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Studie belegt weltweites Insektensterben

Natur

Avatar-FotoMartin Koradi11.02.2019

Als im Jahr 2016 Forschungsergebnisse des Krefelder Entomologischen Vereins einen dramatischen Insektenschwund in Krefelder Naturschutzgebieten aufzeigten, stiess diese Studie in Deutschland und international auf grosses Interesse.

In Krefeld sind beispielsweise in den vergangenen Jahrzehnten von 28 dokumentierten Hummel-Arten 19 ausgestorben; bei den verbleibenden neun Arten geht die Zahl der Individuen laufend zurück. Das ist unterm Strich das Resultat von Insektenzählungen, die Fachleute des Entomologischen Vereins betreiben.

Die Ergebnisse der Studie wurden allerdings auch prompt in Frage gestellt und zum Beispiel ihre Aussagekraft über den lokalen Krefelder Bereich hinaus bezweifelt.

Nun hat jedoch eine aktuelle Übersichtsstudie, die im Journal Biological Conservation (Sánchez-Bayo/Wyckhuys, 2019) publiziert wird und online vorab verfügbar ist, die dramatische Entwicklung untermauert:

Den Wissenschaftlern zufolge zeigen 40 Prozent der Insektenarten weltweit einen Rückgang, ein Drittel der Arten sei gar vom Aussterben bedroht. Als größten Treiber des Insektensterbens identifizierten die Forscher den Verlust von Lebensraum durch intensive Landwirtschaft sowie die zunehmende Urbanisierung. Chemische Schadstoffe wie Pestizide und synthetische Düngemittel, invasive Arten und der Klimawandel sehen die Wissenschaftler als weitere Ursachen.

Wenn die Insektenmasse auch in Zukunft jährlich um 2,5 Prozent abnehme, könnte die artenreichste Klasse der Tiere in einem Jahrhundert verschwunden sein, warnen die Forscher um Francisco Sánchez-Bayo von der Universität Sydney, der die Übersichtsarbeit mit Kris Wyckhuys von der Chinesischen Akademie für Agrarwissenschaft (CAAS) mit Sitz in Peking durchgeführt hat.

Sie werteten dazu 73 Studien zum Insektensterben aus und verglichen die Daten. Die Resultate fassten sie für ihre Arbeit zusammen. Demnach sind an Land Schmetterlinge, Käfer und Hautflügler (Bienen, Wespen, Ameisen) am stärksten bedroht und vom Artenrückgang betroffen. Auch wasserlebende Insekten wurden berücksichtigt, Libellen, Steinfliegen, Köcherfliegen und Eintagsfliegen bereits erhebliche Artenverluste zeigten. Weltweit verschwinden rund zwei Prozent der Insekten.

Mehr als 60 Prozent aller bekannten Tierarten gehören zu den Insekten. Sie sind das breite Nahrungsfundament für zahlreiche Amphibien, Reptilien, Fische und Vögel, haben aber auch für den Menschen eine existenzielle Funktion: Ihre Bedeutung für die Bestäubung von Obst, Gemüse und Futterpflanzen ist kaum zu überschätzen.

Francisco Sánchez-Bayo warnt:

„Wenn das Insektensterben nicht aufgehalten werden kann, wird das katastrophale Konsequenzen für das Ökosystem Erde und das Überleben der Menschheit haben.“

Die Welt müsse die Art und Weise ändern, mit der Lebensmittel produziert werden, sagt der Wissenschaftler. Besonders der Einsatz von Pestiziden müsse vermindert werden. Diese Mittel stehen unter Verdacht, vor allem das Nervensystem von Bienen anzugreifen. Schon seit 2013 dürfen Neonikotinoide in Europa darum nicht mehr an Pflanzen eingesetzt werden, auf denen sich Bienen normalerweise niederlassen. Einige der Insektizide wurden ganz untersagt.

Quellen:

https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2019-02/artenvielfalt-volksbegehren-globales-insektensterben-artenschutz

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0006320718313636

https://rp-online.de/nrw/staedte/krefeld/insektensterben-krefelder-entomologen-verteidigen-ihre-zahlen_aid-19454815

 

Kommentar & Ergänzung:

Wem Heilpflanzen und Wildblumen am Herzen liegen, dem können Insekten nicht egal sein. Denn ohne Insekten keine Heilpflanzen und Wildblumen (und umgekehrt).

Heilpflanzen, Wildblumen (und manchmal auch Schmetterlinge oder andere Insekten) können Sie auf meinen Kräuterwanderungen kennenlernen. Mehr dazu im Kurskalender.

Das Insektensterben ist im Übrigen auch ein starkes Argument für die Förderung der Bio-Landwirtschaft, weil dadurch weniger Pestizide in die Umwelt gelangen.

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