Auf Kräuterwanderungen werde ich immer wieder mal darauf angesprochen, ob es vertretbar sei, Wildbeeren zu sammeln und zu essen, wegen dem Risiko einer Infektion mit dem Fuchsbandwurm.

Dazu ist zu sagen, dass ein Befall mit dem Fuchsbandwurm für den Menschen lebensgefährlich sein kann, aber sehr selten vorkommt.

In Deutschland waren die Meldezahlen im Vergleich zu den Vorjahren nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) im Jahr 2016 wieder rückläufig: 26 Fälle gab es, davon 10 aus Bayern, 8 aus Baden-Württemberg, wobei das RKI darauf hinweist, dass davon nicht in jedem Fall auf den Infektionsort geschlossen werden kann.

Infizierte Personen nehmen zunächst keine Beschwerden oder Schmerzen wahr, wie das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) erklärt. Der Erreger befalle unbemerkt die Leber, in der sich die Larven des Bandwurms entwickeln.” Manchmal wird auch die Lunge oder – seltener – das Gehirn befallen. Die Larven wachsen im Körper sehr langsam und zerstören tumorartig das Organ. Bis sich die ersten Symptome zeigen, kann es mehr als zehn Jahre dauern.

Noch vor 30 Jahren galt eine Ansteckung mit dem Fuchsbandwurm als Todesurteil. Inzwischen gibt es Medikamente, die den Erreger in Schach halten, eine komplette Heilung ist jedoch noch nicht möglich, erklärte Professor Klaus Brehm vom Institut für Hygiene am Uniklinikum Würzburg kürzlich im Bayerischen Rundfunk. Die Medikamente können das Wachstum der Larve im Organismus des Menschen eindämmen, sind jedoch nicht in der Lage, das Larvengewebe abzutöten, so dass Patienten das Medikament ein Leben lang nehmen müssen.

Die geschlechtsreifen, drei bis vier Millimeter langen Würmer leben im Darm von Fleischfressern, in Europa hauptsächlich von Rotfuchs, Marderhund und seltener auch bei Hund und Katze. Die Tiere scheiden die Eier des Parasiten mit dem Kot aus. Diese sind gegenüber Umwelteinflüssen sehr widerstandfähig und können unter günstigen Bedingungen mehrere Monate infektiös bleiben. Abtöten lassen sich die Eier nur durch kurzes Abkochen oder ein mehrere Tage dauerndes Einfrieren bei minus 80 Grad.

 

Und nun zu möglichen Übertragungswegen

Der Übertragungsweg des Fuchsbandwurms auf den Menschen sei noch nicht richtig erforscht, erläutert das Friedrich-Loeffler-Institut.

Die Übertragung des Parasiten von einem Haustier auf den Menschen ist weltweit bisher noch in keinem Fall nachgewiesen worden. Eine Übertragung vom Hund kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. Deshalb sollten herumstreunende und Mäuse jagende Hunde regelmäßig auf Bandwürmer untersucht und entwurmt werden. Bei Katzen besteht nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts nur ein geringes Übertragungsrisiko, weil sie eine geringere Empfänglichkeit für den Fuchsbandwurm haben und im Falle einer Infektion sehr viel geringere Eizahlen ausscheiden.

Und nun zum Sammeln von Beeren und Pilzen…

Mikrobiologe Klaus Brehm von der Würzburger Uniklinik erklärt dazu, dass das Sammeln von Beeren oder Pilzen bisher in keiner Studie als Risikofaktor identifiziert worden ist. Er gibt ausserdem den wichtigen Hinweis, dass man mehrere Hundert Eier des Fuchsbandwurms aufnehmen müsse, um sich zu infizieren, und sagt darüber hinaus:

“Je höher eine Beere am Strauch hängt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Beere mit Fuchskot in Verbindung kommt. Das heißt, die Beere muss schon erkennbar mit Fuchskot verunreinigt sein und kaum jemand wird so eine Beere essen.”

Quelle:

https://www.n-tv.de/wissen/Ist-Pilze-und-Beerensammeln-riskant-article20582536.html

https://www.br.de/mediathek/video/unnoetige-aengste-infektion-mit-fuchsbandwurm-durch-beeren-kaum-moeglich-av:5b6ad150147dc800180ed0ba

Kommentar & Ergänzung:

Das sind immer so schwierige Themen, wenn es zwar äusserst unwahrscheinlich ist, dass ein Risiko eintrifft, doch wenn es trotzdem geschieht,  zum Beispiel die Fuchsbandwurm-Infektion, dann ist es eine sehr ernsthafte Sache.

Immerhin lässt sich die Krankheit inzwischen soweit behandeln, dass man nicht mehr an ihr sterben muss.

Beim Fuchsbandwurm scheinen die Warnungen vor einer Infektion durch den Genuss von gesammelten Beeren allerdings auf einer sehr schwachen Grundlage zu stehen.

Dafür sprechen auch Aussagen anderer Fachleute, zum Beispiel von der Uniklinik Ulm:

Fuchsbandwurm: Risiko durch Waldbeeren?

Waldbeeren & Fuchsbandwurm diffuse Ängste

Interessant und zuwenig bekannt acheint mir der Hinweis, dass es offenbar eine längerdauernde Aufnahme von mehreeren 100 Eiern braucht, bis eine Infektion stattfindet.

Offenbar kann man mit diesen Fuchsbandwurmeiern auf verschiedensten Wegen in Kontakt kommen. Im Merkblatt „Vorsicht Fuchsbandwurm“ des Instituts für Parasitologie der Universität Zürich stehen zum Beispiel auch die Hinweise:

– „Schuhe/Stiefel nicht im Wohnbereich benutzen und die Hände regelmässig waschen.

– Nach Arbeiten mit Erde oder Gras (Rasen) und Gartenarbeiten, sowie nach Kontakt mit Hunden jeweils die Hände gründlich waschen. „

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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