des Dritten Reiches‘
  • Die Sprachphilosophie von Ludwig Wittgenstein
  • Zum Verhältnis der Begriffe ‚Verdinglichung‘ und ‚Stereotypie‘
  • Ein sprachtheoretischer Blick auf den Syndromcharakter von Vorurteilen
  • Die ‚Authoritarian Personality‘ und der Syndromcharakter von Vorurteilen
  • Zusammenfassung: Theorie des Autoritarismus
  • Über autoritäre Haltungen in ‚postfaktischen‘ Zeiten
  • Statt einer Handlungsempfehlung

Zum Autor Björn Milbradt

Björn Milbradt, Dr. phil., ist Soziologe und Leiter der Fachgruppe “Politische Sozialisation und Demokratieförderung” am Deutschen Jugendinstitut in Halle (Saale).

Kommentar von Martin Koradi

Mir hat dieses Buch wichtige Erkenntnisse gebracht, obwohl ich weite Teile davon nicht wirklich verstanden habe.  Die Kapitel über die Theorie des Autoritarismus setzen für mich zuviel soziologisches Wissen voraus und die Sprachphilosophie Ludwig Wittgensteins ist für mich zu unverdaulich, obwohl ich mich regelmässig mit philosophischen Themen befasse.

Allerdings werden diese Kapitel auf den Seiten 189 – 192 ziemlich gut zusammengefasst und die restlichen Kapitel empfinde ich als ergiebig und verständlich

Es handelt sich dabei um folgende wichtige Themen:

Was ist Populismus?

Was ist Postfaktizität? Was ist Wahrheit?

Rechtspopulistische Strategien (Triumph der Meinung, Herzland, Angst-Raum).

Im Kapitel „Handlungsempfehlungen“ liefert der Autor keine fertigen Kochrezepte, aber wichtige Anregungen. So weist er mit Bezug auf Volker Weiss darauf hin, dass der Aufstieg von Parteien und Bewegungen mit rechtspopulistischen und völkisch-nationalen Zügen auch die Frage nach ihren Gegnern aufwerfe. Angsprochen sind damit explizit Linksliberale, Liberale und Konservative.

Milbradt schreibt dazu:

„Man könnte vermuten, dass all diese Akteure, die die potentielle Gegnerschaft autoritärer Bewegungen darstellen, teilweise bisher wenig von den Grundbedingungen dieser Gegnerschaft verstehen. Denn bei demokratischen Gesellschaften handelt es sich eben nicht im Wesentlichen um solche, in denen alle vier jahre gewählt wird oder die die Möglichkeiten dafür geben, die eigenen persönlichen oder parteipolitischen Partikalarinteressen oder Überzeugungen durchzusetzen. Dies sicher auch. Aber der Kern von Demokratie ist die institutionalisierte Ermöglichung eines Widerstreits, die dauerhaft die Existenz unterschiedlicher Überzeugungen, Lebensstile und Ansichten sowie die Möglichkeit fortwährender, teils äusserst Kontroverser Aushandlungsprozesse sicherstellt, und zwar auf allen gesellschaftlichen Ebenen, von der lokalen bis zur nationalen und internationalen Ebene……

Populisten haben dann ein leichtes Spiel, wenn die Demokratinnen und Demokraten nicht wissen, was sie verteidigen, und daher den propagandistischen Strategien der Antidemokraten leicht auf den Leim gehen. Wer Demokratie als eine Art Lieferservice hält,  weiss nichts über die komplizierten und langwierigen Arbeits- und Aushandlungsprozesse, über die Parteiarbeit in Ortsgruppen, Gremien, Rathäusern und Parlamenten, und er weiss dann auch nichts davon, dass er selbst als Demokrat dazu aufgefordert ist, an diesen Aushandlungsprozessen teilzunehmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dann Politiker und Parteien gewählt werden, die versprechen, besser zu ‚liefern’, ist nicht ganz gering – wie man sicherlich am Beispiel Donald Trump und seinen teils absurden Versprechungen….gut zeigen kann.“

Dieser Beschreibung des Kerns der Demokratie ist eine möglichst weite Verbreitung zu wünschen – bei Politikerinnen und Politikern verschiedenster Couleur, aber auch bei Bürgerinnen und Bürgern.

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytoherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

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