Vor kurzem wurde ich an einem Kräuterkurs auf den Sidroga Basentee angesprochen und gefragt, ob ich diese Mischung sinnvoll finde.

In Online-Apotheken, zum Beispiel bei der Adler Apotheke, wird der Sidroga Basentee so angepriesen:

„Der Sidroga Basentee ist eine erlesene, basische Kräuterteemischung. Durch seine ausgesuchten Inhaltsstoffe wie zum Beispiel basische Kräuter, Brennnesseln, Birkenblätter oder Löwenzahnkraut ist der Sidroga Wellness Basentee eine wunderbare Unterstützung für den Säure-Basen-Haushalt.“

„Ausgesuchte Inhaltsstoffe“, speziell „basische Kräuter“, sollen also „eine wunderbare Unterstützung für den Säure-Basen-Haushalt“ bewirken.

Tönt gut, ist aber meines Erachtens nur aufgeblasenes Gerede.

Die Zusammensetzung dieser Teemischung wird so angegeben:

„Brennnesselblätter (26%), Melissenblätter (15%), Hagebuttenschalen (14%), Fenchel, Äpfel (10%), Zimtrinde, Lindenblüten (5%), Löwenzahnkraut (5%), Kümmel, Birkenblätter (1%)“

Es gibt keinerlei auch nur einigermassen plausible Argumente, weshalb diese Kräuter basischen sein sollten als andere Kräuter. Von basischen Kräutern oder gar „Basenkräutern“ zu reden ist schon an sich fragwürdig.

Als Basenliferanten gelten ja beispielsweise generell Kartoffel, Gemüse, Obst und Kräuter. 

Wenn ich zum Beispiel nun ein Kartoffelgericht esse, dann nehme ich sind das rasch einmal einige 100g Kartoffeln. Frag sich einfach, wieviel ich von diesem Basentee trinken müsste, um eine ähnlich Basenzufuhr zu erreichen. So etwa 10 – 20 Liter pro Tag grob gescnätzt?

Gemessen mit Gemüse und Obst dürfte der Basentee für die Basenzufuht vollkommen irrelevant sein.

Dazu kommt noch, dass unser Säure-Basen-Haushalt im Normalfall durch kompetente Regulationsmechanismen sehr genau eingestellt wird. Die Vorstellung, dass unser Organismus  durch eine Übersäurerung aus dem Gleichgewicht kommt, wird uns mehr eingeredet als dass sie real ist. Wer wirklich übersäuert ist, ist tot oderals Notfall auf der Intensivstation.

Auch aus diesem Blickwinkel ist ein Basentee fragwürdig.

Dazu kommt noch, dass der Sidroga Basentee exorbitant teuer ist. Zurzeit werden 20 Teebeutel in Online-Apotheken etwa für 7 – 8 Franken verkauft.

Stichwort „Basentee“ suggeriert Mehrwert

Aber das Stichwort „Basentee“ suggeriert offenbar den Konsumentinnen und Konsumenten derart viel Mehrwert, dass sie für eine ziemlich banale Teemischung einen derart stolzen Preis gerne hinlegen.

Fazit:

☛ Es gibt keinen glaubwürdigen Hinweis, dass dieser Sidroga Basentee einen Einfluss auf den pH-Wert im Organismus hat (das alles gibt natürlich auch für andere Basentees).

☛ Selbst wenn es diesen basischen Einfluss gäbe, würde unser Oranismus ihn wieder ausgleichen, weil der pH-Wert in sehr engen Grenzen durch Regulationsmechanismen stabil gehalten wird.

☛ Der Tee ist viel zu teuer.

☛ Persönliches Fazit: Ich würde heute als Drogist wohl ziemlich schnell pleite gehen, weil ich jede zweite Kundin und jeden zweiten Kunden fragen würde: „Sind Sie sicher, dass Sie dieses Produkt auch nötig haben?“

Siehe auch:

Basendiät gegen Übersäuerung des Körpers?

Übersäuerung und basische Ernährung – ein fragwürdiges Konzept

Fragwürdiges Basenfasten

Übersäuerung macht krank – stimmt das?

Die österreichische Zeitung “Der Standard” zitiert die Ernährungswissenschaftlerin Philippa Lovrek:

“Mit der Ernährung lässt sich der pH-Wert im Körper nicht verändern.”

Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000106985602/ernaehrungsexpertin-ueber-basische-speisen-abnehmen-geht-nebenbei

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