Fruchtfliegen sind insbesondere im Sommerhalbjahr oft eine Plage. Der Tages-Anzeiger hat dazu einen ausführlichen Artikel veröffentlicht und darin auch einen interessanten Hinweis für eine pflanzliche Bekämpfungsmöglichkeit aufgeführt:

„Rein biologisch geht es aber auch. Die Fleisch fressende Pflanze Fettkraut dezimiert die Plagegeister effektiv.“

Quelle:

https://www.tagesanzeiger.ch/wissen/so-werden-sie-fruchtfliegen-los/story/27444850

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Idee.

Aus diesem aktuellen Anlass ein paar Inputs zur Gattung der Fettkräuter und zu ihrem Insektenfressertum.

Die Gattung Fettkraut ( = Fettblatt, Pinguicula) ist bei uns vor allem in den Bergregionen nicht selten anzutreffen. Jedenfalls sind diese Insektenfresser verbreiteter als die ebenfalls insektenfressenden Drosera-Arten (Sonnentau), die insbesondere in Hochmooren vorkommen.n

Die dem Boden aufliegenden Blätter der Fettkräuter scheiden ein Fangsekret aus, das ihnen einen fettigen Glanz verleiht und Insekten anlockt. Gerät ein Insekt auf ein solches Blatt, scheidet die Blattoberfläche einen enzymhaltigen Verdauungssaft aus. Er enthält die Enzyme Amylase, Esterase, Phosphatase, Protease und Ribonuklease, kann also unter anderem Stärke und Eiweisse verdauen. Die Blätter können sich über einem gefangenen Insekt einrollen, doch ist diese Bewegung sehr langsam. Auf der Blattoberfläche können sich rund um die Beute auch kleine Vertiefungen bilden, in denen sich dann Verdauungssäfte sammeln. Das erleichtet die Zersetzung der Beute.

Die Fettblätter bzw. Fettkräuter können neben kleinen Insekten auch Pollen verwerten, der auf die Blätter geweht wird. Blütenpollen ist sehr proteinreich. Beim Gemeinen Fettblatt (Pinguicula vulgaris) können über 50% des aufgenommenen Proteins aus Pollen stammen.

Die Gattung Fettblatt (Pinguicula) gehört zur Pflanzenfamilie der Wasserschlauchgewächse (Lentibulariaceae) und umfasst etwa 85 Arten. Vier davon kommen in der Schweiz vor.

Am verbreitetsten ist das Gemeine Fettblatt (= Gemeines Fettkraut, Pinguicula vulgaris) mit seinen schönen, blauen Blüten.

Hier geht’s zu einem schönen Foto der Pflanze in meiner Bildergalerie:

Gemeines Fettblatt (Pinguicula vulgaris)

Bei meinen Kräuterwanderungen in den Bergregionen ist das Fettblatt immer wieder mal anzutreffen. Es kommt aber auch in tieferen Lagen vor. Wir finden es zum Beispiel oft auf der Kräuterwanderung zum Sihlsprung im Sihltal.

In Bergregionen kommt das Alpen-Fettblatt (Pinguicula alpina) ziemlich häufig vor. Seine hübschen Blüten sind weiss-gelb (Siehe Foto).

Dann gibt es noch hauptsächlich in Graubünden und im Wallis das sehr schöne Dünnspornige Fettblatt (Dünnsporn-Fettkraut, Pinguicula leptoceras), zu sehen auf den Kräuterwanderungen im Valsertal. Foto auf Wikipedia hier:

Das sehr seltene Grossblütige Fettblatt ( Pinguicula grandiflora) habe ich noch nie angetroffen.

Soviel also zu den Fettblättern.

Ob sie wirklich effizient sind gegen Fruchtfliegen, kann ich nicht beurteilen. Wer es versuchen will, dem würde ich aber empfehlen, sich eine Pinguicula-Art aus der Gärtnerei zu besorgen. Ob unsere einheimischen, wilden Fettblatt-Arten sich als „Hauspflanze“ eignen, scheint mir nicht so sicher.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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