Die Extremismusforscherin Julia Ebner schreibt dazu:

„Die Strategie von Extremisten besteht darin, den gesamten Wahrheitsbegriff zu entwerten. Fakten werden als parteiisch, als Teil des korrupten Systems und von den Eliten gesteuert hingestellt. Damit, das Misstrauen und den Zynismus gegenüber den Mainstream-Medien zu steigern, ist ein guter Anfang gemacht. Rechtsextremisten wie islamistische Extremisten reiben sich die Hände über Trumps offenen Krieg mit den ‚unehrlichen’ und ‚manipulierten’ Medien…..

Die Kampagnen im Vorfeld sowohl des Brexit-Referendums als auch der US-Präsidentschaftswahl 2016 haben ziemlich krass gezeigt, dass politische Rhetorik längst nicht mehr dem Zwang gehorcht, die Wahrheit zu sagen. Tatsachen werden als Lügen präsentiert, Unwahrheit wird als Wahrheit präsentiert. Sokrates’ Methoden zur Überzeugung seiner Zuhörer finden heute keine Anwendung mehr…..

Fake News fachen die Flammen des Extremismus an

Welches sind die Folgen dieses Post-Faktualismus? ‚Post-Wahrhaftigkeit errichtet ein brüchiges soziales Gebäude, das auf Skepsis beruht. Sie untergräbt das Vertrauensfundament, das jeder gesunden Zivilisation zugrunde liegt’, schreibt Ralph Keyes. Apple-CEO Tim Cook äusserte die Sorge, dass von Klicks gesteuerte Fakes News ‚die Leute um den Verstand bringen’ könnten. Die ausführende Produzentin von Democracy Now, Amy Goodman, ging noch weiter, als sie warnte, dass sie Menschen sogar das Leben kosten könnten…….

Fake News fachen die Flammen des Extremismus an. Der Post-Faktualismus hat im Verein mit steigenden Ängsten die perfekten Bedingungen geschaffen, damit Extremisten Erfolg haben können. Die OECD hat warnend darauf hingewiesen, dass die Auswirkungen von Fake News, die einer Gehirnwäsche gleichen, junge Leute anfälliger für Radikalisierung machen. Die Unfähigkeit, zwischen Wahr und Falsch zu unterscheiden, wird in den sozialen Medien verschlimmert, wo User zunehmend in Blasen leben.“

Zitat aus:

Julia Ebner, „Wut – Was Islamisten und Rechtsextreme mit uns machen“,

Theiss Verlag 2018

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Julia Ebner schildert sehr eindrücklich, wie ähnlich sich Rechtsextremisten und Islamisten sind. Es handelt sich dabei um zwei Seiten der gleichen Medaille.

Julia Ebner schreibt, dass „Sokrates’ Methoden zur Überzeugung seiner Zuhörer…heute keine Anwendung mehr“ finden. Ziel der sokratischen Methode in der von Platon überlieferten Form ist die gemeinsame Einsicht in einen Sachverhalt auf der Basis von Fragen, Antworten und Argumenten. Der sokratische Dialog soll nicht der Überredung des Gesprächspartners dienen, sondern der Überzeugung. Diese Grundhaltung ist im „Post-Faktualismus“ gefährdet.

Um dem grassierenden Extremismus jeder Couleur den Boden zu entziehen, braucht es eine gesellschaftliche und politische Mitte, die wach und aufmerksam ist, sich zeigt und Stellung bezieht, sich vernetzt und organisert. Packen wir das an!

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http://phytotherapie-seminare.ch/gesellschaftspolitik-texte-buchempfehlungen/