Die Boulevardzeitung „Bild“ schreibt über Hausmittel bei Gelenkschmerzen. Dabei kommt auch ein Orthopäde Dr. Rinio zu Wort mit einem skurrilen Tipp:

«Ein altes, bewährtes Hausmittel sind Wärmeanwendungen. An tristen Tagen tun Basenbäder Nacken, Schultern, Knien oder Füßen gut: „Die Wärme lockert das Gewebe, die Basensalze neutralisieren die Säure im Bindegewebe – ein Hauptauslöser chronischer Schmerzen“, erklärt Dr. Rinio. „Die Dauer des Bades bzw. die Einwirkung der Basenwickel auf das schmerzende Gelenk sollte bei mindestens 20 Minuten liegen.“ Tipp: drei Wiederholungen pro Woche.“»

Quelle:

https://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/gesundheit/gelenkschmerzen-hausmittel-wie-basenbad-und-quarkwickel-helfen-65051930.bild.html

Kommentar & Ergänzung:

Gut, warme Bäder können die Muskulatur lockern und oft auch Schmerzen lindern.

Aber Basenbäder sind ausgekochter Unsinn. Basensalze gehen nicht durch die Haut. Wie sollen sie da im Bindegewebe Säure neutralisieren? Im Bindegewebe hat es auch keine Säuren, die durch Basen von aussen neutralisiert werden müssten. Überschüssige Säuren werden duch die Nieren ausgeschieden.

Sehr gut durch die Haut in den Körper aufgenommen werden kleine, lipophile (= fettliebende) Substanzen. Sehr schlecht bis gar nicht aufgenommen werden hydrophilo (= wasserliebende) Substanzen, zu denen Basensäuren gehören.

Von einem Arzt würde ich etwas mehr Verständnis für Hautphysiologie erwarten.

Die ganze Basentheorie steht auf äusserst wackeligen Beinen.

Zu diesem Thema hat gerade Medwatch einen Artikel publiziert, der mit dem Fazit endet:

„Ein ‚basisches’ Produkt unterstützt höchstens den Umsatz des Herstellers, hilft einem eigentlich gesunden Verbraucher aber nicht.“

Quelle:

https://medwatch.de/2019/08/27/entsaeuern-mit-birgit-schrowange-teurer-unsinn-mit-basischen-produkten/

Auch das Portal Medizin-Transparent hat sich mit Basenbädern befasst, allerdings im Zusammenhang mit Neurodermitis:

„Herstellerfirmen von Basenbad-Produkten werben damit, dass basisches Badewasser schädliche Säuren aus dem Körper zieht – und zwar über die Haut. Der Werbung zufolge soll das beim Entgiften des Körpers helfen.

Diese Vorstellung widerspricht dem wissenschaftlich anerkannten Wissensstand. Im Körper sammeln sich keine überschüssigen Säuren an, denn diese werden über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden.“

Quelle:

Die Vorstellung, dass Basenbäder Säuren aus dem Körper ziehen können, ist genauso fragwürdig wie die Vorstellung, dass die Basensalze in den Organismus eindringen und dort Säuren neutralisieren.

Medizin-Transparent hat darüber hinaus einen Betrag publiziert, der sich generell mit der Vorstellung von „Übersäuerung“ befasst.

Fazit:

„Basische Kost soll der Übersäuerung des Körpers vorbeugen – und damit zahlreichen Krankheiten. Auf wissenschaftliche Fakten kann sich diese Theorie nicht stützen……..

Dass eine angeblich ‚säurereiche’ Ernährung die Knochen schwächt, ist nicht wahrscheinlich. Zur Auswirkung auf andere Erkrankungen gibt es keine wissenschaftlichen Untersuchungen.

Ein nicht-ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt schwächt angeblich die Abwehrkräfte und soll Ursache für viele chronische Erkrankungen wie Osteoporose oder Rücken- und Gelenksschmerzen sein. Manche Medien und Internetseiten empfehlen deshalb eine Umstellung der Ernährung auf sogenannte basenreiche Kost. Dazu zählen angeblich Obst, Gemüse, Kartoffeln oder Kräuter, wogegen zum Beispiel Süßes und Fleisch zu ungesunden, ‚säurebildendenden’ Lebensmitteln gezählt wird.“

Quelle:

Dass Obst und Gemüse gesünder sind als viel Fleisch, Zucker und Weissmehl, ist unbestritten. Mit Übersäurerung hat das aber nichts zu tun.

Mehr dazu ausserdem hier:

Übersäuerung und basische Ernährung – ein fragwürdiges Konzept

(Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, DGE)

Basendiät gegen Übersäuerung des Körpers?

Übersäuerung macht krank – stimmt das?

“Basenbäder für die Bikinifigur”